Auf der Suche nach der Deutschen Gastronomie: XVI. Wyndham Duisburger Hof Hotel in Duisburg

Tag 7: Bensersiel – Duisburg, 320 Kilometer, 5 Stunden Fahrtzeit, Übernachtung im Wyndham Duisburger Hof Hotel, Abendessen im Bolero im Innenhafen


Ostfriesland ist bald durchmessen, doch das Emsland ist lang. Lang, flach und auf die Dauer langweilig. Aurich lassen wir liegen. Kein spektakulärer Kutter in Papenburg auf Reede, dafür Unmengen plattes Land und nasse Kühe, hinter dem Wesel-Datteln-Kanal wird’s endlich langsam urbaner und industrieller, die Kühe weichen Kühltürmen, meist alten, verrotteten, offen gelassene Industrieanlagen, gesprengte Schornsteine, viel Industrie-Museums-Blödsinn, der keine Pfennig bringt, keinen Bauch satt macht (außer den der Subventions-Schnorrer), aber eine sinnvolle Nutzung des industriellen Niedergangs vorgaukelt, heruntergekommene Straßen, Dreck, dem die Stadtreinigungen nicht mehr Herr werden, traumatisierte Gäste aus aller Herren Ländern gehen neben dem Besuch ihrer Integrations- und Deutsch-Kurse fleißig und dankbar ihren Fachkräfte-Beschäftigungen nach, viel Leerstand, blinde Scheiben, reihenweise Geschäfte ohne jede Deutsche Beschriftung, nur noch Schilder in Arabisch oder so, lungernde Männergrüppchen am Straßenrand, Weiber in Schandfetzen dick vermummelt, Unmengen von Barbiergeschäften, hochmotorisierte, dazu noch aufgepimpte, hochglanzpolierte, schwarze BMWs mit Auspuffen groß wie Ofenrohre, als seriöse Marke ist BMW sowas vom am Arsch, ich habe meine Aktien längst verkauft, mal klingen die schwul-süßlich-schwülstigen Weisen eines Amr Diab durch die weit geöffneten Scheiben, manchmal bollert einfach der Krach eines Bushido, zuweilen kann der sprachbegabtere Zeitgenosse aber auch so fröhlich Liedfetzen wie „yuqtal jmye alkufaar“ oder „alqarf ealaa ‚iisrayiyl“ aus dem Geschreie heraushören, hübsch bunt geht’s zu in Merkels neuer Berliner Republik, und so multikulti-einträchtig, wir lieben uns alle, und liebt uns einer nicht, so haben wir bei der Integration versagt, gut gemacht, Angela, und Ziehvater Erich lacht sich bestimmt mit mörderischer Freude in’s Mörderfäustchen, hier bin ich nicht mehr gerne.  Wir fahren tiefer in den Pott hinein, in dem kaum noch ein Schornstein raucht, rechts taucht irgendwann unvermittelt der Vater Rhein auf, verdreckt, verbaut, besudelt, geschändet, und doch unser Rhein, „Was hilfts, wenn ich viel bade / Mein Trauermäntelein; / Ich sterb heut ohne Gnade, / Ich muß gefressen sein.“, kommt mir Brentano in den Sinn, wie passend, warum ausgerechnet Duisburg, warum nicht Duisburg? (Cannae, Teutoburger Wald, Allia, Trebia, Adrianopel, heute auch alles nur noch Namen.) Heute wenigstens noch Europas größter Binnenhafen, früher herrschten die Stahlbarone hier, hier wurden die ganz großen Geschäfte gemacht, heute die ganz großen Schulden, für ihre Geschäfte bauten sich die Stahlbarone 1927 mitten in der Stadt neben dem Stadttheater – immerhin mit der modernsten Bühnentechnik seiner Zeit ausgestattet – ein Hotel, „In Stahl gegossene Eleganz. Historischer Charme in der Herzkammer der Stahlerzeugung“ schwärmt das Marketing-Sprech, es muss nur ein paar Jahre recht luxuriös zugegangen sein, bis der Alliierte Stahl mit Sprengladungen den Deutschen Stahlbaronen auf die geschäftigen Köpfe fiel. Nach dem Kriege lange eines dieser gesichtslosen Steigenberger Hotels, 2009 wurde es zum Mark Hotel, 2010 zum Grand City, 2013 schließlich mit massivem Renovierungsstau zum Wyndham. Wyndham tat, was