Marlene Bar Berlin: The Times They Are A-Changin‘

Caro hat nach Berlin eingeladen. Sie hat einen Termin am Montagmorgen, wir fliegen Freitagnachmittag schon rüber, sie kann den Flug in ihrer Blechkiste von der Steuer absetzen und ihre notwenigen Pilotenstunden sammeln, ich spare den Flugpreis, den ich allerdings gerne zahlte, wenn ich dafür in einem richtigen Flugzeug fliegen dürfte, mit Piloten, Pursern, Gratis-Nüsslein, Toiletten, miesen Sandwiches oder miesen vorkonfektionierten Futter-Tabletts, und diesen kostenlosen kleinen Schnapsfläschchen bis zum Abwinken, um die miesen Sandwiches oder miesen vorkonfektionierten Futter-Tabletts runterzuspülen, und das Geniale an diesen richtigen Fliegern ist, dass man diese kostenlosen kleinen Schnapsfläschchen bis zum Abwinken auch bekommt, wenn man die miesen Sandwiches oder miesen vorkonfektionierten Futter-Tabletts gar nicht isst. OK, dafür kostet so ein Hin- und Rückflug ja auch 500 bis 1.000 EURO, wieviel dieser kleinen Schnapsfläschchen man wohl dafür bekommt? Einerlei, Caro ist geflogen, die Süd-Route an Prag vorbei übers Erzgebirge, und natürlich volle Möhre ins Gewitter, Mann, hätte ich da all die kleinen Schnapsfläschchen brauchen können. Aber ich hab’s (mal wieder) (halbwegs) überlebt. Früher sind wir immer in Tempelhof gelandet, mitten in Berlin, das hatte Stil und war dazu noch ungemein praktisch. Heute ist das Flugfeld zum Grill- und Müllplatz für allerlei Gesindel verkommen, neuerdings werden dort auch zugereiste Schwerverbrecher erschossen, das kann man so oder so finden. In Tegel lassen sie Privatflieger jenseits der Boing 737 allein aus Platz- und Kapazitätsgründen gar nicht mehr runter (ja, ja, wir machen Tegel auch noch dicht und eröffnen einen weiteren Gesindel-Grill- und -Müllplatz), es sei denn, es handelt sich um den Scheich von Dattelhausen samt Harem, den Imperialen Machthaber höchstpersönlich oder einen seiner zahlreichen Geheimpolizei-Chefs und deren Vollstrecker; und wenn sie einen unwichtigeren Privatflieger doch runterlassen, so nur unter der Auflage, dass er nach Aussteigen der Passagiere sofort durchstartet und irgendwo auf einem alten Warschauer-Pakt-Flugfeld in Brandenburg dem Rückflug harrt … oder aber absolut absurde Standgebühren zahlt. Bleiben noch … ach ja, BER ist ja noch gar nicht fertig, aber darüber ist ja schon genügend Häme ausgegossen worden, so viel vielleicht nur, die Pensionen und sonstigen Bezüge von Wowereit und seiner Sexy-Truppe sollte solange einkassiert werden, bis die zusätzlichen Kosten von BER abbezahlt sind, bei den Einkommen kann das ja nicht lange dauern … also, bleiben noch … bleibt noch Schönefeld, Ulbrichts und Honeckers altes Schlupfloch nach Moskau, und – siehe da – der funktioniert noch einwandfrei, selbst der DDR-Charme ist unverändert erhalten.

