Sauftour in Wien: 4. Akt in der Silver Bar

„Ins Triest,“ sage ich zum Fahrer, „Und können Sie bitte den Krach ausmachen.“ Widerwillig dreht er den arabischen Singsang leiser, ganz aus macht er ihn nicht – schon wieder kein Trinkgeld, denke ich mir –, und wir fahren die 10 Minuten über den Ring in die Wiedner Hauptstraße im 4. Bezirk ins Triest, genau ins „Das Triest“, wie sich das Hotel stolz nennt. Das Triest, ehemals Stallung und Herberge für die Pferdefuhrwerk-Verbindung Wien-Triest, dann lange Jahre eher heruntergekommener Stadtgasthof war eines der allerersten gehobenen Wiener Hotels, das sich dem kategorischen Imperativ des 1. Bezirks und des Rings, der dortigen Enge und der absurden Preise verweigerte und sich bewusst in einem „Vorstadt“-Bezirk ansiedelte („Vorstadt“ – vom Triest ist man zu Fuß in 10 Minuten an der Oper, von JWD also keine Spur), wo nicht nur Touri-Schuppen dicht an Touri-Schuppen mit entsprechend überteuerten Nepp-Angeboten stehen, sondern auch echtes Wiener Leben mit Beiseln, Kaffeehäusern, Boutiquen, Ladengeschäften. Neben der recht genialen Lage – nicht mehr 1. Bezirk und doch zentral – hat Das Triest zwei weitere, schwer schlagbare USPs: die Gewölbe der alten Stallungen im Erdgeschoss boten erstens einem geschickten Innenarchitekten – dem Team des Briten Sir Terence Conran, der sich u.a. bei der Revitalisierung des Londoner Canary Wharf einen Namen und eine Goldene Nase erworben hat – eine Steilvorlage für wirklich individuelle, großzügige, ansprechende, stylische Suiten und öffentliche Bereiche; und zweitens verfügt das Triest in dem gänzlich zugebauten Wiener Stadtgebiet, in dem es in der Regel maximal von Tauben verschissene Lichtschächte gibt, mit seinem großzügigen Innenhof mit alten Olivenbäumen und Rosmarinstauden und mit seiner begrünten Terrasse über zwei Grünflächen, die in Wien innerstädtisch Seltenheitswert haben. Dazu kommen noch ein zeitgemäßes, ebenfalls stylisches und ausgesprochen funktionales Gastronomiekonzept und ein bewusst lockerer, unkomplizierter Umgangston des Personals. Wenn dann noch ein paar Vertreter der internationalen populären Hupfdohlen- und Jodel-Hautevolee publikumswirksam von einer willfährigen Presse begleitet in solch einem Etablissement nächtigen, so steht dem Erfolg nichts mehr im Wege. Betrieben wird das Triest übrigens vom Wiener Parkhaus-Tycoon Hans Christoph List, der vorwiegend Premium-Parkhäuser in den ehemaligen kuk-Landen betreibt, nebenbei aber ein ausgesprochen glückliches Händchen bei der erfolgreichen Wiederbelebung ausgenudelter Hotel-Immobilien in Top-Lage beweist; das alte Parkhotel Pörtschach, auf einer unbezahlbaren Halbinsel im Wörthersee gelegen, top renoviert, ohne den 60er-Jahre Charme zu zerstören, ist ein anderes Beispiel dafür (unbedingt mal hinfahren!). Für die Küche im Triest zeichnet seit 21 Jahren Josef Neuherz verantwortlich, das Restaurant Collio, früher mal mit zwei Gault Millau-Hauben, tröpfelt heute mit einer Haube vor sich hin; Neuherz kann eine wirklich beachtliche Lehr- und Wanderzeit vorweisen, heute wirkt seine nord-italienische Küche auf mich ausgepowert, more of the same, hatten wir alles schon; dazu kommen die regelmäßigen Tagungen und Meetings im Hotel – an sich nichts schlechtes –, nur dann haut die Küche parallel zum Tagesgeschäft einfach nochmals 50 Mittagessen oder ein Buffet gleichzeitig raus, was alles über die Jahre nie schlecht war, aber vom Hocker gehauen hat das in meinem Beisein noch niemanden. Früher hatten wir dann und wann Strategie-Meetings im Triest – von wegen inspiring ambiance und so –, und ich habe dort auch immer gleich übernachtet (unbedingt Zimmer zum Innenhof buchen!), heute gehen wir dazu in andere Locations. Aber ich mag die Silver Bar im Triest, und ich mag Keita Djibril, der die Bar seit – ich glaube – 2000 leitet. Keita – so wird der gebürtige Senegalese von allen nur genannt – ist ein Schlitzohr. Gewiss ist es ihm zu verdanken, dass in der Silver Bar nicht nur durchreisende Geschäftsleute des Abends rasch ihren Absacker nehmen und vielleicht ein paar einheimische Damen bei einer kleinen Cola rumsitzen, auf der Suche nach einem abgesackten durchreisenden Geschäftsmann; tatsächlich ist die Bar im Triest heute ein Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Wien, ich würde sogar schätzen, dass sich hier mehr Wiener als Reisende einfinden, und das ist gewiss eine Leistung, so sehr, wie die echten Wiener doch auf Kaffeehaus, Beisl und Heurigen fokussiert, ja konditioniert sind. Aber Keita wird es nicht müde, jedem, der es hören will – immer wieder erfolgreich bei ahnungslosen Schreiberlingen – und auch jedem, der es nicht hören will, zu erzählen, er, Keita, habe höchstpersönlich die amerikanische Barkultur nach Wien gebracht. Das ist natürlich Blödsinn. Als Keita noch nicht geboren war, da nahm Richard Strauss bereits seinen Aperitif in der Bristol Bar im gleichnamigen, 1892 am Ring eröffneten Hotel; als Keita vielleicht in den Windeln lag, schlürfte Walt Disney in der Blauen Bar des Sacher Cocktails; und 4 Jahre bevor Keita die Silver Bar übernahm, eröffnete die First American Bar in der Schulerstraße (und das sind nur die, die ich persönlich kenne, da gibt’s gewiss noch mehr …). Aber eine Geschichte muss nicht wahr sein, Hauptsache sie ist gut erzählt. Die zweite gut erzählte Geschichte ist die, dass Keita sein ganzes Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken haben will, auch nicht, um seine angeblich eigenen Cocktail-Kreationen zu probieren; er erkenne allein am Geruch, wann ein Cocktail gut sei, so Keitas Credo. Seine dritte Geschichte schließlich ist es, dass er selber und höchstpersönlich und ohne jemals zu probieren über tausend Cocktails selber kreiert haben will, und dass ist dann aber eindeutig zu dick aufgetragen. (Sasha Petraske, die – viel zu früh verstorbene – New Yorker Barkeeper-Legende hat in seiner Milk & Honey-Bar gerade einmal 75 Cocktails selber kreiert oder übernommen und weiter entwickelt, und das ist schon eine Menge!)  Und dennoch, die Silver Bar ist das, was man gerne „cosy“ nennt, das Publikum ist angenehm, die Barkarte ganz ok, auch wenn die Auswahl an Spirituosen nicht gerade überwältigend ist. „Wo steckt eigentlich John?“, will Siegrid wissen, nachdem wir uns ausgepackt und aufgehängt haben und verdienter Maßen auf die Barhocker flezen. „Der ist mit seinem Team in Libyen, arbeiten. Wir hatten jetzt beide über ein halbes Jahr Auszeit genommen, da müssen wir auch mal wieder ans Geldverdienen gehen.“ „Was habt ihr gemacht?“, will ich wissen. „So liest Du meine Facebook-Einträge!“, entgegnet Mona empört, ich habe doch fast jede Woche was gepostet!“ „Aber Du hast meistens vergessen, dazuzuschreiben, wo das war.“, versuche ich mich zu rechtfertigen. „John und ich sind von St. Petersburg nach Peking, auf dem Landweg, Zug, Geländewagen, Muli, Motorrad, teilweise sogar zu Fuß, alles, was uns irgendwie weiter gebracht hat. War eine kolossale Reise mit kolossalen Erfahrungen.“ „Ist das nicht gefährlich?“, will Caro wissen. „Yein“, antwortet Mona, „über Putins Russland wird in den westlichen Medien bewusst viel falsches oder verzerrtes berichtet. Klar, da werden mal unliebsame Journalisten auf offener Straße erschossen oder Aktivisten verschwinden auf nimmer Widersehen. Aber das sind – soweit ich das beurteilen kann – Einzelfälle, eher von angepissten Oligarchen, stocksauren Kriminellen oder willfährigen Putin-Speichelleckern initiiert als vom Kreml selber. Früher, da gab es ein System der Staatsverfolgung, zentral gelenkt, ich habe den Eindruck, dass Putin das Land zwar mit harter, aber weitgehend fairer Hand ohne Gemauschel regieren will, aber