Bibermühle bei Tengen: hübsch gelegen, 08/15 Unterkunft, schlechte Küche

Summa summarum: hübsche Terrasse in kühlem Tale am Wasserfall, belangloses Hotel, sauber, Basiscs vorhanden, Null Wohlfühlfaktor, Restaurant urig-gemütlich, Service ok, Küchenleistung schlichtweg grottig

Montagmorgen, 09:00 Uhr, Vertragsverhandlungen im Tagungszentrum des Radisson Blu am Züricher Flughafen Kloten. Das sind dreieinhalb Stunden reine Fahrtzeit, wenn alles gut geht, dafür lohnt es sich nicht, den Flieger zu nehmen, mit Anfahrt zum Flughafen, Parken, früher da sein, Einchecken, Start und Landeanflug länger als der Flug selber, wenn alles gut geht. Unwägbarkeiten des Verkehrs zu Lande und zur Luft, die Schienen-Tölpel-Truppe zieht man hier besser gar nicht erst in Betracht, denn da ist es mehr als unwahrscheinlich, dass irgendwann einmal alles gut gehen könnte. Der Verkehr rein nach Zürich auf der A1 ist morgens, zumal Montagmorgens, wenn auch noch die ganzen Gastarbeiter vom Wochenend-Aufenthalt bei der Familie aus dem Billig-Land Deutschland zurückkehren, die Hölle, meistens Stau ab Winterthur, hier ist alles zwischen einer und vier Stunden Stau möglich, Ausweichen auf Landstraßen sinnlos. Also Abfahrt mit dem Wagen Richtung Zürich spätestens Montag um 04:30 Uhr, um halbwegs sicher pünktlich zu sein. Das sind so die Tage, wo man seinen Job hasst, und selbst wenn man den Flieger nähme, könnte man nicht viel später aus den Federn.

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Es sei denn, … es sei denn, … hey, Montagmorgen, das ist überdurchschnittlich häufig der Tag nach Sonntag, es wird Frühling, der übermotorisierte Offroader hat in der Werkstatt gerade seine Sommerpuschen und das Kabrioverdeck bekommen, was also spricht gegen einen Wochenend-Ausflug auf Landstraßen quer durch Hohenzollern bis in den Hegau, der ja direkt an die Schweiz grenzt, von dort aus ist man auf Nebenstraßen auch an einem Montagmorgen locker und Stau-frei in einer Stunde am Flughafen Kloten. Restaurants und Gasthäuser / Hotels für solcherlei Trips – die ich immer öfter und mit wachsender Begeisterung unternehme – suche ich mir gerne im Guide Michelin, der ja – was die Wenigsten komischer Weise wissen – traditionell nicht nur Sterne-Schuppen, sondern auch ehrliche Herbergen listet, die den Reisenden seit 1900 als geprüfte und für gut befundene Häuser und sichere Ziele anempfohlen werden (tja, Content-Marketing eines Reifenherstellers seit 118 Jahren … Respekt!). Meistens sind diese Empfehlungen ja auch ganz hilfreich und zutreffend, manchmal aber auch nicht. So schreibt die Online-Version besagten roten Büchleins über die Bibermühle in Tengen-Blumenfeld (eine knappe halbe Stunde nördlich von Schaffhausen am Arsch der Welt):

„Guide MICHELIN 2018: Französisch-klassisch. Der MICHELIN Teller: eine Küche mit guter Qualität Qualitätsprodukte, fachkundig zubereitet: einfach ein gutes Essen! … Drinnen wie draußen ein romantisches Kleinod: der historische Rahmen des Mühlengebäudes, rustikaler Charme, die hübsche Terrasse beim Wasserfall… Die Küche ist international, natürlich bekommt man auch Forelle aus dem Mühlenteich. – die MICHELIN-Tester“