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Mit dem Taxi brauchen wir 30 Minuten bis nach Tiergarten, von Tempelhof war’s eine viertel Stunde, Danke an alle verantwortlichen Politiker. Aus alter Verbundenheit nächtigen wir wie immer im Interconti, das ist das, was ich mit den Imperialen Machthabern bis Obama gemein habe, der hat als Erster wieder im Adlon gewohnt. Aber – abgesehen davon, dass das Adlon absurd teuer ist, nicht nur absolut, sondern vor allem unter dem Gesichtspunkt value for the money – mit dem Interconti verbinden mich einige Erlebnisse. Als ich noch wichtig war, habe ich fast ein dreiviertel Jahr dort gewohnt, Montag bis Donnerstag oder Freitag, manchmal bin ich auch gar nicht heim geflogen und habe durchgearbeitet oder meine Familie hat mich übers Wochenende in Berlin besucht, die Jungs mochten Fünf-Sterne-Zinnober schon immer, wobei die frisch gerösteten Nüsslein auf dem Silbertablett am Pool im Adlon das Interconti auf Dauer um Längen ausgestochen haben, aber auch das ist eine andere Geschichte. „Präsidenten-Suite“, das habe ich dort gelernt, bedeutet nicht etwa nur ein besonders großes, luxuriös ausgestattetes Gelass, „Präsidenten-Suite“ bedeutet auch schusssichere Scheiben, abhörsichere Räume, separate Lifte und Eingänge, strategisch gelegene Räumlichkeiten für Entourage und Security, eigene Wasser- und Stromversorgung, separate Telekommunikation, Flucht- und Rettungswege, Dinge, an die ein Mensch ohne nennenswerte Feinde nie denken würde. Nicht, dass ich jemals in einer echten Präsidentensuite genächtigt hätte (halt stopp, doch, auf dem Petersberg, und auch im Maritim in Königswinter und im Vier Jahreszeiten in München, aber auch das sind schon wieder ganz andere  Geschichten), zumindest nicht im Interconti in Berlin, aber Barkeeper erzählen viel, wenn die Nacht spät und lang ist, Diskretion hin, Diskretion her. Wie dem auch sei, ich war wichtig und habe länger im Interconti gewohnt, weiland.  Damals waren die neuen, großen, komfortableren Zimmer noch im Westflügel, zum Tiergarten, und das hat schon was, mitten in Berlin des Morgens mit Löwen-Gebrüll, Affen-Gekreische und Elephanten-Getröte aufzuwachen. Damals fanden auch noch viele Empfänge und Partys zur Berlinale im Interconti statt, als Hausgast konnte man sich da auch ohne Einladung ganz einfach reinschmuggeln bzw. offiziell reingehen, die Security war nur darauf getrimmt, nicht geladene Gäste vor dem Haus abzufangen (zuweilen gab es da ganz beachtliche, mal geduldig wartende, mal frenetisch schreiende – allerdings nicht wegen mir – Groupie-Spaliere), Hausgäste konnten sie ja schlecht abweisen, und einmal drin war man halt drin. Das war zuweilen recht lustig. Aber das alles sind ganz, ganz andere Geschichten. Die wichtige Firma, für die ich wichtig war, beriet damals einen großen Konzern, produzierende Industrie, Milliarden Umsätze, Milliarden Anlagevermögen, Milliarden Schulden. Die Banken hatten uns gegen den Willen des Managements – Anteilseigner gab es nicht wirklich, eine AG im Streubesitz, der Traum eines jeden Vorstands – als Berater reingedrückt, um Ordnung in dem Puff zu schaffen. Nun gut, das Management war besser, wir schafften es nicht,  Ordnung in dem Puff zu schaffen, bis zur Zwangsinsolvenz und Zerschlagung des gesamten Konzerns. Mit Ausnahme, … mit Ausnahme des Werksbezirks Ost, für den ich vor Ort zuständig war und weswegen ich in Berlin gast- und logierte. Über Monate ging nichts voran, das Top-Management – sowohl in der Zentrale als auch das vor Ort – blockte, verlässliche Zahlen waren nicht zu bekommen, schon gar keine Benchmarks, geschweige denn valide Budgets oder belastbare Planungen. Wenn ich für jedes Mal, dass ich „Das kann man nicht ändern, das haben wir schon immer so gemacht!