klar, alles hat er auch nicht unter seiner Kontrolle. Also, ich hatte den Eindruck, dass sich jeder Dorfpolizist und jeder Provinzbeamte fünfmal überlegt, ob er einem westlichen Reisenden jetzt querkommen will, und zu uns zumindest waren alle korrekt, viele sogar richtig freundlich. Und was den statistisch repräsentativen Straßenkriminellen anbelangt, ihr kennt John, Gnade dem Gott. Ein Mann, der die Fremdenlegion auf der linken Arschbacke gemacht hat und heute 250 kg – Bomben im Alleingang entschärft, der lässt sich von ein paar Gangstern mit Messern oder Wumme nicht beeindrucken.“ Ich würde mich schon von ein paar Gangstern mit Messern oder Wumme beeindrucken lassen, denke ich mir, und beschließe, vorerst nicht quer durch Russland zu reisen. „Schwieriger war’s da teilweise schon in China, dort haben – ungeachtet aller Hinrichtungswellen – die Beamten fern von Peking noch immer viel Macht und ganz große Hände. Ist aber auch alles gut gegangen.“ Bisher hat sich Keita diskret im Hintergrund gehalten, um unser Gespräch nicht zu stören, jetzt nutzt er sehr höflich die Gesprächspause, um nach unseren Wünschen zu fragen. Keita grinst mich an und fragt mit der größten Selbstverständlichkeit, als wäre ich jeden Tag hier „Wie immer?“, und mir ist bewusst, dass er sich genau daran erinnert, dass ich Martini Cocktail trinke und wie ich ihn zubereitet haben will, also nicke ich nur zustimmend; ein unendlich gutes Gedächtnis ist eine Sache, die einen wirklich guten Barmann auszeichnet. „Und die Damen?“ Siegrid und Caro bestellen Mojito, Mona bleibt bei  ihrem Rum, sicherlich eine Weise Wahl, angesichts des zu erwartenden Verlauf des weiteren abends. „Was hast Du vor Russland gemacht?“, frage ich Mona. „Burma, Wahlen vorbereiten, fast ein dreiviertel Jahr.“ „Was habe ich mir genau darunter vorzustellen, ‚Wahlen vorbereiten‘?“ „Das waren die ersten demokratischen Wahlen überhaupt, da hatte noch nie zuvor jemand Kandidaten aufgestellt, Wählerverzeichnisse und Wahllisten erstellt, Wahlzettel, Wahllokale, Wählerkabinen, Stimmenauszählungen usw. usf. organisiert. Unsere Teams sind zusammen mit Einheimischen quer durch Burma gereist und haben geholfen, Leute zu schulen, die dann all dies auf dem Lande praktisch umgesetzt haben. Aber ich hatte diesmal den coolsten Job überhaupt. Als alte, erfahrene NGO-Häsin“ – Mona lacht über ihr eigenes Wortspiel – „habe ich die Kasse für alle verwaltet. Du brauchst nicht zu denken, dass man da mit Kreditkarten weiterkommt, oder einfach zum Geldautomaten geht. Einmal im Monat kam ein Geldkurier, der hat eine Menge Dollars gebracht, die habe ich in einem Tresor eingeschlossen, und unsere Teams, die auf dem Lande unterwegs waren, kamen regelmäßig vorbei, rechneten ab und holten sich neues Geld. Meine Aufgabe war es, den Tresorschlüssel sicher zu verwahren, die Abrechnungen zu kontrollieren, neues Geld rauszugeben und mir quittieren zu lassen. Ansonsten hatte ich nichts zu tun. Ich saß mit zwei Bodyguards und einem Koch in Mergui rum, einem verschissenen Hafenkaff im Süden Burmas, altes Piratennest. Touristen kommen dort auf dem Flughafen an und fahren weiter auf die Inseln, ansonsten Fischer, ein wenig Industrie, viele Schmuggler, übles Volk, eklig stinkende Herstellung von Schrimpspaste, ständig zwischen 25 und 35 Grad, eine kleine Uni, Beamte, meine Traumdestination sieht deutlich anders aus.“ Beim Zuhören schaue ich Keita zu, der die Mojitos macht. Die Minze, die er dazu nimmt, ist alt und welk, früher hätte es das hier nicht gegeben (oder ich habe es früher nie bemerkt, oder aber ich wollte es früher nicht bemerken), Jahre der immer gleichen Routine scheinen den Schlendrian zuweilen einreißen zu lassen. „Das Schlimmste war die Langeweile. Unser Burmesischer Koch hat uns andauernd beklaut, vor ihm war nichts sicher, Lebensmittel, Klamotten, Büromaterial, sogar meine Unterwäsche. Nur konnten wir ihm nie was nachweisen. Und ansonsten habe ich mit den einheimischen Fischern am Hafen Karten gespielt, Poker, um Geld, zwar nur kleine Beträge, aber manchmal hat’s sich schon geläppert. Außerdem kenne ich jetzt mehr Schimpfworte auf Burmesisch als ein Fischer Haare am Sack hat … Tschuldigung, der Ton da unten war etwas rauer.