Speckpfannkuchen

Es gibt Sünden. Kulinarische Sünden. Null verfeinerte Küche, null dezidiert-differenzierte Geschmackserlebnisse, null anspruchsvolle, exklusive Zutaten, null aufwändige Zubereitung, null hohe Kochkunst, null Vitamine und Ballaststoffe, nur Kohlehydrate und Fett … aber leeeeeeeecker. Es gibt gewiss viele solcher sündhaften Gerichte, aber in diesem Fall spreche ich von Speckpfannkuchen. Schnell und einfach zubereitet, preiswert, nahrhaft (richtig, richtig nahrhaft!), grobschlächtig, bar jeder Raffinesse, aber zuweilen muss sowas sein, z.B. als Frühstück gegen 13:00 Uhr nach einer hart durchzechten Nacht, oder durchgefroren und hungrig nach einem ausführlichen Winterspaziergang. In beiden Fällen hilft ein Speckpfannkuchen zügig und zuverlässig. Wer unbedingt will, kann auch noch einen grünen Salat dazu machen, muss aber nicht, ein kühles Bier oder ein Grog dazu sind auch ganz hilfreich. Die nachfolgenden Mengen-Angaben passen in eine normale 24 cm – Pfanne und reichen für ein hungriges Mannsbild, für zwei Normal-Esser, vielleicht noch mit einem Salat dazu oder einer leichten Suppe vorweg, für vier bis acht Vorspeisen-Portionen oder – auch mal ganz nett – man schneidet die runden Ränder des fertigen Speckpfannkuchens ab (und isst sie gleich lauwarm aus der Hand), teilt den Pfannkuchen sodann in mundgerechte quadratische Stücke, spießt ein jedes mit einem Zahnstocher auf, verziert vielleicht noch mit einer halben Cocktailtomate, einem Stücklein Peperoni, Parmesanspänen oder was auch immer und stellt die Speckpfannkuchen-Stücklein sodann auf einer Platte auf ein kaltes Buffet oder serviert sie beim rustikalen Stehempfang.

Speckpfannkuchen

Zutaten

  • 2 Eier (groß)
  • 150 ml Milch
  • 150 – 200 g Mehl (405)
  • 1 gestrichener Teel. Salz
  • Reichlich frische Muskatnuss
  • Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • Wer mag ein Bund Schnittlauch
  • 250 g Bacon in Scheiben

Zubereitung

  • Aus Eiern, Milch, Mehl einen dicken Pfannkuchenteig rühren; nach 20 Minuten Quellen Konsistenz ggf. nochmals mit Mineralwasser oder Mehl nachjustieren; erst jetzt mit Salz, Pfeffer, Muskat kräftig würzen
  • Wer mag, kann auch noch ein und Schnittlauch wachen, putzen, in Röllchen schneiden und unter den Teig heben
  • Während der Pfannkuchenteig quillt, Bacon in zwei Portionen bei guter Hitze in der Pfanne langsam fast knusprig (aber nicht vollends knusprig-braun, er kommt ja nochmals in die Pfanne) braten, herausnehmen, auf Küchenpapier entfetten
  • Tja, jetzt kommt eine Glaubens- und Diätfrage. Vernünftige Menschen wischen nach der zweiten Portion Bacon die Pfanne komplett mit Küchenpapier aus, so dass kein Speckfett mehr drinnen verbleibt, geben sodann – je nach Pfanne – ein wenig Öl in die Pfanne und beginnen damit, den Pfannkuchen zu braten. Unvernünftige Menschen lassen das – ungemein schmackhafte, ungemein kalorienreiche, ungemein ungesunde – Speckfett da, wo es ist und braten den Pfannkuchen in Speckfett. In-betweens, Lari-Faris wischen mehr oder weniger vom Speckfett aus der Pfanne, wollen das Eine tun, ohne das Andere zu lassen.
  • Wie dem auch sei, Pfanne auf ¾ Induktions-Leistung erhitzen, alle Speckscheiben auf dem Pfannenboden verteilen, zügig den gesamten Pfannkuchenteig auf einmal in die Pfanne über die Speckscheiben geben, durch Schwenken gut und gleichmäßig auf dem Pfannenboden verteilen
  • Hitze auf ca. 1/3 reduzieren, Pfannkuchen ca. 7 bis 10 Minuten backen, gelegentlich die Pfanne rütteln, damit nichts anbrennt, zuweilen vorsichtig mit dem Pfannenwender unter den Pfannkuchen schauen, ob er nicht zu braun wird
  • Wenn die Unterseite gebräunt ist, sollte die Oberseite des Pfannkuchens komplett gestockt sein; Pfannkuchen wenden, nochmals ca. 5 Minuten auf mittlerer Hitze unter gelegentlichem Pfannen-Rütteln und unter den Pfannkuchen schauen fertig braten
  • Speckpfannkuchen auf einen Teller gleiten lassen und kalorisch sündigen …