“ gehört habe, einen EURO bekommen hätte, ich wäre ein gemachter Mann. Während dieser recht frustrierenden Zeit wohnte ich mit meinem kleinen Team von Junior-Beratern also im Interconti. Hier bekam ich auch einen der ganz seltenen Anschisse als wichtiger Mensch in einer wichtigen Firma für meine Spesenabrechnung: als gar nichts mehr voranging, schnappte ich mir die beiden besten Manager aus der zweiten Reihe unseres Klienten – an die uns das Top-Management so gar nicht recht ranlassen wollte – , lud sie des Abends zu uns ins Interconti ein, auf die Dachterrasse, wo heute Eberhard Lange im Hugos mit einem Stern und 17 Gault Millau-Punkten kocht, die war damals noch verwaist, ein besserer Tagungsraum mit gigantischer Aussicht über Berlin,  dort ließ ich drei Flipcharts aufstellen, orderte Fingerfood und einige Flaschen Amarone, ich weiß nicht mehr, welchen, und ich weiß auch nicht mehr, in welcher Menge, jedenfalls bekam ich bei meiner Spesenabrechnung in diesem Monat einen gehörigen Anschiss von einer ansonsten überhaupt nicht kostensensitiven Spesenabrechnungsabteilung, es muss also teuer und viel gewesen sein … aber der Wein tat seine Wirkung. Ich bat die Klienten-Vertreter nach nettem Geplauder, wenig Fingerfood und viel Amarone, sie sollten doch mal auf dem Flipchart aufmalen, wie die Aufbau- und Ablauforganisation wäre, wenn ihnen der betreffende marode Laden gehören würde. Die wackeren Manager malten und tranken, personell richteten sie ein virtuelles Blutbad unter ihren Kollegen an – noch mehr Personalabbau sei überhaupt nicht möglich, ohne die Firma vollends zu zerstören, lautete eines der Mantras des Topmanagements damals – und stellten so ziemlich alles in Frage und vieles auf den Kopf, viel trugen mein Team und ich an dieser Stelle nicht bei, wir ließen sie gewähren, stellten ein paar Fragen, gaben einige Hinweise und ansonsten beschränkte sich unsere Aktivität drauf, vollgemalte Blätter an die Wand zu hängen und Rotwein nachzugießen. Nach einem gerüttelt Maß an Kopfschmerztabletten ließ ich die Flipcharts am nächsten Tag durch unsere Graphikabteilung in PowerPoint-Format bringen, änderte hier ein wenig, ergänzte da ein paar Fakten, fügte dort ein paar Zahlen hinzu … und fertig war das Rettungskonzept für den Werksbezirk  Ost, das am Ende des Tages auch funktionierte, obwohl der Vorstand bei der Präsentation noch sagte, das könne so nie funktionieren, und uns ziemlich zur Sau machte. Nun gut, bald darauf ging der gesamte Konzern samt Vorstand furios den Bach hinunter, bis auf den Werksbezirk Ost, denn der Konkursverwalter fand diese Pläne für den Werksbezirk Ost sehr charmant und überzeugend, und so wurde der Werksbezirk Ost vom Mittleren Management – unter Leitung gewisser Amarone-trinkender, malender Manager aus der zweiten Reihe – im Rahmen eines MBO aus der Konkursmasse herausgekauft, ein paar Amarone-schwangere Flipcharts wurden ohne „Das haben wir noch nie so gemacht“-Overhead-Bremsen in die Tat umgesetzt, und siehe, diesen Firmenteil gibt’s bis heute und das sehr lukrativ für die wagemutigen, malenden Neu-Eigentümer. Und ich habe bis heute ein paar sehr gute Freunde in Berlin.

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Bis wir dahin gelangt waren, gestalteten sich die Tage allerdings recht anstrengend und doch eintönig: Reichliches Frühstück um 07:00, damit es für den Tag vorhielt, Arbeit beim Klienten bestenfalls bis 20:00 Uhr, meist bis 21:00, 22;00, 23:00 Uhr, irgendwann vor Mitternacht fix und fertig, verärgert und hungrig ins Hotel, weder Zeit noch Lust, noch extern Essen zu gehen, also Marlene Bar im Hotel mit kleiner Bar-Karte, Hamburger, Pizza Currywurst und Schnitzel waren noch nie so meins in Bars, also verfiel ich irgendwann auf die Clubsandwiches, und die waren weiland ziemlich genial in der Marlene Bar (oder mein Anspruch an Clubsandwiches war noch relativ niedrig, jedenfalls meine ich,  richtige Clubsandwiches habe ich in der Marlen Bar des Intercontis in Berlin gelernt, und wenn ich heute mit den Jungs daheim Clubsandwiches mache, so verbreitet sich das wie ein Lauffeuer in unseren Cliquen, und wenn wir mit 6 geplanten Gästen für Clubsandwiches beginnen, wir enden immer – immer! – bei 10, 20 Gästen, und – so schmeichelhaft das ist – das macht das Einkaufen doch recht schwierig). Ach ja, die trockenen Martini-Cocktails waren auch ziemlich gut. Monatelang mehrmals die Woche immer dieselbe Bar, das schafft Verbundenheit, ein Barkeeper, der irgendwann nicht mehr fragt, was man trinken will, der noch nicht einmal fragt „Wie immer?