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So weit, so gut, gelesen, noch rasch einen Blick auf die Website und die aktuelle Online-Speisekarte des Etablissements, Caro angerufen, Zimmer gebucht, Caro Samstagmorgen am Stuttgarter Hauptbahnhof eingesammelt, die Outlets in Geislingen geplündert, gar trefflich geschmaust und romantisch im Bauwagen genächtigt bei Andreas Widman in Widmann’s Löwen in Königsbronn (mehr dazu demnächst), am Sonntag auf Nebenstecken nach Süden eher gezuckelt als gefahren, bis nach Tengen-Blumenfeld, und dort dann eben Bibermühle. Bibermühle, tja, was soll man sagen? Arsch der Welt, gewiss, Landschaft, viel Landschaft, irgendwie nicht sonderlich spektakulär, auch nicht sonderlich hässlich, Landschaft halt, mehr oder minder – eher mehr als minder – elende Dörfer und Städtchen, Tengen eines davon, Blumenfeld eingemeindetes altes Burgstädtchen, wieder unspektakuläre, aber immerhin alte Burganlage, daneben eine Rentnerverbringungsanstalt fern jeder Infrastruktur und Fluchtmöglichkeit, auch Altenheim genannt (wenn mich meine Kinder mal in sowas stecken, werde ich noch auf meine alten Tage zum Mörder), zu Füßen der Burg, nicht tief, so doch etwas im Tale, die ehemals Burg-eigene Bibermühle, ergonomisch ohne langen Mühlbach gebaut an einem kleinen Wasserfall des Bächleins namens Biber, bis heute dreht sich dort ein mächtiges Wasserrad optisch beeindruckend, ansonsten aber wahrscheinlich sinnlos im Kreise. Vor dem alten, dreistöckigen, das Restaurant  beherbergenden Mühlhaus aus Feldsteinen ein weitaus größerer moderner Zweckbau mit Halle, Fest- und Tagungsräumen und Gästezimmern, funktional, unansprechend, tausend mal so und so ähnlich gesehen. Als allererstes fällt auf, dass um 15:00 Uhr die Rezeption nicht besetzt ist; ein Pappschild fordert den ankommenden Gast auf, auf einem Telephon eine Nummer zu wählen, damit jemand erscheine; ich wähle die Nummer auf dem bereitgeschnellten Schnur-Telephon, da beginnt das daneben liegende Schnurlos-Telephon zu läuten: sehr intelligent, das Mobilteil nicht mitzunehmen. Die Wartezeit gibt Gelegenheit, die Halle zu studieren. Auf einem extra Tisch direkt neben dem Eingang werden Psycho-Bücher über Krankheiten, Beziehungen und Hokuspokus angeboten, klingt sehr stark nach der Außenstelle irgendeiner duchgeknallten Trullala-Sekte und nicht nach fünfter Filiale der lokalen Autobahn-Raststellen-Betreibergesellschaft (die neben der Bibermühle noch das Hotel Engener Höh, die Rastanlage im Hegau West, die Rastanlage im Hegau Ost und das Hotel im Hegau Ost betreiben, also ansonsten mehr Systemgastronomie als gehobene Küche). Außerdem ist Weißer Sonntag, alles ist voll mit Erstkommunion-feiernden Familien, wenigstens drei oder vier parallel feiernde Clans macht Caro aus, einer oder zwei davon Balkanesisch, aber immerhin Christenmenschen, schreiende, umherrennende Kinder, einige – die Erstkommunizierten – in weiße Kleider und schwarze Anzüge gezwängt, dazu reichlich Schwestern, Brüder, Vettern, Basen, Onkeln, Tanten, Omas, Opas und was es sonst noch so an Verwandtschaft geben mag, manche davon – vorzugsweise die männlichen – reichlich angetrunken und irgendwo zwischen Singen, Torkeln und Vollrausch. Und ich muss sagen: die Mütter und die Tanten dieser Erstkommunizierten – oh, là, là … wären da nicht die kräftigen, misstrauischen Väter und Onkeln, selbst singend, torkelnd oder im Vollrausch. (Caro hat gemeint, ich sollte das nicht schreiben. Caro hat auch gemeint, ich sollte das noch nicht einmal denken. Weiber!) Nachdem uns genügend umherrennendende Servicekräfte sehr erfolgreich ignoriert haben gelingt es schließlich, eine zwischen Eisbechern mit Schirmchen und Tabletts voller Schnapsstamperl zu stellen, und siehe, einmal gestellt, vermag sie auch die Rezeptionistin herbeizuzaubern. Check-in problemlos, Zimmer für drei Sterne ok, ich habe schon schlechtere Zimmer in vier Sterne Häusern gesehen, blanker Dielenboden, Pressspanmöbel, ordentliche Matratzen, kleines Dachfenster, großer Bildschirm, akzeptables, kostenloses W-Lan (aber überall sau-schlechter Mobilfunk-Empfang), sauber, wenn die Tagesgäste sich mal von Terrasse und Parkplatz getrollt haben tatsächlich – bis auf das Geplätscher des Wasserfalls – ruhig, Duschbad einfach, aber ok, keine Minibar, keine Klimaanlage, getrennte Betten, nicht mit Besucherritze, sondern mit Besucherschlucht dazwischen, es handelt sich nämlich um kein Doppel-, sondern um ein Zweibett-Zimmer, bei dem man die beiden Betten ganz weit voneinander separieren kann, wie es z.B. zwischen Kollegen üblich ist, und damit wären wir bei der zweiten Bestimmung der Bibermühle. Neben Ort für Familienfeiern aller Art sowie als Ausflugsziel land- und wanderhungriger Städter, vorzugsweise am Wochenende, dient die Bibermühle unter der Woche als wohlfeiles Tagungshotel ohne jedwede Fluchtmöglichkeit für die Tagungsopfer, ähhhh …teilnehmer.