meiner Meinung nach Wyndham immer tut, nämlich die aller-aller-notwendigsten Schönheitsreparaturen vornehmen, vorne hui, hinten pfui, und dann das Hotel durchnudeln und auslutschen, nichts mehr investieren, bis Bausubstanz und Hotelnamen nur noch Schrottwert besitzen und dann weiterziehen. Das ist so das Image, das ich von den Wyndham-Häusern – besonders auch von den Ramadas der Gruppe – habe: wohlfeil pachten, wenig investieren, viel rausholen, Verrottung und Schrott zurücklassen, weiterziehen. Warum dann trotzdem Duisburger Hof? Weil er angeblich das erste Haus am Platze ist … und wenn das das erste Haus am Platze ist, so möchte ich nicht das zweite und dritte Haus am Platze erleben müssen. Dabei ist der Duisburger Hof der Tat bis heute ein imposantes, mächtiges, man könnte jetzt ‚beeindruckendes‘ schreiben, oder aber auch ‚klobiges‘ Gebäude, Stein gewordener Wille zur Macht, Hitler und seine Mörderbuben haben sich hier bestimmt wohlgefühlt, die Alliierten Besatzer danach ebenso, denke ich mir. Die Architektur von Arthur Pfeifer und Hans Großmann ist auf Symmetrie bedacht, die Halle groß, alle Räume und Gänge hoch und weit, hier wurde geklotzt und nicht gekleckert, weiland. Heute besteht die Einrichtung durchgängig von der Rezeption über die Restaurants bis in die Zimmer aus 08/15 neunziger Jahre Standard-Hotel-Möblierung von der Stange, unser Zimmer ist soweit ok, nur das Bad müsste dringen mal geputzt werden, ansonsten Bett mit durchgelegener Matratze, Sofa, winziger Schreibtisch, Kunstdrucke an der Wand, kleiner Flachfernseher, leere, stinkende Minibar, Ausblick auf Hinterhof mit Parkhaus, ich kenne Bahnhofs-Toiletten, die sind gemütlicher und wohnlicher; aber groß isses, das Zimmer. Gepäck entladen, den Wagen parken und Koffer auf’s Zimmer schleppen muss man hier selber, die Rezeptionistin scheint die einzige anwesende Mitarbeiterin in dem ganzen Schuppen zu sein und hat offensichtlich eine scheiß Laune, die keinerlei auch nur im Ansatz freundliche Gesten erlaubt, so hat sich Hotelpersonal in der DDR gegenüber seinen Gästen, die weder Partei noch Devisen-Wessis noch russische Besatzer waren, benommen, eigentlich sollte solch ein Verhalten einen sofortigen Brief an die Direktion oder die Konzernleitung zur Folge haben, aber sei’s drum, wenn ich meinen Broterwerb in solch einem heruntergekommenem Schuppen und solch einer heruntergekommenen Stadt in solch einem verkommenen Landstrich fristen müsste, hätte ich wahrscheinlich auch eine scheiß Laune, und zwar chronisch. Bis auf die übellaunige Rezeptionistin und ein paar Fahrrad-Touristen in verschwitzter Funktionskleidung ist das Hotel tot. Restaurant geschlossen (die Speisekarte des L’Opera klingt grausam, also ist es ein Glück, dass es geschlossen ist), Frühstücksraum samt Frühstück abgeschafft, statt dessen kann man eine Lunch-Box am Morgen gegen zusätzliche Bezahlung ordern, Hotelbar nicht auf, kein Service in der Halle, kein Zimmerservice, und als ich nach dem auf der Webpage versprochenen Schuhputzservice frage schaut mit die Rezeptionistin bitterböse empört an, als hätte ich nach einem Quickie hinter’m Counter gefragt. Wäre ich Filmemacher, ich würde dieses Hotel sofort komplett mieten und einen Horrorfilm drehen, Bates Motel in ganz groß oder so.


Wyndham Duisburger Hof Hotel
Opernplatz 2
D-47051 Duisburg
Tel.: +49 (2 03) 3 00 70
Email: info@wyndhamduisburg.com
Online
: www.wyndhamduisburg.com/de

DZ Ü/F 95 € – 157 €

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