Stoppt Bierversuche 

25 Grad, hellblauer Himmel mit zwei flauschigen Wolken, die aussehen wie der Popo von Jennifer Lopez und das leise Geklirre von mit Sollbruchstellen verzierten Maßkrügen verrät mir – ich bin im bayrischen Paradies auf Erden – ich bin im Biergarten meines Vertrauens.

Die an sich gemütlichen Bayern können beim Thema Biergarten so richtig aus sich rausgehen. Man hockt ja nicht zum Vergnügen den halben Sommer auf unbequemen Holzbänken, trinkt literweise vergorenes Getreide und isst fettes Bavarian Fast Food wie Hendl, Brezn und Obatzda. Apropos Obatzda, bei der Aussprache dieses Wortes an der Bestelltheke trennt sich die original-bayrische Spreu vom zugereisten Weizen. „Obaaatzden, da ist Käse drin,“ weiß das Nordlicht vor mir zu berichten. „Ah geh weida, do schau her“ respondiert ihm eine halbfreundliche Brotzeitfachkraft am „Schmankerlstand“.

Die Thorbenisierung Altbayerns, wo der potenzielle JU-Nachwuchs nicht mehr Alois, Hiasl und Sepp heißt, sondern Lasse, Jan, Fynn und eben Thorben macht auch vor dem Biergarten nicht halt. Die Speckgürtel-Kinder aus den Demos-Vorstädten („Wohnen im Grünen mit S-Bahn vor der Tür“) wuseln im Ribéry-Trikot durch die staubige Münchner Schotterebene, während Paps im Hilfiger-Polo „seinen“ Maß trinkt.

Das Nordlicht von eben mit seinem „angebatzten“ Quarkbutterkäsegemisch nähert sich. Jetzt setzen die sich auch noch zu uns. Wer sich fragt, wo der bayerische Gruß „Servus, oide Wurschthaut“ herstammt, braucht nur einen Blick auf seine hautenge Radlhose zu werfen, die er extra für diesen Ausflug angeschmiedet hat. Seine mitgereiste Frau grüßt freundlich, wir nicken überschwänglich zurück. Sie breitet die Tischdecke unter der Tupperware aus. Dabei flattert – an der Stelle wo Renaissance-Künstler einst den Trizeps modellierten – ihr Winkfleisch am unteren Oberarm leise im Wind –flhflhflh.

Es kommt zum interkulturellen Dialog. Unser Banknachbar eröffnet. „Schön isses ja hier in Bayern, wa, aber…“ ergänzt er frei nach Fredl Fesl „… wenn WIR Berge hätten, dann wärn se höher.“ Woraufhin ich bemerke: „Ja, wir Bayern würden wohl heute noch immer in den Wipfeln unserer sauren Fichten hocken und am rohen Rettich nagen ohne die bereichernden Einflüsse der preußischen Hochkultur wie Kartoffelpuffer, rote Grütze oder karierte Halstücher zum Trachtenhemd. Recht herzlichen Dank dafür.“

Na trotzdem Prost. Doch plötzlich: Sein Handy klingelt und die FCB-Melodie „Stern des Südens“ verrät mir eindeutig, dass sein Herz auch für den richtigen Fußballverein schlägt. Na ja, eigentlich sind sie ja doch ganz in Ordnung. One world – one family halt oder wie wir Bayern sagen: Leben und leben lassen.

Bayern, Biergarten, Obatzder, Bier

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