Speckpfannkuchen

* Die richtige Konsistenz eines Pfannkuchenteigs hinzubekommen, ist gar nicht so einfach und schon gar nicht so einfach zu beschreiben. Ein streng normatives Rezept – „1 Ei, 127 ml Milch, 98 g Mehl“ – bringt hier gar nichts, Eier sind unterschiedlich groß, verschiedene Mehlsorten haben völlig unterschiedliches Bindungs-Verhalten, selbst Milch ist nicht gleich Milch. Dazu kommt auch noch, dass der Teig, nachdem man ihn gerührt hat, noch deutlich dünnflüssiger ist als nach 20 Minuten quellen. Lassen wir einmal außen vor, dass die Zutaten zu einem Crêpes-Teig nochmals andere sind als zu einem Speckpfannkuchen-Teig und konzentrieren uns nur auf die Konsistenz des zum Backen fertigen Teiges nach 20 bis 30 Minuten quellen, so gilt bei einer mittelheißen (3/4 Leistung Induktion) Pfanne – auch die Pfannentemperatur spielt nochmals eine große Rolle – folgendes:

  • Crêpes-Teig ist nur etwas dickflüssiger als Milch, man gibt eine kleine Schöpfkelle voll in die heiße Pfanne, schwenkt diese einmal aus dem Handgelenk zu allen Seiten, und schon bedeckt der dünnflüssige Teig den gesamten Boden.
  • Eierkuchenteig ist deutlich dickflüssiger als Crêpes-Teig (weil mehr Mehl), vielleicht wie dünnflüssiger Honig oder eine dicke pürierte Tomatensuppe, gibt man hier eine etwas größere Schöpfkelle voll in die heiße Pfanne, so muss man diese schon mehrmals aus dem Handgelenk zu allen Seiten schwenken, bis der Teig den gesamten Boden bedeckt. Bei einer zu kleinen Menge Teig reicht dieser gar nicht aus, sich vor dem Stocken in der ganzen Pfanne zu verteilen; daher sind Eierpfannkuchen auch deutlich dicker als Crêpes, lassen sich aber noch immer mit Marmelade, Nutella, Zucker oder sonst was bestreuen und zusammen rollen.
  • Zwischen Crêpes und Eierkuchen liegen Konsistenz- und Mengen-mäßig nach meinen Erfahrungen die österreichischen Palatschinken, etwas dicker als Crêpes, viel dünner als Eierpfannkuchen.
  • Und dann gibt es schließlich die richtig dicken Pfannekuchen, der Teig ist fast zäh und tropft nur langsam aus der Kelle. Es dauert lange, bis man ihn über den ganzen Pfannenboden verteilt hat, die Pfannekuchen sind dicker, schwerer und sättigender als die drei vorhergehenden Varianten – und genau die wollen wir für Speckpfannkuchen.

 

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