Das mit der Navy Strength sollte man besser den Leuten aus Plymouth überlassen: trotzdem ein tolles Sylvester-WE

Dass ich recht begeistert bin über den neuen Juniper Jack Gin aus Sachsen, hatte ich ja bereits hinlänglich Kund getan. Der „normale“ Juniper Jack hat jedoch auch noch einen „Großen Bruder“ in Navy Strengt mit 57,2%, der jedoch kaum erhältlich ist, bis Sommer dieses Jahres bekamen ihn eigentlich nur Subskribenten und Leute mit sehr guten Beziehungen. Auch jetzt kann man ihn so gut wie nicht kaufen, selbst im Online-Shop der Hersteller (https://www.juniper-jack.de/shop/) kann man lediglich eine geplante 2018er Brennung subskribieren: so geht künstliche Verknappung. Dass jetzt doch die Bottle 142 aus dem Batch 2 des Jahres 2017 mit ihren 57,2% vor mir steht, verdanke ich André Goepper von der Weinhandlung Gustav Müller in der Bautzner Straße in Dresden (dies sei hier einmal explizit erwähnt: nicht nur eine der besten, best-sortierten und Juniper Jack, Dresdner Sprengschule, Black Friars Distillery, Pernod Ricard, Oliver Steffens, Navy Strength, Gin, MArtini, Plymouth, Andre Goepper, Gustav Müller, Dresden, Jörg Fiedler, Blackwood‘s, Elephant, Sünner, Windspiel, Hayman, Sipsmith, Ferdinands kompetentesten, sondern auch eine der sympathischsten Spirituosen-Handlungen, die ich kenne, und ich bin – leider Gottes – ein viel zu guter Kunde dort …), der mir nach einigem Bitten und Betteln seine letzte Flasche Juniper Jack Navy Strength für 70 EURO verkaufte. Wie der Macher dieses Gins, Jörg Fiedler, da sagen kann „Geld verdient man damit nicht, wir schütten ja nicht einfach weniger Wasser hinein, sondern passen die Rezeptur mit einem erhöhten Anteil der Botanicals der Trinkstärke an.“ verstehe ich bei dem Preis zwar nicht, aber sei’s drum. Um es kurz zu machen: Der Juniper Jack Navy Strength ist gut, aber längst nicht so brillant und herausragend wie sein kleiner 46,5-prozentiger Bruder. Beim Navy Strength auch dominanter Wacholder, etwas Zitronenschale, Pfefferminz, Vanille, Karamell, ungewöhnlich ölig für ein so hochprozentiges Destillat, sehr schön, aber hier fehlt mir die Rundheit, die Ausgewogenheit, die feine Nuancierung, die der kleine Bruder so brillant an den Tag legt, der Navy Strength ist in weiten Strecken einfach scharf, nicht eckig und kantig, sondern grobschlächtig scharf, und das stört gewaltig. Vielleicht könnte man das in einem Gin Tonic abmildern, aber solches Chichi fasse ich ja nicht an, Gin gibt’s bei mir nur als eiskalten, extra-trockenen, gerührten Martini mit Lemon-Twist oder gar nicht. Wenn Gin in Navy Strength, dann Plymouth, die können das, vielleicht auch noch Blackwood‘s. Aber die meisten anderen Gin-Produzenten, die in die Navy Strength-Liga drängen, allen voran die mit dem Gutmenschen-Marketing bei Elephant, aber auch Sünner, Windspiel, Hayman, Sipsmith, gar Ferdinands mit tollkühnen 66,6%, haben dabei mehr oder minder in’s Klo gegriffen, vom Hocker reißt mich hier bisher keiner. Nicht umsonst warnt hier der Gin-Experten Oliver Steffens: „Wer Fehler macht bei einem Navy Strength Gin, der schädigt auch sein Grundprodukt.“

 

P.S. „Navy Strength“, die Bezeichnung stammt aus alten imperialen britischen Kriegsmarine-Tagen. Die Kriegsschiffe, mit denen Britannia die World rulte, waren nicht nur voll von erfahrenen Seeleuten, kampferprobten Soldaten, Waffen und Munition, sondern auch wohl ausgestattet mit hochprozentigem Alkohol, um die Mannschaft bei Laune und in gewissem Maße wohl auch im Dusel zu halten. Neben dem legendären Rum war dies vor allem Gin, und der exklusive Lieferant der Royal Navy war hier über Jahrhunderte die Black Friars Distillery in Plymouth (die heute übrigens – welch ein Zynismus – zu Pernod Ricard gehört). Aus Gründen, die ich bis heute nicht verstanden habe, wurde der Gin im Schiff zusammen mit dem Schießpulver gelagert. Zerbarst im Gefecht eine Flasche Gin mit weniger als 50% Alkoholgehalt und lief über das Schießpulver, so war das Schießpulver verdorben, alldieweil es nicht mehr brannte und man somit nicht mehr damit schießen konnte (was ausgesprochen dumm, ja sogar kontraproduktiv ist, bei Schießpulver, zumal im Gefecht). Ergoss sich hingegen Gin in Navy Strength über das Schießpulver, so verbesserte es die Explosiv-Qualitäten noch, diente also quasi als Brandbeschleuniger im Gefecht. Daher musste Gin, der auf Britischen Kriegsschiffen mitgeführt wurde, wenigstens 57 % Alkohol haben, also Navy Strength. Angesichts des ersten Sächsischen Gins in Navy Strength hat übrigens die Dresdner Sprengschule ein wenig dazu experimentiert und dabei herausgefunden, dass zwanzig Milliliter Juniper Jack Navy Strength auf fünfzig Gramm Schwarzpulver eine veritable Treibladung für den „Bärentöter“, die legendäre Büchse von Old Shatterhand (der gleichnamige Roman wurde  ja in Radebeul geschrieben) ergibt. Nun denn …

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