Gasthaus Anich in Innsbruck: Fast wie früher … aber eben nur fast

Summa summarum: in weiten Strecken authentisches tirolerisch-österreichisches Gasthaus mit durchaus durchwachsener Küchenleistung in rustikalem Ambiente, aber unter’m Strich reichlich mehr Plus- als Minuspunkte, und man kann den Wirtsleuten getrost bescheinigen, dass sie stets bemüht sind, wenngleich nicht immer vollends erfolgreich.

 

Nicht nur in Innsbruck werden echte Österreichische Wirtshäuser immer rarer. Machen wir uns nichts vor, die ganzen altehrwürdigen Gasthäuser rund um’s Goldene Dachl – Weißes Kreuz, Weisses Rössl, Maximilian, Goldener Adler, Grauer Bär, … – sind doch nur noch Schatten ihrer selbst, Touristenfallen und –abzocken mit einer Gastronomie, bei der man schon unbedarfter Asiate oder Ami auf dem ersten Europatrip sein muss, um dieses Esszeugs zum einen authentisch, zum anderen gut zu finden. Aber die Läden brummen allesamt – die Lage, die Lage, die Lage –, nur Einheimische oder gar Stammgäste findet man alldorten kaum, vielmehr Tagestourist rein, Tagestourist abgefüttert und ausgenommen, Tagestourist raus, und Tschüss auf Nimmerwiedersehen, so lassen sich auch gute Geschäfte machen, solange die Dummen nicht aussterben. Nur wenn man halbwegs authentisch und gut in Innsbrucks Innenstadt essen will und keine Lust hat, hoch in’s Schöneck oder nach Lans in den Wilden Mann zu fahren, wird es schon eng.  Wer auf Hauben-Küche auch mal verzichten kann und wem ein rustikales Ambiente und eine grobschlächtige, aber weitgehend ehrliche und authentische Küche nichts ausmacht, der kann sich getrost von 09:00 Morgens bis Mitternachts in’s Gasthaus Anich in der gleichnamigen Straße – manchen vielleicht noch als Gasthaus Steden bekannt – begeben, das sich bis heute im Besitz der Prämonstratenser von Stift Wilten befindet, und das ist schon mal eine einflussreiche Pfaffen-Nummer in Tirol, die offensichtlich halbwegs engagiert darüber wachen, welche Pächter sie in ihre Pfründe nehmen.

Gulaschsuppe, Kleewein, Zwiebelrostbraten, Kaiserschmarren, Backhendel, Tafelspitz, Zillertaler Brauerei, Anich, Innsbruck, Tirol, Österreich, Goldenes Dachl, Weißes Kreuz, Weisses Rössl, Maximilian, Goldener Adler, Grauer Bär, Schöneck, Wilder Mann, Lans, Prämonstratenser, Stift Wilten

Das Ambiente in dem in Kaiser-Gelb gehaltenen Gründerzeit-Bau ist … altbacken, grob, in den letzten Jahren erst wieder renoviert, halbhoch Fichten-vertäfelte Wände, Holzfußböden, einfache Wirtshausmöbel, die Tischdecken nach dem ersten Schwung Gäste auch schon mal fleckig, Papierservietten, Blechbesteck, einfaches Geschirr, erfreulich wenig Zierrat, vor der Eingangstüre grüne Tafeln der Zillertaler Brauerei mit den handgeschriebenen Tagesgerichten, an den Tischen fast durchweg Einheimische, vom Studenten über den Handwerksgesellen und –meister, den Doktor und den Anwalt bis hin zur Rentner-Runde und dem still sein Bier zechenden Arbeitslosen ist offenbar ein sehr breites Spektrum der Tiroler Stände vertreten, nur Piefkes, Amis und Landnehmer scheinen rar bis gar nicht anwesend, und das ist ja zumeist Voraussetzung für ein authentisches Gasthaus. Caro und ich jedenfalls fühlen uns wohl, gleichwohl wir schon das Gefühl haben, dass die Einheimischen an den rappelvollen Nachbartischen durchaus einen Tick flotter und einen Tick freundlicher bedient werden als wir Fremde. Aber was soll’s freundlich und flott sind die Bedienungen – die meisten offensichtlich Einheimische mit ihrem unverwechselbaren Tiroler Idiom – so oder so allemal, da beißt die Maus keinen Faden ab, und zwischen – sagen wir – 12:00 und 13:30 und 18:00 und 20:30 Uhr ist hier selbst unter der Woche eine Reservierung durchaus keine schlechte Idee.

