No kidding: Versuch eines Martinis in der Hotelbar des Hilton Heidelberg

Der Laden brummt nachts um halb elf, vor allem amerikanische Touristen lassen es sich hier bei Aperol Spritz oder orginal german beer und kostenlosen Nüsslein wohlergehen, während sie sich lautstark gegenseitig von ihren Entdeckungen in dieser lovely medieval city (sie sagen tatsächlich ‚medieval‘) berichten und ihre erstandenen Souvenirs – Kitsch as Kitsch can – und die Photos auf ihren Funken vorzeigen. Der Barkeeper und das Servicepersonal rotieren, denn etwas sind die Amis noch mehr als laut: nämlich durstig. Wir sitzen am Tresen, in einer ruhigen Minute sage ich dem Keeper mein Sprüchlein auf: „Martini Cocktail, extra, extra, extra trocken, nur gewaschenes Bareis, allen Wermut abgeseiht, gerührt, nicht geschüttelt, Tanqueray No 10, Lemontwist, keine Olive, gefrostetes Glas, sehr, sehr kalt.“ Eigentlich eine exakte Bestellung, mit der jeder Barkeeper etwas anfangen können sollte. Der junge Mann hinter der Theke jedoch ist total überfordert. -28 Grad kaltes Bareis gibt es sowieso nicht, nur diese vor sich hinschmelzenden Würfel in offenen Bottichen, ebenso keine vorgefrosteten Gläser oder auch nur Martini-Kelche, aber immerhin wird eine kleine Gin-Auswahl (nix Besonderes) angeboten, darunter Tanqueray No 10, dafür gibt es als trockenen Vermouth nur dieses unsägliche Kunstprodukt Belsazar. Der Vorgang des Mixens selber ist dann eher ein handwerkliches Fiasko mit korrigierendem Eingreifen meinerseits (ich bin ja ein friedlicher, bescheidener Gast, aber bei meinem Martini bin ich eigen), das Ergebnis ist eine viel zu warme Plörre in einem falschen Glas.

Nun gut, ich gestehe, es war danach ein vermeidbarer Fehler, noch einen Martini Cocktail mit Monkey 47 Barrel Cut Gin, gelagert in Maulbeerbaum-Fässern, zu bestellen: wieder einmal wurde ich bestärkt, dass Barrique und Gin nicht zusammenpassen, ob dass jetzt Monkey 47, Citadelle Réserve, Beefeater Burrough’s Reserve, Hayman’s Gently Rested, Elephant Barrel Aged oder Hernö Juniper Cask ist; für mich sind allein die gelegentlichen Barrel Aged Sonder-Editionen von Ferdinand’s Saar Gin mal interessant. Also, Martini-technisch war die Bar im Hilton in Heidelberg ein Reinfall. Und bei den Clubsandwiches aus kaum getoastetem Brot, kaltem Huhn, kaltem Spiegelei, kaltem Speck und fast kalten, blassen Fritten wurde der Abend auch nicht besser. Summa summarum: grumpf!

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