Schmandkuchen

Auch wieder so ein ganz typisches nordhessisches Gericht: Schmand, Butter und Zucker: so geht Diät. Im Nachhinein wundert es mich nicht, dass meine gesamte Familie chronisch übergewichtig war. Nichtsdestotrotz, der Schmandkuchen meiner Mutter war und ist ein Gedicht: auf ein Blech mit schwerem Hefeteig wird so viel Schmand, Butter und Zucker geklatscht, bis die Galle in die Knie geht. Einmal gebacken will es die Natur, dass der Hefeteig unterschiedlich stark aufgegangen ist. Dadurch entstehen auf dem Kuchenblech tiefe, triefende Schmand-Pfützen und eher spärlich von Belag bedeckte kleine Teigberge. Eines Morgens hatte meine Mutter – all die Dinge, die man damals gedanken- und danklos für selbstverständlich nahm – noch vor der Arbeit einen Schmandkuchen als Nachtisch für das Mittagessen gebacken, davor gab es dann üblicher Weise eine einfache Kartoffel- oder Nudelsuppe. Ich war Schüler und vor dem Rest der Familie daheim, sah den frischen Schmandkuchen, griff zum Messer und – haste nicht gesehen – schnitt mir alle Schmand-Pfützen kreisrund heraus und … fraß sie ausnahmslos auf. Als der Rest der Familie heim kam fanden sie den gelöcherten Schmandkuchen in der Küche und mich kotzender Dings auf dem Klo, ein Pfund Schmand und Butter quasi pur sind selbst für einen nordhessischen ABC-Schützen zu viel. Wahrscheinlich war es alleine die Kotzerei und die Übelkeit, die mich damals vor einer Tracht kollektiver – wahrlich verdienter – Familien-Dresche bewahrte. Ich habe nie wieder Schmand-Pfützen aus Schmandkuchen herausgeschnitten. Aber wenn so eine Platte mit frischen Stückchen Schmandkuchen auf dem Kaffeetisch steht dann schaue ich schon noch bis heute, welche Stücke möglichst wenig Rand und möglichst tiefe Schmand-Krater haben …

 

Zutaten:

Für den Kuchenboden:

  • ¼ l Milch
  • 1 ½ Päckchen Trockenhefe
  • 500 g Mehl (am besten Type 505 oder Wiener Griesler)
  • 2 Essl. Zucker
  • 2 Eier
  • 100 g Butter
  • 1 Prise Salz

 

Für den Belag:

  • 500 bis 1.000 g Schmand (unbedingt Schmand, weder Creme double noch Saure Sahne noch Quark noch sonst was)
  • 100 bis 200 g Zucker
  • 100 bis 200 g Butter
  • Zimtpulver

Zubereitung:

  • Milch gut erwärmen (nicht kochen), 100 g Butter in der warmen Milch schmelzen, 2 Eier in die Milch geben (damit diese ebenfalls leicht erwärmt werden); zum Schluss soll die Milch-Butter-Eier-Mischung gut handwarm sein (keinesfalls zu heiß, sonst Hefe Exitus!)
  • 500 g Mehl, 1 ½ Päckchen Trockenhefe, 2 Essl. Zucker und 1 Prise Salz vorsichtig, aber gut vermengen
  • Unter Rühren (Knethaken des Mixers oder der Küchenmaschine) langsam die warme Butter-Ei-Milch-Mischung zur Mehl-Mischung geben und einen kompakten Teig rühren, evtl. noch etwas lauwarme Milch oder Mehl dazu geben; der Teig soll sich beim Rühren von selbst von der Schüssel lösen
  • Teig dünn mit Mehl bestauben, 1 bis 2 Stunden an einem warmen Ort ohne Luftzug gehen lassen (oder über Nacht bzw. über Tag zugedeckt im Kühlschrank gehen lassen; eine kalte Hefegärung dauert länger, bringt aber einen feinporigeren Teig hervor; außerdem kann man so z.B. Morgens den Teig vorbereiten und Abends nur noch backen)
  • Nach dem Gehen sollte der Teig sein Volumen verdoppelt haben; Teig nochmals durchkneten
  • Backblech mit Backpapier auslegen, Teig darauf gleichmäßig mit schmalem, leicht hochgezogenem Rand ausrollen; Backblech mit Tuch abdecken, nochmals an warmen Ort ohne Zug 15 – 30 Minuten gehen lassen
  • Backofen auf 180° (Unter- und Oberhitze) vorheizen
  • Auf dem nochmals gegangenen Teig – je nach Geschmack, persönlichem Diätplan und individueller Gallen-Leistungsfähigkeit – 500 bis 1.000 g Schmand verteilen, diesen nach Geschmack mehr oder weniger kräftig zuckern, dann 100 bis 200 g Butter in kleinen Flöckchen darauf verteilen und mit reichlich Zimt bestreuen
  • Bei 180° ca. 35 bis 40 Minuten auf mittlerer Schiene backen bis die Ränder leicht braun werden
  • Im leicht geöffneten, ausgeschalteten Backofen erkalten lassen
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