Martini-Cocktail-Seminar

Am Wochenende haben wir ein kleines Praxis-Seminar zum Thema Martini Cocktails veranstaltet. Angefangen haben wir mit einem geringfügigen Gin-Tasting von 14 ordentlichen bis exzellenten Gins: Gordon’s London Dry Gin, Bombay Sapphire Destilled London Dry Gin, Tanqueray London Dry Gin, Botanist Islay Dry Gin, Oxley London Dry Gin, Colombian Aged Gin Treasure, Granit Bavarian Gin, Hands On Gin Styrian Craft Dry Gin, Freimeister London Dry Gin, St. George Terroir Gin, Friedrichs Dry Gin, Plymouth Navy Strength Gin, Juniper Jack London Dry Gin Navy Strength, Tanqueray #10. Wider Erwartens waren die Bewertungen sehr unterschiedlich, besonders bei Oxley, St. George Torroir und Friedrichs reichten die Meinungen von pfui bis hervorragend. Kollektiv negativ bewertet wurden der Bombay und der Freimeister (der in Beckett’s Kopf in Berlin so herrlich funktioniert). Die höchste positive Übereinstimmung erzielten überraschender Weise der Botanist und der Columbianer, beides New Western Style Gins.

Dann kam ein Vergleich von “stirred or shaken” anhand je eines gerührten und eines geschüttelten Dry Martini aus 1 Teil Noilly Prat, 10 Teilen Tanqueray und Lemon Twist; um ehrlich zu sein, in der Blindverkostung hat niemand wirklich Unterschiede herausgeschmeckt.

Es folgten Variationen des Mischungsverhältnisses Wermut / Gin von 50 / 50 über 1 Teil Nolly Prat und 5 Teile Tanqueray, dann der Dry Martini mit 1 Teil Noilly Prat und 10 Teilen Tanqueray, schließlich der Extra Dry Martini aus Tanqueray, der auf mit Teil Noilly Prat gewaschenem Bareis kalt gerührt wird, alle jeweils mit Lemon Twist. „Gewonnen“ hat hier tatsächlich der Extra Dry Martini.

Als nächstes gab es Abarten des Martini Cocktails: zuerst ein Dirty Martini aus 2 Teilen Noilly Prat, 6 Teilen Tanqueray, 1 Teil Olivenlake, 1 Spritzer Salzwasser, garniert mit 3 entkernte Oliven ohne Füllung auf einem Zahnstocher, nach übereinstimmender Meinung ein grässliches Gesöff. Der Legende nach geht der Dirty Martini auf Präsident Roosevelt zurück, der gerne Martinis mixte und noch lieber trank, der allerdings zu faul / ungeschickt / ungeduldig gewesen sein soll, die Oliven zur Garnitur aus dem Glas zu frumseln und daher die Oliven samt Lake in den Drink kippte. Danach gab es einen Gibson aus 1 Teil Noilly Prat, 3 Teilen Tanqueray und 3 Silberzwiebeln auf einem Zahnstocher, ein belangloses Zeugs. Der Legende nach sollen windige Geschäftsleute an der Westküste ihre Geschäftspartner zum Martini-Trinken eingeladen und dabei abgefüllt haben; um selber nicht ebenfalls besoffen zu werden, sollen sie sich vom Barkeeper Cocktail-Gläser voller Wasser servieren haben lassen, gekennzeichnet durch Silberzwiebeln als Garnitur, um sie von den echten Martinis für die Geschäftspartner mit Oliven-Garnitur unterscheiden zu können. Es folgte der durch den James-Bond-Film Casino Royal berühmt gewordene Vesper aus 6 Teilen Tanqueray, 2 Teilen Smirnoff Vodka, 1 Teil Kina Lillet und Lemon Twist; die Reaktionen hier waren eher verhalten. Schließlich der Rolls Royce von Harry Craddock aus der Londononer Savoy Bar aus 1 Teil Noilly Prat, 1 Teil Wermut Antica Formula, 2 Teilen Tanqueray, 1 Dash Bénedictine und 1 Cocktailkirsche als Garnitur; unter allen Martini-Derivaten war dies derjenige, der am meisten gelobt und am meisten nachbestellt wurde. Den Abschluss bildete der unsägliche Vodka Tini von Sean Connery alias James Bond 1 Teil Noilly Prat, 5 Teilen Smirnoff und Lemon Twist.

Danach konnten sich alle Teilnehmer Martini Cocktails nach Lust und Laune mixen lassen, und – bei Gottfried – das taten sie. Begleitet wurde das Seminar von 8 Gängen typischem Barfood und Wasser, keine sonstigen alkoholischen Getränke. Die konsequente Beschränkung auf einen Alkohol – Gin – hatte den positiven Effekt, dass keiner wirklich volltrunken war und keiner der Teilnehmer am nächsten Morgen den Kater-Tod sterben musste. Ein denkwürdiger Abend. Danke an Ben in der Küche und Luc an der Theke.

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