Restaurant An der Schlachte im Stadthotel Jever

„… und dann fahr‘n wir nach Jever, schauen uns die Brauerei an und gehen danach in der Brauerei-Schänke vor Ort lecker essen …“ – so oder so ähnlich beginnen ganz viele mehr oder minder spontane Besuche in der berühmten ostfriesischen Brauerei-Stadt, um dann oft kläglich zu enden. Das Haus der Getreuen – Brauereiausschank des friesischen Brauhauses zu Jever – hat zwar durchgängig von 11:00 bis 23:00 Uhr auf, warme Küche gibt’s aber nur von 12:00 bis 14:00 und von 17:30 bis 21:30 Uhr. Das Restaurant Jever Fass im Hotel Schwarzer Adler hat von 14:30 bis 17:30 Uhr gleich ganz zu, auch Der Butt schließt nachmittags Küche und Pforten, die tapfere kleine Marienbräu Altstadtbrauerei öffnet ohnehin nur Abends, und essen sollte man dort aus unserer Sicht nicht ohne Not, gleichwohl das bernsteinfarbene Bier sehr süffig und eine willkommene Abwechslung zu immer nur friesisch-herb ist, und das Bistro Neue 17 in der Fußgängerzone … naja.

Am dem vom Schloss abgewandtem Ende der Fußgängerzone findet sich das Stadthotel Jever mit seinem Restaurant namens An der Schlachte. Eindeutige value preposition: „durchgehend warme Küche“! Von früher – so um die Jahrtausendwende herum – hatte ich das Haus eigentlich immer als schmuddelig und out of scope in Erinnerung, doch seit Ute Posern den Betrieb2006 pachtete und 2013 schließlich kaufte und seit dem ihr Sohn Malte Hülsbeck 2016 als Koch in das Unternehmen eintrat und parallel fleißig Hotelzimmer um- und anbaute, scheint es aufwärts zu gehen mit dem Anwesen. Neben dem Haus ein netter Biergarten mit Blick auf den Parkplatz – der zugeschüttete Stadthafen von Jever von anno tobac – , am Eingang keine Speisekarte (ich hasse das, es mag den noch laufenden Umbaumaßnahmen gezeiht sein), die Inneneinrichtung des Lokals lieb-, stil- und ambientelos, Dielenboden aus dem Baumarkt, Pressspanmöbel, Kunstlederbezüge, Deko wie aus dem Möbeldiscounter, blanke Tische mit Plastik-Platzdeckchen, Papierservietten, Pressglas, wohlfeiles Porzellan und Besteck … also um ehrlich zu sein, so geht eher Kantine als gemütliches Dorfwirtshaus, und diese Einrichtung wird auch in fünfzig Jahren keine heimelige Patina ansetzen, sondern maximal zur schmuddligen, in die Jahre gekommenen Kantine mutieren.

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Aber, so denkt sich der hungrige Reisende – 15:00 Uhr und durchgängig warme Küche! – vielleicht wurde hier zuerst ja alles in die Küche investiert, zuerst gutes Essen, und danach kommt das Ambiente dran. Na ja … Also: Jever frisch gezapft, tadellos. Bratkartoffeln einwandfrei bis ziemlich gut, frisch gebraten, teilweise kross, leicht mit Fett überzogen, Speck und Zwiebeln: so muss Bratkartoffel, das können’se. Salate ebenfalls frisch, gut geputzt, knackig, bunt zusammengestellt, aber dubioses Dressing (Convenience oder nicht Convenience, das ist hier die Frage!). Ein erstes Stirnrunzeln beim Gast, als ich als Vorspeise eine halbe Portion „Harlesieler“ Krabben mit Kräuterrührei verlange; das ginge nicht, das sei vorbereitet und gebe es nur als ganze Portion. Da fragt man sich dann schon, warum es tatsächlich keine halbe Portion geben soll, und warum „Harlesieler“ in Anführungsstrichen geschrieben ist, wirft auch Fragen über Fragen auf. Sei’s drum, die Krabben waren ok, das Rührei frisch, nur leider die Kräuter darinnen nicht. Originell-derb die Steckrübensuppe, die grausame Jugenderinnerungen aufkommen lässt, aber das ist mein persönliches Problem (als Kind habe ich diese wohlfeil sättigende Rübe gehasst, musste sie aber essen). Ebenso ok die Matjes, die Hausfrauensauce dazu dubios, die Bohnen verkochte und aufgewärmte TK-Ware. Ordentlich das Steak, gutes Fleisch, kochtechnisch gewiss keine Großtat, mehr medium als medium-rare, Kräuterbutter Convenience. Scholle viel zu weiches Fleisch, ich tippe auf nicht mehr ganz frisch, aber nun-ja, nicht so schlecht, als das man es begründet zurückgehen lassen könnte. Neben diesen Standard-Gerichten von Suppe-Salat-Fisch-Fleisch-Dessert, die sich so oder so ähnlich auf den meisten norddeutschen Speisekarten finden, versucht sich Malte Hülsbeck auch in Exotischerem, zum Beispiel gebackenen Tofu im Kräutermantel mit Steckrüben-Spaghetti und Portweinschalotten oder friesischem Salzwiesenlamm mit Quellergemüse, Sanddorn-Kartoffelstampf und Jus. Wir sind bei diesem Besuch bei den Standard-Gerichten geblieben, und die waren ordentlich mit viel Potential nach oben, aber akzeptabel. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

 

Stadthotel Jever / Restaurant An der Schlachte
Malte Hülsbeck
Schlachte 3
26441 Jever
Tel: +49 (44 61) 9 17 79 23
Fax: +49 (44 61) 9 17 02 06
Email: info@stadthotel-jever.de
Online: www.stadthotel-jever.de

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