Gulaschsuppe, Kleewein, Zwiebelrostbraten, Kaiserschmarren, Backhendel, Tafelspitz, Zillertaler Brauerei, Anich, Innsbruck, Tirol, Österreich, Goldenes Dachl, Weißes Kreuz, Weisses Rössl, Maximilian, Goldener Adler, Grauer Bär, Schöneck, Wilder Mann, Lans, Prämonstratenser, Stift Wilten

Sieht man von kulinarischen Kniefällen vor dem Zeitgeist wie Spaghetti Aglio, Olio e Peperonchino, Carpaccio oder Backkartoffeln mit Tzaziki einmal ab, so ist die Speisekarte ziemlich tirolerisch-österreichisch: natürlich Kaspressknödel, Speckknödel, Kässpatzen und Geröstl, dazu Wiener Schnitzel, Backhendl, Kalbsleber, Zwiebelrostbraten, Hackbraten, schließlich frischen Kaiserschmarren, Palatschinken oder Apfelstrudel zum Nachtisch. Nun gut, zugegeben, das gibt es zumeist auch – mehr oder weniger – in den oben gescholtenen Touristenfallen, aber der Unterschied ist einfach der, dass hier frisch, in kleinen Mengen, mit frischen Zutaten gekocht und gesotten wird, grobschlächtig zwar, aber frisch. Das geht bei einer kräftigen Gulaschsuppe mit trotzdem magerem Fleisch und Speckknödeln in einer sehr kräftigen Rindsbrühe mit viel frischem Schnittlauch los (noch ganz traditionell in der silbernen Suppentasse serviert und bei Tisch erst in den Teller gegossen), das geht weiter bei resch gerösteten, gekochten Kartoffeln, frischem Gemüse und Bratenresten als Gröstl, zarten, knusprigen, in gutem Fett ausgebackenen Backhendlstücken mit richtig gutem Kartoffelsalat (wäre da nicht der Industrie-Balsamico-Creme-Dreck auf dem Tellerrand), zartem Tafelspitz mit tatsächlich frischem Spinat und authentischen Röstkartoffeln, einem fast schon genialen hausgemachten Krautsalat und das endet bei einem à la minute gemachten, Eidotter-gelben, leicht karamellisierten Kaiserschmarren mit dicken, fetten Rumrosinen. Nun gut, das Wiener Schnitzel hat keine abgehobene Panade und ist auch ansonsten kein Brüller, das Fleisch des Zwiebelrostbratens ist zwar ok, aber das Sößchen reichlich suspekt, der Grillteller ist 08/15, Null-Acht-Fufzhener geht’s nimmer: durchaus durchwachsen also, aber unter’m Strich reichlich mehr Plus- als Minuspunkte, und man kann den Wirtsleuten getrost bescheinigen, dass sie stets bemüht sind, wenngleich nicht immer vollends erfolgreich. Und frische Bäcker-Semmeln im Brotkorb statt irgendwelchem Industrie-Scheiß, notorisch über’n Eichstrich eingeschenkte Biere und Schnäpse, eine kleine, erfreuliche Weinkarte mit offenen Österreichischen Weinen und schließlich ein ehrliches Lächeln der freundlichen Servicekräfte machen sehr vieles wett. Caro und ich jedenfalls werden wieder hingehen, wenn wir in Innsbruck sind.

Gasthaus Anich
Pächter: Familie Kleewein
Anichstraße 15 / Fallmerayerstraße 8
6020 Innsbruck
Österreich
Tel.: +43 (5 12) 57 04 50

 

Hauptgerichte von 6,90 € (Kaspressknödel) bis 15 € (Steak), Drei-Gänge-Menue von 12,90 € bis 33,50 €

 

Das sagen die Anderen:
Guide Michelin (Booktable) Inspektoren: n.a.
Guide Michelin (Booktable) Gästebewertungen: n.a.
Gault Millau: n.a.
Holidaycheck: 4,3 von 6 Sternen (bei 2 Bewertungen)
Yelp: 4,5 von 5 Sternen (bei 28 Bewertungen)
Tripadvisor: 3,5 von 5 Punkten (bei 190 Bewertungen)
Google: 4,2  von 5 Sternen (bei 126 Bewertungen)

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top