“, der einfach nur grüßt, wenn man sich an den Tresen setzt und anfängt, einen Martini zu mixen, das ist auch eine Form von Heimat, eine traurige, einsame, verlorene Form von Heimat, aber Heimat. Das also ist meine alte Verbundenheit zum Interconti in Berlin, und deshalb wohne ich dort auch fast immer, wenn ich Berlin bin, obwohl es mittlerweile deutlich bessere Bars und auch Hotels gibt, aber ich bin halt ein hoffnungslos konservativer Sentimentalist. Geändert hat sich lediglich, dass die Clubzimmer heute in den oberen Stockwerken des Ostflügels untergebracht sind, mit Blick auf den Landwehrkanal und etliche Botschaften, mit separater Rezeption, eigenen Liften und Lounge-Bereich mit Frühstück und ganztägig kostenlosem Alk und Snacks, sehr komfortabel, und man ist hier „unter sich“, abseits vom Hotel-Plebs, dafür sind die Zimmer auch wenigstens doppelt so teuer wie die „best available rate“. Die Zimmer sind – wie immer – wirklich tadellos, aller Komfort und Schnickschnack ist da, die lobende Aufzählung von Frotteetüchern, Bettwäsche, Matratzen, U-Elektronik, Marmor, Safe, Licht-Design, Möbeln, Sauberkeit, Minibar, W-LAN, Pflegeprodukten, Bademänteln … erübrigt sich, passt alles; dazu kommt der nächtliche Schuhputz-Service, an dem das Interconti strikt festhält, während immer mehr auch Fünf-Sterne-Häuser diese – früher selbstverständliche – Dienstleistung einstellen. Auch das Frühstück in der Clublounge mit kleinem, aber feinem Buffet und Tischservice ist wirklich nett und um Längen besser als die Massenabfütterung besagten Hotel-Plebses im L.A. Café im Erdgeschoss.

Soweit, so gut, so wie immer. Aber … aber … meine geliebte Marlene Bar ist richtig räudig geworden, war es zumindest das gesamte verlängerte Wochenende, das wir in Berlin waren. Das Interieur ist unverändert modernistisch, das kann man mögen oder nicht. Auch die Cocktails nach wie vor einwandfrei, meine Bestellung eines „Martini Cocktails, gerührt nicht geschüttelt, nur gewaschenes Eis, Nolly Prat, Tanqueray No. Ten, gefrostetes Glas, Lemon Twist, keine Olive“ quittiert der Keeper nur mit einem wissenden Nicken und setzt sie fehlerfrei um (nur kaltes Bareis gibt es noch immer nicht), Caro probiert einen Chili Basil Smash und ist ziemlich begeistert, vor allem von der deutlichen Schärfe. Aber das Clubsandwich hat nichts mehr mit dem Clubsandwich von früher zu tun, statt Senfmayonnaise trieft süßliche Fertig-Cocktailsauce aus dem Sandwich, und das Ei (früher ein Spiegelei, wie es sich gehört, später dann wenigstens Scheiben vom harten Ei) fehlt komplett. Aber die Pommes dazu tadellos, wahrscheinlich sogar selbst gemacht und in richtig gutem Fett frittiert. Caros Marlene Burger ist ok, Stil gehobener Ami-Burger, Fleisch schön medium, scharfe Jalapeños, aber sehr fett (also Fett tropft aus dem Burger). Das passt ja noch.  Am nächsten Abend wuchten wir uns an einen der Tische. Die Bar ist vielleicht zu einem Drittel, eher nur zu einem Viertel gefüllt, mindestens 6 Servicekräfte huschen durch den Raum, trotzdem dauert es über 20 Minuten, bis wir bedient werden, und das auch erst nach massivem Winken und Rufen, die tumben Toren laufen einfach an uns vorbei, ich weiß auch nicht warum, vielleicht um Arbeit  zu vermeiden. Die Bedienung, die sich schließlich unserer erbarmt – wahrscheinlich eine Französin – ist die Unhöflichkeit in Person. Statt eines Grußes, einer Entschuldigung für die lange Wartezeit oder sonst etwas sagt sie nur „Und?