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Soweit zum Hotel. Eine ganz typische 08/15-Beherrbergungsmaschine, ohne eigenen Charakter, ohne besonderen Komfort, ohne besondere Downsights, so ein typisches – wie der Bjuware es nennt – Basst Scho, ein, zwei Nächte kann man es hier klaglos zum reinen Ratzen  aushalten, ein romantisches Liebeswochenende oder gar einen schönen Urlaub möchte man hier nicht verbringen. Frühstück ganz ok, sogar Bäckersemmeln statt Backlinge. Dafür ist die Terrasse des Restaurants tief im Tale zwischen waldigen Steilhängen unter alter Brücke am Wasserfall mit Tümpel und Mühlrad samt alter Mühle gelegen, in der Tat ziemlich spektakulär. Des Sommers kann man hier in angenehmer Kühle einen Gespritzten oder ein Eis nehmen, von mehr sollte man aber Abstand nehmen. Auch das Restaurant, über drei Stockwerke offen mit viel Holz und Stein im alten Mühlengebäude, ist rustikal-hübsch, doch auch hier sollte man nach unseren Erfahrungen nicht unbedingt essen, wenn man nicht gerade vor dem Verhungern steht, über das Raststätten-Niveau der Schwesterbetriebe kommt man hier nicht nennenswert raus. Rinderkraftbrühe: dünnes Süpplein mit aufgeweichten Kräuterflädle fraglicher Herkunft und zerkochtem Gemüse. Die gebratenen Garnelen in mäßigem Öl erwärmte zähe, aber immerhin entdarmte TK-Ware, auf zerkochten Fettuccini (so steht es zumindest auf der Speisekarte, als polyglotter Weltreisender weiß man natürlich, dass es Fettuccine heißen müsste, aber niemand mag Klugscheißer) mit ein paar reingeschnippelten Cocktailtomaten, Frühlingszwiebeln und Knoblauch; Caro hat sie zurückgehen lassen, der Kellner blickte ängstlich. Spargel: hoffnungslos zerkocht bis breiig, dazu im April aus Peru (!), Salzkartoffeln aufgewärmt-zerkocht, Hollandaise tatsächlich selber gemacht, aber absolut geschmacklos; ich habe es nach der Hälfte zurückgehen lassen, der Kellner blickte böse. Rehkeule: suspektes Stück Fleisch, nie und nimmer in der Küche aus einer Rehkeule geschnitten, schlechteste Pilzsauce dazu ever, wenn die nicht Convenience war sollte sich der Koch, der die verbrochen hat, ernsthafte Gedanken über seine Lebensplanung machen, Mandelbrokkoli aufgewärmte TK-Ware mit Mandelblättchen, hausgemachte Spätzle, nun ja, sicherlich in einem Haus gemacht und nicht auf dem Kartoffelacker, aber so oder so ein pampiges Trauerspiel; ich habe es zurückgehen lassen, der Kellner blickte schon wieder böse. Rosa gebratene Entenbrust: zähes, graues Stück Fleisch mit wabbliger Haut, das avisierte fruchtige Ratatouille ein Gemüsebrei, die Limettensauce nicht gefunden, aber das  Couscous ganz ok; Caro hat sie nach ein paar Bissen zurückgehen lassen, der Kellner blickte vollends ängstlich. Zum Dessert schließlich Crêpe Suzette, der verängstigt-verärgerte Kellner freute sich sichtlich über die Bestellung, schob – das große Theater – den Servierwagen mit Gasbrenner vor, Kupferpfanne, Butter, Zucker, Karamell, halbwegs dünne Crêpes, das ganze klassische Prozedere, aber dann O-Saft aus der Tüte, keinen Orangenlikör, irgendein weißer Schnaps – nie und nimmer Cognac – zum flambieren, aber dafür dann eine fette Kugel industrielles Vanille-Eis, … enden wir hier. Diese Küche ist nach diesen geballten Erfahrungen ganz gewiss empfehlenswert … empfehlenswert für Leute, die man partout nicht mag und denen man Böses will. Aber immerhin gibt’s Tannenzäpfle vom Fass.

