Zum Mohren in Ansbach: ehrlich und gut

Summa summarum: unaufgeregtes, funktional-rustikal eingerichtetes Wirtshaus samt urigem Biergarten mitten in der Ansbacher Innenstadt mit sehr gut gemachter bodenständiger Küche ohne Modernismen oder Höhenflüge, einfach ein Schuster, der bei seinem Leisten bleibt und dabei ausgesprochen gutes, authentisches Essen abliefert.

Direkt in der Fußgängerzone und doch versteckt hinter der St. Johannis Kirche liegt das Wirtshaus Zum Mohren mitten in Ansbach. Von außen ist das Gebäude mehr als unscheinbar, nur wenn man von der Rezat Richtung Stadt geht, fällt sofort der schöne, große Biergarten hinter dem Haus auf. Touristen verirren sich kaum hierher, vielmehr treffn die Hiesichn sich do zum Schmausn, Trinkn, Raddschng und Mensch sei – würde man auf Fränkisch wohl sagen. So schön und urig der Biergarten ist, so funktional-modern-steril ist die Einrichtung der Wirtsstube: blanke Tische, einfache Bänke, Stühle, LED-Strahler an der Decke, metallverkleideter Schanktresen in der Mitte des Raumes, karierte Vorhänge vor den Fenstern, keinerlei Schmuck, keine alten Holzvertäfelungen, keine Bilder an den Wänden, keinerlei Deko-Kitsch, keine Vintage-Reminiszenzen, funktional halt. Gemütlichkeit entsteht hier nur durch die Menschen, durch das Miteinander von Menschen.

Genau so straight ist die Speisekarte, ausschließlich mit fränkischen und traditionellen Gerichten, kein Kniefall vor irgendwelchen Zeitgeistern mit Burgern, Flammkuchen, Bowls und ähnlichem invasivem Futter. Das Katzbrot – Bratwurstgehäck auf Graubrot mit reichlich Zwiebeln – stillt den ersten Hunger trefflich. Natürlich gibt es fränkische Bratwürste, zwei Braten, Schnitzel, Steak, ein paar Salate, zwei vegetarische Gerichte, den unvermeidlichen Zander als Fisch, einige deftige Vespern, drei belanglose Nachspeisen und eine kleine Saisonkarte, im Juni mit Spargel. Das reicht auch vollständig. Selbstredend sind die Bratwürste – vom örtlichen Metzger – hervorragend, aber auch der Kartoffelsalat, das Specksauerkraut, sogar das Brot dazu sind sehr gut. Ebenso tadellos das fränkische Schäufele mit rescher Kruste in einem kräftigen, dunklen, leckeren Sößchen, in dem man die hausgemachten Kartoffelklöße herrlich ‚zergötschn‘ kann. (Fränkische Klöße dürfen keinesfalls mit dem Messer geschnitten werden, sie müssen vielmehr mit der Gabel in der Sauce zergötscht – zerdrückt – werden, damit sie möglichst viel von der Sauce aufnehmen können.) Das Schweineschnitzel schließlich sehr groß, gutes Fleisch, teils soufflierte Panade, in der Pfanne und nicht in der Fritteuse gebacken, der Kartoffelsalat dazu deutlich besser als die Bratkartoffeln.  Das Alles ist weit entfernt von irgend einer „Hoch-Küche“, das ist etwas vielleicht Besseres und Selteneres: eine ehrliche, bodenständige, traditionelle, sehr gut gemachte Regionalküche.


Hauptgerichte von 11,80 EURO (zwei Bratwürste mit Beilagen) bis 30,90 EURO (Zwiebelrostbraten mit Beilagen); Drei-Gänge-Menue von 27,40 bis 53,60 EURO

Gasthaus „Zum Mohren“
Sotirios und Christodoulos Dossis Gbr
Pfarrstraße 9
91522 Ansbach
Tel.: +49 (9 81) 97 76 57 33
E-Mail: info@mohren-ansbach.de
Online: www.mohren-ansbach.de

Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back to Top