“ und blickt uns mit einem Blick irgendwo zwischen Frage, Provokation und Beleidigung an. Caro will wissen, ob das Lachs-Sandwich mit Zucht- oder mit Wildlachs gemacht werde, nach 50 Minuten und zweimaligem Nachfragen kommt die Info, dass es Zuchtlachs sei – den Caro natürlich nicht will. Zwischenzeitlich hat die Person eine Schieferplatte mit Schälchen mit Oliven, Kräckern und Schinken gebracht und auf den Tisch geknallt, dass es tatsächlich scheppert, dass nichts zu Bruch geht wundert mich wirklich. Wir beide, Caro und ich, sind bestimmt nicht zimperlich oder etepetete, aber jede Faser dieser Bedienung bringt zum Ausdruck, dass sie uns nicht mag und ihren Job und diese Location wahrscheinlich auch nicht. Einfach unverschämt. Meinen fertigen Martini lässt sie wenigstens 10 Minuten auf der Theke stehen, rennt ein paarmal daran vorbei und serviert ihn erst, als er warm ist; als ich den Cocktail zurückgehen lasse schaut sie mich mit einem Blick an, der töten könnte. Für den Abend geben wir es auf, es uns in der Marlene Bar gut gehen zu lassen. Wir zahlen – ohne Trinkgeld, was ich sehr, sehr selten mache, aber diese Person hat sich jeden Cent Nicht-Trinkgeld wahrlich verdient! –, gehen durch die Halle, vorbei an zwei Familien vom Hotel-Plebs, die ohne Scham mit Stapeln von stinkenden Pizza-Kartons hereinkommen und Richtung Westflügel-Lifte gehen, lassen uns vom Doorman ein Taxi heranwinken und fahren rüber nach Prenzlauer Berg, kriegen beim legendären Konnopke’s Imbiß an der Schönhauser Allee gerade noch jeder zwei Currywürste, Caro eine mit Red Savina Habanero Chilli und nach dieser Einstimmung noch eine mit Bih Jolokia Chilli mit angeblich 800.000 Scoville (ich probiere, spucke aber das Stücklein Wurst mit der blassroten Sauce sofort wieder aus, welche Unmenschen kochen so etwas, und welche Tiere essen das?), ich beginne mit einer mit Cayennepfeffer, lecker, aber Schweißperlen auf meiner Stirn, die Pommes dazu tadellos, gutes Fett, richtig kross gebacken, die Wurst mit Red Tabasco Chilli  kriege ich schon nicht mehr runter und verfüttere sie an Caro, statt dessen nehme ich noch eine Bockwurst mit Mayonnaisekartoffelsalat, immer eine gute Grundlage zum Saufen, sofern man sich keine Salmonellen-Vergiftung einfängt, dazu trinken wir beide Berliner Pils aus der Flasche und beobachten den Verkehr und die Menschen.

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So gesättigt gehen wir die 10 Minuten rüber zu Oliver Ebert und Christina Neves in ihr Becketts Kopf in der Pappelallee, wahrscheinlich derzeit eine der besten Bars Berlins, nicht nur, dass hier tatsächlich konsequent mit -20 Grad kaltem Bareis gemixt wird und alle Fruchtsäfte und Sirups frisch und selbstgemacht sind, hier finden sich auch Spirituosen von unbekannten, kleinen, regionalen Premium-Erzeugern aus aller Welt. Meine Bestellung eines Martini Cocktails wird zwar problemlos und korrekt verstanden, allerdings gibt es hier so etwas Profanes wie Tanqueray No. Ten überhaupt nicht, statt dessen probiere ich einen Gin von Thomas Neubert vom Freimeisterkollektiv aus dem tiefsten Vorpommern mit 48% und einer wirklich mutigen Wacholder-Note, lecker, sehr lecker. Caro stürzt sich auf den La Hechicera Rum aus Kolumbien, ein Verschnitt aus 12 bis 21 Jahre alten Rums. Wie gut, dass es später für den Heimweg Taxis gibt.

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Auch der letzte Besuch in der Marlene Bar am späteren Abend des nächsten Tages bestätigt das Gesetz der Serie.  Wir wollen nur noch einen Drink nehmen, auf der Terrasse vor der Marlene Bar mit Baumarkt-Möblierung ist ein Tisch offensichtlich frei, aber noch nicht abgeräumt, höfliche Gäste, wie wir nun mal sind, fragen wir einen Kellner, ob der Tisch frei sei, er antwortet, er würde es umgehend in Erfahrung bringen und wir sollen solange bitte an einem Stehtisch warten. Wir warten stehend, just in diesem Moment kommen drei Männer augenscheinlich arabischer Provenienz, setzten sich ungefragt an eben jenen Tisch und werden sogleich von der wahrscheinlich französischen Kellnerin vom Vorabend bedient. Als wir „unseren“ Kellner darauf ansprechen meint er, wir hätten halt Pech gehabt und sollten stehend auf den nächsten freien Tisch warten. Na ja, wir ziehen an die Bar um, jeder nimmt noch zwei Drinks und ich verspreche Caro, ausführlich darüber zu schreiben, wie scheiße die Marlene Bar geworden ist.

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