Summa summarum: so kochte man in den siebziger Jahren in Deutschland Italienisch; mit authentischer, gar zeitgemäßer italienischer Küche hat das Da Mario reichlich wenig zu tun
Wenn man in Heidelberg einen guten Italiener sucht, kommt man nur schwerlich am Da Mario vorbei, egal, ob man bei den einschlägigen Online-Guides nachschlägt, den Rezeptionisten im Hotel befragt oder bei einheimischen Gewährsleuten Rat sucht: sie alle nennen uni sono das alteingessene Da Mario als eine der ersten Adressen für italienisches Essen in Heidelberg. Das Restaurant liegt zentral beim Bismarckplatz in unmittelbarer Altstadtnähe im ersten Stock eines Gebäudes im Stil des Brutalismus der sechziger und siebziger Jahre, ausgerechnet über einem McDonalds. Eine eigene Rolltreppe führt in den Gastraum, und der ist erstmal groß bis riesig, kleines intimes Lokal geht gänzlich anders, dafür aber holzgetäfelt, mit Stofftischwäsche und – bei 35° Außentemperatur nicht zu verachten – klimatisiert; zusätzlich gibt es zur Hauptverkehrsstraße raus noch einen schmalen, gänzlich unromantischen Balkon mit ein paar Tischen.


Die Speisekarte ist mit 20 Seiten plus Saisonkarte riesig, hier scheint alles angeboten zu werden, was in Italien aus Topf, Pfanne und Backrohr kommt. Die Webpage des Restaurants verspricht: „Tauchen Sie ein in die Tiefe der italienischen Kochkunst mit unserem Ansatz, der Tradition und Authentizität zelebriert.“ Tradition undAuthentizität – haha: die Speisekarte offeriert u.a. Spaghetti Bolognese (eine Kombination, die in Italien schlichtweg tabu ist, zur Bolognese gehören in Italien zwingend Tagliatelle, niemals Spaghetti), Nudeln mit Meeresfrüchten und Parmesan (ebenfalls tabu in Italien, Hartkäse wird nie mit Meeresfrüchten oder Fisch kombiniert) oder Carbonara mit Sahnesauce (das dritte Tabu, zur Carbonara gehört nur Eigelb, niemals Sahne). So viel zum Thema Tradition und Authentizität, die werden hier schlichtweg mit Füßen getreten. Aber immerhin – so die Webpage weiter: „Als familiengeführtes Restaurant tragen wir eine lange Tradition der Gastfreundschaft und der tiefen Liebe zur italienischen Kochkunst in uns.“ Wenn der Geschäftsführer des Da Mario – jenseits irgendwelchen Rassismus – Diyar Ibrahim heißt, dann fragt man sich schon, welche Familie hier gemeint ist.

Zumindest die Kellner im Da Mario geben sich italienisch, sind flink, freundlich, aufmerksam, da beißt die Maus keinen Faden ab. Doch was sie servieren (müssen), ist fast durchweg nicht wirklich erfreulich. Schlecht geputzter, teils verwelkter Salat mit Fertig-Dressing aus dem Eimer, mäßige Bolognese, wahrscheinlich Analogkäse auf der Lasagne, Schnitzel aus der Fritteuse, das trockene Schweinefilet mit schlecht geputzten Pfifferlingen in einer mehr als dubiosen, nach allen E-Nummern dieser Welt schmeckenden Sauce … das hat uns alles keinen Spaß gemacht. Allein die Pizzen mit knusprigem, nicht durchgeweichtem Teig, reschem Rand und teils frischen Zutaten sind durchaus lecker, wenngleich auch hier billiger Pressschinken als Belag keinen Spaß macht.






Insgesamt liefert das Da Mario in Heidelberg tiefste siebziger und achtziger Jahre Küche, so haben weiland die ersten Italiener gekocht, die Restaurants in Deutschland aufmachten. Damals war das vielleicht neu und aufregend. Heute waren wir alle schon mal selber in Italien und wissen, dass echte Italiener (abseits der Touristen-Hochburgen mit ihren germanisierten Abzock-Restaurants) ganz anders kochen.
Hauptgerichte von 11 EURO (Spaghetti Napoli) bis 27 EURO (Steak mit Beilagen), Drei-Gänge-Menue von 24,50 bis 54 EURO
Ristorante Da Mario
Vertreten durch Diyar Ibrahim
Rohrbacher Straße 3
69115 Heidelberg
Tel: +49 (62 21) 18 35 91
E-Mail: ristorantedamarioheidelberg@gmail.com
Online: https://www.damario-heidelberg.de/

