Kritik der Kritik der Mehlsoße – oder der Mythos der verlorenen Kindheit

Ein ungeheuerliches Geständnis Dieser Tage lese ich anlässlich seiner Neuauflage wieder einmal Siebecks „Kochschule für Anspruchsvolle“. Vieles darin ist nach wie vor – sicherlich nicht genial, so doch exzeptionell, zumal vor seinem zeitlichen Entstehungshintergrund betrachtet, so manches ist banal, einiges ist überholt (es stünde schlimm um die Kochkunst und die …

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Berlin 1999, Teil 5: Nacht in der Bar des Grandhotels in der Hauptstadt während der Baufachmesse

Nervös wartet er an der Bar auf sie. Sie kommt heute nicht, sie wird nie mehr kommen, zumindest diese sie nicht. Unaufhörlich kippt der Keeper billigen Lemon juice in die Caipirinha, drückt vorgeschnittene, gekühlte Limonenschnitzen mit den Händen aus, mit denselben ungewaschenen Händen, mit denen er kurz zuvor auch mein …

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Berlin 1999, Teil 4: Die Marlene-Bar im Interconti

Nach nochmals 10 Minuten, weiter die Kantstraße herunter, vorbei am Bahnhof Zoo (die Nachfolgerinnen der Christiane F. stehen noch immer da), der Gedächtniskirche und dem Zoo kommt man schließlich zum alterwürdigen Interconti, sofern man einen siebziger Jahre Zweckbau überhaupt altehrwürdig nennen kann.  Traditionell schlafen die US-amerikanischen Präsidenten bei ihren Berlin-Besuchen …

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Berlin 1999, Teil 2: Das florian

Das wirkliche, das echte Berlin hält sich versteckt.  Versteckt nicht etwa hinter verschlossenen Türen von exklusiven Privatclubs – die Havanna Lounge ist wieder geschlossen, und selbst der China Club im Adlon soll so seine Probleme haben, hört man – sondern in aller Öffentlichkeit, versteckt hinter Unspektakulärheit, Unaufgeregtheit, solider Schlichtheit.  Schon …

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Berlin 1999, Teil 1

Es war einmal, in der guten alten Zeit …  Am Kudamm gab es das Kranzler noch, in der Bristol-Bar des Kempi trank fröhlich und unverzagt Harald Junke vor sich hin, und alle Köstlichkeiten der freien Welt konnte man mit astronomischen Preisen und durchaus bescheidenen Qualitäten im legendären KaDeWe käuflich erwerben.  …

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Ein wahres Leerbuch in Sachen Gastronomie

„Arme essen – Reiche speisen. Neuere Sozialgeschichte der zentraleuropäischen Gastronomie“ lautet der vielversprechende Titel des Buches des Kasseler Devianzforschers Rolf Schwendter. Wenngleich bereits 1995 erschienen ist, so ist das Werk in der Tat derart außerordentlich, daß es auch eine verspätete kritische Würdigung verdient. Am bemerkenswertesten ist dabei sicher die Chuzpe, …

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Authentische Küche

Freunde meiner Eltern hatten irgendwo in der Schweiz, zwischen See und Berg eine Ferienwohnung, in der wir in meiner Jungend manchmal Urlaub machten. Wenn man hinter dieser Wohnung ziemlich lang den besagten Berg hinaufstieg, kam man zu einem entlegenen Bergbauernhof, und dort wartete die eigentliche Sensation des ganzen Schweizurlaubes. Obwohl …

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Es gibt nur drei Arten des Essens: Essen als Nothdurft, Essen als Kultur und Essen als Kunst.

Essen als Nothdurft ist die Befriedigung des existentiellen Bedürfnisses. Es steht auf derselben Stufe wie der Stuhlgang oder das Atmen. Ohne ein Minimum an Nahrungszufuhr funktioniert der Körper nicht. Hier sind Mensch und Tier identisch. Wenn materielle Not den Menschen nur erlaubt, das wirklich Notwendigste zu essen und zu trinken …

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Badisches Drama am Rande des Schwarzwaldes

Schon länger wird der Niedergang des Hotel-Restaurants „Waldsägemühle“ am östlichen Rande des Schwarzwaldes nahe dem Flecken Pfalzgrafenweiler beklagt. Wagt der Hungrige trotz der verlockenden Nähe von Baiersbronn und Baden-Baden dennoch den Weg ins idyllisch gelegene Zinsbachtal, – – – so ist er selber schuld. Trotz Wochenend-Feiertag ist der Parkplatz zwar …

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Weiße oder „serbische“ Bohnensuppe

“Serbische Bohnensuppe” zählte bis zu dem unsäglichen (heißt das, daß es auch sägliche Kriege gibt?) Bruder- oder besser Vetternkrieg zu meinen absoluten Favoriten der rustikalen südosteuropäischen Küche. Heute weiß man noch nicht einmal, wie man eine dicke, paprizierte und tomatisierte Suppe von weißen Bohnen p.c. bezeichnen kann, ohne in ein …

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