Grand Hotel Union Executive Ljubljana: Gesichtslose Massenabfertigung für zweitklassige Geschäftsleute und dumme Touristen

Gleich zum Eingang: das Grand Hotel Union Executive in Ljubljana ist kein Hotel, es ist drei Hotels in einem. Zugegebener Maßen, genial gelegen direkt an der Altstadt von Ljubljana, unmittelbar am Beginn der Fußgängerzone, unter dem Hotelkomplex eine halbwegs geräumige Parkgarage, in der man auch mit SUV oder Kleinbus bequem (und mit 17 € / Tag halbwegs wohlfeil) parken kann. Alle gängigen touristischen Ziele sind von hier fußläufig problemlos zu erreichen, auch der Lärmpegel hält sich mangels Durchgangsverkehrs in Grenzen. Aber das war’s im Großen und Ganzen auch schon, was sich an Positivem aufzählen lässt.
Die schöne Hotelfassade des Grand Union Executive im Sezessionsstil, die auf den gängigen Hotelbuchungsseiten im Internet und auch auf der Webpage des Hotels so hübsch plakativ gezeigt wird, ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Hinter diesem netten Altbau befinden sich zwei weitere, einfach angeflanschte riesige Hotelkomplexe in hässlichster Tito-Beton-Geschmacksverirrungs-Sozialismus-Größenwahn-Manier. Einfach sprengen (am besten mit Architekten und Bauherren drinnen eingeschlossen) wäre städtebaulich die gnädigste Lösung. In diesem Teil des Komplexes firmieren das Grand Hotel Union Business und das Central Hotel, ich weiß nicht, mit wie vielen Betten. Wenngleich der Komplex über drei getrennte Anfahrten und Rezeptionen verfügt, wird die Hotelinfrastruktur innen von allen drei Hotels gemeinsam genutzt. Das heißt vor allem, es gibt einen gigantischen, weitgehend fensterlosen Frühstückssaal mit einigen Seitenräumen, die – zumindest während unserer Anwesenheit – zwischen 07:30 und 09:30 Uhr immer proppenvoll bis überfüllt waren, zuweilen mussten Frühstücksgäste auf einen Tisch warten oder sich an die Tische anderer Gäste dazu zwängen. Der Andrang ist der Tatsache geschuldet, dass der Union-Komplex mit 3.000 qm Fläche auf 21 Räumen gleichzeitig eines der größten Tagungszentren Sloweniens ist. Während unseres Aufenthaltes hatte sich anscheinend der gesamte Osteuropa-Pharma-Außendienst von Pfizer versammelt, vielleicht um Strategien zu beraten, wie es geschäftlich nach dem Auslaufen des Viagra-Patents weitergehen soll.
Das wohl sehr schöne Wiener Kaffee-Haus im Altbau des Grand Union Executive wurde im August 2013 ebenso wie das Hauben-gekrönte Smrekvarjev-Hram Restaurant gerade umgebaut und waren daher geschlossen, den auf der Web-Page angepriesenen Hotel-Restaurant-Keller fanden wir erst gar nicht. Die Hotelbar entpuppte sich als offene Nische neben einer der Rezeptionen, öffnete erst um 18:00 Uhr und versprühte den Charme eines Wartezimmers, aber keinesfalls den einer alten, gemütlichen Hotelbar, in der man gerne verweilt. Die „Pool Area“ ein Dachkämmerchen in einem der Beton-Neubauten mit zugegebener Maßen nettem Ausblick über die Stadt, eine penetrant nach Chlor riechenden Wasserpfütze, Sauna und ein paar Fitness-Geräten, auch wieder nichts mit Charme, Ambiente oder Wohlfühl-Atmosphäre. Daneben bietet der Hotelkomplex den üblichen Zeitschriften-Andenken-Schnickschnack-Laden, eine Boutique genannte Kleiderverkaufsstelle und den obligatorischen überteuerten Friseur. Das einzige geöffnete Restaurant während unseres Aufenthaltes war das Garden-Restaurant im hinteren, modernen Teil des Hotelkomplexes. Ein zugegebener Maßen halbwegs hübscher Gastgarten unter Bäumen mit Tischen und Lounge-Area, ruhig gelegen zwischen den monströsen Betonbauten, der dazu gehörige Gastraum eine schmucklose Wartehalle mit angemalter Beton-Deckenkonstruktion. Die Speisekarte eine kleine, unspektakuläre, aber auch nicht tadelnswerte Bistrokarte mit Nudeln (gute Bolognese, sehr gute Sauce aus frischen Tomaten, Basilikum und Ziegenkäse), ordentlichem Schnitzel, frischen Salaten (Thunfisch und Schafskäse von mäßiger Qualität), Suppen (wobei die Consommeé maximal als schwache Rindssuppe durchgeht) und Sandwiches; für ein Bistro passt das schon (aber der ältere, Deutsch sprechende Kellner, auch das gehört erwähnt, war an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit nicht zu übertreffen).