 

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Hotel-Restaurant Bibermühle
Untere Mühle 1
D -78250 Tengen-Blumenfeld
Betreiber: Rastanlagen Im Hegau Betriebsgesellschaft mbH
Geschäftsführer:  Rolf und Elisabeth Riemensperger
Tel.: +49 (77 36) 92 93 – 0
Fax: +49 (77 36) 92 93 – 140
E-Mail: info@bibermuehle.de
Internet: www.bibermuehle.de

 

Hauptgerichte von 19 € (Forelle) bis 31,50 € (Rindermedaillons und große Scampis), Drei-Gänge-Menue von 31,50 € bis 58,80 €

DZ Ü/F 128 € bis 146 € (pro Zimmer, pro Nacht) (über Buchungsportale oft billiger)

Das sagen die Anderen:

  • Dehoga-Klassifizierung: 3 Sterne
  • Guide Michelin Inspektoren: Michelin-Teller
  • Guide Michelin (Booktable) Gästebewertungen: 3 von 5 Punkten (bei 2 Bewertungen)
  • Gault Millau: n.a.
  • Gusto: n.a.
  • Schlemmer Atlas: n.a.
  • Varta: 0 von 5 Diamanten (Restaurant); 2 von 5 Diamanten (Übernachtung)
  • HRS-Klassifizierung: 3 von 5 Sternen; HRS-Kundenbewertung: 8,9 von 10 (bei 49 Bewertungen) , 100% Weiterempfehlung
  • Booking.com-Klassifizierung: 3 von 5 Sternen; Booking.com-Kundenbewertung: 9 von 10 (bei 225 Bewertungen)
  • Holidaycheck: 6 von 6 Sternen (bei 13 Bewertungen)
  • Yelp: 4 von 5 Sternen (bei 6 Bewertungen)
  • Tripadvisor: 4,5 von 5 Punkten (bei 41 Bewertungen)
  • Google: 4,7 von 5 Sternen (bei 94 Bewertungen)
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