Port Orford: Right in the middle of nowhere (2/3)

Vom Motel aus kann man – eine absolute Seltenheit in den Staaten – fast alles in Port Orford fußläufig erreichen, von einem Ende des Örtchens zum anderen ist es keine halbe Stunde. Angesichts des tollen Wetters und der tollen Aussicht von der Wiese hinter dem Motel haben wir erstmal keine Lust, uns zum Essen in eines der düsteren Lokale zu setzen. In Port Orford kein Problem. Zuerst in den örtliche Liquor Store, ein paar Flaschen Wein gekauft, danach zum örtlichen Supermarkt, Rays Food Place, eine kleine, lokale, ziemlich gut sortierte Supermarktkette. Vor dem Gebäude grillt ein Schwarzer auf einem beeindruckend großen Barbecue mitten auf dem Parkplatz allerlei Haxen, Schenkel, Rollbraten, Rippchen und dergleichen; man kauft im Supermarkt verschiedenes Beiwerk, Brot – oder was die hier so Brot nennen –, Salate – bei Bedarf bereits fertig geputzt, angemacht und abgepackt –, Saucen, Gemüse, Chips, Obst, Fertig-Desserts, zahlt alles, zahlt dazu auch Fleischstücke vom Barbecue, händigt dem Grillmeister sodann den Zahl-Zettel aus, erhält dafür heiß und frisch vom Grill praktisch verpackt Flatschen von Fleisch, die man mit dem Beiwerk heimträgt und alldorten zwischenzeitlich lauwarm auf der Picknick-Bank vor dem Motel-Zimmer mit Meeresblick von Plastiktellern verzehrt. Eine ziemlich archaische Art des Essens, aber, hey, wir sind in den alten Kolonien, da ist Kultur noch nicht so richtig angekommen. Danach versetzt man dem Weibchen einen sanften Schlag mit der Keule und zerrt es in die Höhle … (just kidding).

Frühstück in Port Orford nimmt man im TJ’s, einem us-amerikanischen Diner, wie er us-amarikanischer nicht sein könnte, direkt an der 101 (eigentlich ist fast allen in Port Orford direkt an der 101), flacher, primitiver Holzbau, großer Parkplatz, innen drinnen Laminatböden, knall-rote Kunstlerbänke, Resopal-Möbel, (natürlich) keine Tischwäsche, Betty Boop Figurette, Texaco-Schild mit T im Drudenfuß, Cadillac-Radkappe und ähnliche nachgemachte imperiale Devotionalien an den Wänden, Ventilator an der Decke, ich nehme an, wenn man hier eine Riesen-Schlägerei à la Bud Spencer und Terence Hill inszenierte und die Einrichtung des Ladens komplett und ganz und gar zerlegte und zerstörte, es würde längst keine 10.000 EURO kosten, alles wieder in den Originalzustand zurückzubringen, so billig-funktional ist das alles, schön, ästhetisch, anspruchsvoll, auch nur hübsch ist gewiss gänzlich anders, das hier ist der pralle Westen in seiner ganzen kulturlosen Pragmatik. Einerlei, wir sind offensichtlich die einzigen Fremden, alle anderen scheinen Einheimische zu sein und sich zu kennen. „Hi Steve, I’ll be right with you. Reuben, as usal?“ „You’re looking better and better with every day, Jenny!” (die Bedienung heißt Jenny, und wenn sie heute besser aussieht, so will ich gar nicht wissen, wie sie vor ein paar Monaten aussah!). Es geht familiär zu, im TJ’s, fast fühlt man sich wie ein Fremdkörper, aber die Einheimischen sind freundlich und dienstbar, der Kaffee ist lausig und höllisch heiß, der O-Saft ist lausig und eiskalt. Die Speisekarte ist gefühlt tausendmal gesehen: Eier gibt es, gerührt, gespiegelt, sunnyside up und over easy, pochiert, omlettiert, dazu gibt es Speck, Schinken, Würstel, verschiedene Käse, Saure Sahne, Avocados, Chilis, Tomaten, Pilze, Zwiebeln, Kartoffel, Toast, Salsa, Entenkacke in verschiedenen Zubereitungsarten und Mischungsverhältnissen, das ergibt dann Gerichte mit kreativen Namen wie „The Speedy Gonzales“, „The little ducce coupe“ oder „Nash Hash“, letztendlich immer Eier mit was. Und natürlich gibt es Pancakes, homemade buttermilk pancakes, angerührte Fertig-Pampe nur noch ausgebacken. Allerdings, frisches Obst, Joghurt, Müsli und ähnlich potentiell gesunde Dinge, die findet man hier wenn dann nur sehr am Rande. Es ist halt ein typischer imperialer Diner. When you are in Rome, do like the Romans do. And when you are in Port Orford, do like the Port Orfordans do. Das TJ’s ist dafür sicherlich ein trefflicher Platz.

Zwischen Breakfast und Dinner kann man nicht viel unternehmen in Port Orford, zumindest wenn man den Wagen stehen lässt, und das ist gut so. In einer guten Stunde kann man – wie gesagt – einmal im großen Kreis durch das Kaff latschen, dabei den örtlichen Supermarkt und Liquor Store unsicher machen, in den örtlichen Galerien das mitleidige Kotzen kriegen, in St. John’s ein Gebet sprechen, im Pub einen Drink nehmen, dann geht man durch Seitenstraßen zurück und überlegt krampfhaft, was man tun würde, wenn eines dieser zum Teil ganz hübschen Häuschen mit Meeresblick einem gehören würde (zweimal im Jahr gezwungen hierher fahren, oder nicht besser gut versichern, abfackeln und für die Versicherungssumme bis an’s Lebensende zweimal im Jahr schönen Urlaub an wechselnden Orten machen?), macht noch einen Abstecher zum Hafen, wo es tatsächlich noch Fischerboote gibt, allerdings keine wale watching tours und Souvenierläden, sondern ein paar echte Fischer, die an ihren Booten und Netzen herumwerkeln und eine Spelunke, nicht etwa ein aufgepepptes Touristen-Lokal, sondern eine echte Spelunke, düster, muffig, fischig, hier trinken die Fischer ihr Bier, und wahrscheinlich könnte man hier auch Opium, Kriegswaffen oder Jungfrauen kaufen, so eine Art von Spelunke.


TJ’s Cafe & Pub
831 Oregon Street
Port Orford, Oregon 97465
USA
Tel.: +1 (5 41) 3 66 20 73
Online: https://tjscafeandpub.com

Frühstück von US$ 7,95 bis USD$ 13,95; Hauptgerichte von US$ 7,25 (Burger) bis US$ 19,95 (Gemischte Fisch-Meeresfrüchte-Platte); Drei-Gänge-Menue von US$ 17,15 bis US$ 38,85

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