Die Zimmer im Altbau unspektakulär-funktional: Inneneinrichtung aus Einbaumöbeln aus diesem standardisierten roten Kirschholz, wie man sie überall zumindest in Europa in Hotels und Gatshäusern, die in den späten 70ern bis frühen 90ern umgebaut wurden, findet, ausreichend Platz, ziemlich sauber, ordentlich Matratze, Pflegemittel, Flachbildschirm, fensterloses Bad hinreichender Größe, passt schon, aber Atmosphäre und Wohlfühl geht gänzlich anders. Wirklich tadelnswert hingegen das Frühstück. Wabbliges Brot, altbackene Brötchen-Backlinge, Berge von billigem Käse und billiger Wurst, frisches Obst nicht wirklich appetitlich angerichtet (ich habe noch nie so matschig-zerbombte Wassermelonen-Scheiben gesehen, die müssen die Dinger von Innen aufsprengen und nicht von außen zerschneiden), die üblichen warm gehaltenen Eierspeisen, fetten Würste und wabbligen Speckscheiben, Yoghurt aus dem Tetrapack auf dem Buffet: große Mengen geringwertiger Lebensmittel, angelegt auf die schnelle Abfütterung eines unkritischen Massenpublikums. Und genau das verkehrt auch in dieser innerstädtischen Hotelburg.
Wirklich geärgert hat mich bei alledem vor allem, dass ich glaubte, ein altes kuk-Grandhotel mit vielleicht morbidem Charme zu buchen, tatsächlich aber – ohne Vorwarnung – in einer unpersönlichen Hotelmaschine landete (und die Web-Page des Hotels tut famos das ihre dazu, diesen Eindruck zu erwecken); und geärgert hat mich, dass die Hälfte der Hotelinfrastruktur einfach geschlossen war, ohne dass man mich seitens der Reservationsabteilung – ich buche meistens direkt bei den Hotels, warum sollte man Vermittlungsgebühr an Reisebüros oder diese Hotelportale abdrücken lassen, dann zahle ich lieber den vollen Preis an den Hotelier und bekomme vielleicht ein schöneres Zimmer – auf diesen offensichtlichen Mangel hingewiesen hätte. Danke, Personal vom Grand Hotel Union Executive, ich werd’s mir merken und weitersagen.
Summa Summarum: unpersönlicher Groß-Hotel-Komplex in bester Innenstadtlage Ljubljanas, keine Spur von Atmosphäre oder Wohlfühlfaktor, Massenabfertigung von Tagungs- und Tourismuspublikum von Middle-Management und Budget-Touristen, mieses Frühstück, ordentliches Bistro mit nettem Innenstadt-Gastgarten, Standardanforderungen an Einrichtung, Sauberkeit, Zimmerausstattung, Service erfüllt, mehr aber auch nicht. Wenn Sie Chef eines Tausend-Mann-Außendienstes sind und ihren Mitarbeitern auf der nächsten Außendienst-Tagung den dezenten Hinweis geben wollen, dass Sie mit den Leistungen überhaupt nicht zufrieden sind, so ist das Grand Hotel Union Executive mit seinen Hotel-Metastasen sicherlich der perfekt geeignete Tagungs-Ort.

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