“ „Kein Problem,“ lacht Siegrid, „mit Sackhaaren kenn ich mich bestens aus, damit kannst Du mich nicht schocken.“ Gilt sexual herasement eigentlich auch für Männer, frage ich mich. Die Bar füllt sich jetzt rasch. An den kleinen Tischchen sitzen ein paar Geschäftsleute, jüngeres Volk kommt hier erst am späteren Abend rein, aber unvermittelt scheint eine Tagung oder ein Meeting im Hause vorbei zu sein, Scharen von Jungmanagerinnen und Jungmanagern strömen durch die Türe, casual gekleidet, sichtlich abgekämpft, aber anscheinend eine eingeschworene Truppe, niemand versucht, sich hinter einem asketischen kleinen Wasser und einem Tee zu verstecken, Bier wird geordert, Hugo, Spritz, G’spritzer rot wie weiß (nicht zu verwechseln mit Spritz), Veltliner, Zweigelt, Schlumberger (eine Wiener Sektmarke, nichts, was man kennen müsste), doppelter Scotch auf Eis. Keita arbeitet konzentriert, zügig, systematisch, hier erkennt man den Profi. Erst als die ersten aufwändigeren Cocktails bestellt werden merkt man, dass er etwas fahrig wird, sein Tempo nochmals steigert, um dem Ansturm gerecht zu werden; nicht, dass ich falsch verstanden werde, er wird nicht hudlig, macht auch keine Fehler oder pfuscht, aber die Würde, die er sonst ausstrahlt, wenn er in aller Ruhe seinem Beruf nachgehen kann, ist mit einem male futsch, komplett futsch. Vielleicht, denke ich mir, ist das der Unterschied zwischen einem guten Barmann und einem Weltklasse-Barmann. Mein Lieblingsbarmann Robert in Augsburg wird in letzter Zeit auch zunehmend fahriger, wenn’s hoch her geht, seine Würde und Freundlichkeit weichen dann plötzlich routiniertem, industriellem Abarbeiten. Wie ganz anders ist da doch zum Beispiel ein Charles Schumann, man muss ihn und seine Selbstvermarktung nicht unbedingt mögen, aber seinen Laden führt er brillant; und ich habe es ein-, zweimal erlebt, dass er – wohl eher durch Zufall – alleine oder mit einem weiteren Barmann hinter der Theke stand, als plötzlich die Hölle hereinbrach – eine angetrunkene Bussi-Bussi-Gesellschaft mit Reservierung, die nach mehr lechzt, und das lautstark, sofort, bevorzugt, und das Ganze dann noch freundlich, zuvorkommenden und perfekt serviert. Das Gesicht von Charles Schumann kann dann plötzlich sehr ernst und nochmals eine Nummer konzentrierter werden als es ohnehin schon bei seinen sakralen Mix-Ritualen ist. Aber er behält seinen Rhythmus bei, kein Handschlag, keine Bewegung wird schneller, alles bleibt in dem professionellen, gleichbleibenden, sorgfältigen Tempo. Und stünde der Papst in der Türe und verlangte sofort und auf der Stelle einen legendären Swimmingpool, ich bin mir sicher, Schumann würde in demselben Tempo weiterarbeiten, sich selbst vom Papst weder unterbrechen noch aus der Ruhe bringen lassen. Schumann hat auch kein Problem damit, eine oberwichtige Bussi-Bussi-Gesellschaft (oder den Papst) warten zu lassen, wenn es gerade nicht anders geht, bevor er anfangen würde, zu pfuschen. Vielleicht ist das ein Teil seines Erfolges: einerseits, ein Barbetreiber wie er braucht die Bussi-Bussi-Gesellschaft und lebt von ihr; andererseits, ein Charles Schumann lässt sich längst nicht alles gefallen, sein Laden, seine Regeln, und das verschafft Respekt und irgendwann sogar einmal Achtung. Eigentlich, denke ich mir so, scheint das bei allen herausragenden Bartendern so zu sein, der stoische Agostino Perrone im Connaught in London, oder die durchgeknallten Jack McGarry und Sean