Freudenstadt: Warteck – gutes Gutbürgerliches mit Ambitionen zu Höherem und vereinzelten Macken

Spontanes Wochenende im Schwarzwald, ersten Schnee gucken, badische Weine probieren, gut essen, Seele baumeln lassen. Baiersbronn und Tonbach sind da etwas preisintensiv, aber Freudenstadt ist ja auch nicht schlecht – und etwas urbaner und bezahlbarer. Schon mit meinen Eltern gingen wir vor Jahrzehnten in Freudenstadt in’s Warteck. Das ist zuerst einmal ein sehr ordentliches, gutbürgerliches, sauberes, komfortables Drei-Sterne Hotel mitten in Freundenstadt, der berühmte Marktplatz ist in zwei Minuten fußläufig zu erreichen. Die13  Zimmer sind renoviert und sauber, die Matratzen gut, die Möbel ok, ebenso die Bäder, Fernseher, Radio, W-LAN und der ganze Hotel-Schnickschnack vorhanden. OK, es gibt keinen Lift und für gebrechliche Zeitgenossen sind die engen Treppen sicherlich kein Zuckerschlecken. Und es gibt keine hoteleignen Parkplätze, man muss sich selber einen Parkplatz in der Umgebung suchen, und die sind zumindest untertags meist auf drei Stunden Parkdauer begrenzt und kostenpflichtig. Und eine Terrasse oder Zimmerbalkone fehlen ebenso: schade, aber Bausubstanz und Lage geschuldet und kaum zu ändern.

Das Restaurant im Erdgeschoss ist über drei Räume verteilt und ist diese Mischung aus Biederheit, Gemütlichkeit, Lockerheit, ein wenig Spießigkeit gepaart mit ein wenig Eleganz, ein Platz an dem man – zumindest ich – gerne verweilt und der gastfreundliche kulinarische Verheißungen verspricht. Vor fünf Jahren hat Oliver Gläßel die Küche von seinem Vater übernommen, nachdem er u.a. bei Bareiss in Baiersbronn gelernt hatte; die Mutter Ursula leitet noch immer als Maître d’hôtel charmant, freundlich, kompetent und zuweilen auch resolut den Service. Die Speisekarte ist badisch gut-bürgerlich mit gekonnten mediterranen Einschlägen. Der Rehrücken eine sichere Bank, die Ochsenschwanz-Consommé tadellos, der korsische Adlerfisch auf den Punkt, die Krustentiersauce zum Hummer durchaus Sterne-würdig, auch das gemeine Schnitzel ohne jeden Tadel mit Anspruch und Anstand zubereitet – so kennt und liebt man die Küche des Schwarzwaldes. Die Preise mit 10 bis 20 € für eine Vor- und 20 bis 30 € für eine Hauptspeise nicht wohlfeil, aber durchaus angemessen. Die Weinkarte deutsch dominiert und preislich ebenfalls erschwinglich, bietet aber auch gehobenere Tropfen mit bis zu vierstelligen Preisen. Der Service freundlich und flott, Gläser, Geschirr, Besteck, Tischwäsche alles zum Besten …. So weit, so gut – wären da nicht diese kleinen, aber wiederholten, ärgerlichen Patzer: die handgeschabten Spätzle wässerig und breiig, ebenso die hausgemachten Nudeln zum Hummer, die Crème brûlée unter der Kruste komplett heiß, so dass man sich die Schnute verbrennt, wo man das neckische Zusammenspiel von heißer Karamellkruste und kalter Sahne-Ei-Creme erwartet, der Käse, ordentlich sortiert und affiniert, aber frisch aus der Kühlung mit Kühlschranktemperatur serviert, zum Frühstück (das im Übrigen ebenfalls tadellos daher kommt) aufgebackene Industrie-Backlinge, wo doch heimische Bäcker gleich um die Ecke sind.

Diese Kleinigkeiten sind ärgerlich. Sie wären zeihlich in einem weniger ambitionierten Hause. Oliver Gläßel im Warteck kann mehr, und es ist schade, wenn die Freude an seinem Können durch solche Patzer getrübt wird.

Warteck
Familie Gläßel
Stuttgarter Strasse 14
72250 Freudenstadt
Tel.: 07441/9192-0
Fax: 07441/9192-93
E-Mail:   info@warteck-freudenstadt.de
Internet: www.warteck-freudenstadt.de

Doppelzimmer mit Frühstück 98 – 105 €

Hauptspeisen von 20,50 € (Kalbsschnitzel) bis 36 € (ganze Taube), 3-gängiges Menue 33,50 € bis 68,50 €

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