Muldoon in ihrem Dead Rabbit in New York. Derweil sind die Weiber schon wieder ganz wo anders in ihrem Gespräch. Mona erzählt von John und seinem Job in Libyen, wo er gerade mal wieder Minen aus der Erde buddelt, die vorher Leute verlegt haben, die sich einen Dreck um das Wohlergehen anderer kümmern, und für deren Entsorgung jetzt wieder ganz andere Leute „meist die Staatengemeinschaft“, also wir, zahlen. Ob sie nicht ständig Angst um John hätte, wenn er arbeite, will Caro wissen. „Weist Du“, antwortet Mona, „mein Job ist ja auch nicht gerade ungefährlich. Wir haben uns wahrscheinlich gesucht und gefunden, nehme ich mal an. Einen Mann der 200 Tage im Jahr Morgens ins Büro geht, mir in der Haustür noch ein Küsschen gibt, und das Spannendste in seinem Job ist eine Flugzeugverspätung oder wenn die Revision in der Firma rausfindet, dass 1.000 EURO bei einer Spesenabrechnung nicht stimmten … – tschuldige …“ – Mona schaut mich entschuldigend an – „… nichts gegen Dich, aber das wäre nichts für mich. Und ob so ein 200-Tage-Küsschen-Mann was mit mir anfangen könnte, Monatelang irgendwo am Arsch der Welt, manchmal auch in Kampfgebieten, wage ich auch mal zu bezweifeln. Aber John und ich, wir kommen gut miteinander aus. Jeder von uns macht sein Ding, und fünf-, sechsmal im Jahr sehen wir uns, mal nur für ein verlängertes Wochenende irgendwo auf der Welt, ein paar Wochen oder Monate reisen wir zusammen oder verbringen gemeinsam Zeit auf unserer Farm in Namibia – nichts Großes, wohlfeil gekauft, jetzt haben wir haben einen patenten, ehrlichen Verwalter, der schmeißt den Laden für uns, am Ende des Tages nach Gehältern, Saatgut, Düngern, Reparaturen uns so weiter weitgehend ein Nullsummenspiel für uns, die Farm trägt sich selber, wirft sogar noch in wenig ab. Das Leben ist schön dort, ruhig, noch zu ruhig für uns, nach ein paar Wochen zuhause werden beide fickerig und fangen an, uns neue Jobs zu suchen. Das passt schon.“ „Neue Location?“, fragt Siegrid. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, die Jungmanager und Jungmanagerinnen sind beim zweiten oder dritten Drink angelangt und fangen an, laut zu werden. „Kennt Ihr die drei geheimen Kräfte der Frauen?“, fragt ein vielleicht dreißigjähriger, etwas korpulenterer Jungmanager in einem Hemd mit einem großen blauen Polospieler auf der linken Brust, Brax Leinenhose, erbärmlichen Deichmann-Schuhen und einer Uhr, von der ich auf Entfernung nicht erkennen kann, ob sie tatsächlich den Gegenwert eines Kleinwagens besitzt oder ob er sie wohlfeil von einem Strandbummel im Süden mitgebracht hat, laut in die Runde. „Keine Ahnung!“, rufen ein paar seiner Kollegen und Kolleginnen zurück. „Erstens: Worte in das Gegenteil verdrehen können. Zweitens: unschuldig schauen wie ein Kätzchen. Und Drittens: Brüste.“ Die angetrunkenen Jungmanager und Jungmanagerinnen prusten vor Lachen und grölen. „Im Libanon, da habe ich einen Griff gelernt, da geht jeder Mann sofort zu Boden, bleibt dort wenigstens ein paar Minuten und die nächsten Wochen braucht er zu keiner Frau zu gehen.“, zischt Mona empört, „Wenn Ihr nicht wollt, das ich jetzt da rüber springe und Euch den Griff an dem Typen zeige, dann sollten wir besser das Lokal wechseln.“ Sie knallt eine Kreditkarte auf den Tresen und winkt Keita in einer Art und Weise, die es ihm offensichtlich ratsam erscheinen lässt, Mona jetzt nicht warten zu lassen sondern sich sofort und unmittelbar und ohne zu zögern um uns zu kümmern. Zügig kassiert er ab, Mona wirft noch reichlich unfreundlich einen Schein als Trinkgeld auf den Tresen, hüpft behände vom Barhocker und stapft zu Tür, wir folgen ihr brav, jede Diskussion oder Verzögerung wären jetzt nicht gut. Also, so schlecht fand ich den Witz jetzt gar nicht, aber das behalte ich wohlweißlich für mich.

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