Krone Zusmarshausen – mäßige Raststättenqualität im scheinbaren Dorfgasthaus

Zusmarshausen, ein verträumtes Städtchen in Westlichen Wäldern, verkehrsgünstig fast unmittelbar an der A8 zwischen Ulm und Augsburg gelegen, Legoland eine viertel Autostunde entfernt, seit über 350 Jahren werden hier die Schwarzbräu-Biere gebraut, alles in allem fast eine Idylle. Mitten im Ort der Gasthof Krone, seit vier Generationen im Besitzt der Familie Hafner, direkt vis-à-vis der legendären Posthalterei gelegen, von außen scheinbar ein typisch bayrisch-schwäbischer Landgasthof. Hier würde man eine altertümliche, gemütliche Gaststube, Karten spielende einheimische Bauern, einen reschen Schweinsbraten mit selbst gemachten Krautsalat und ein frisches Bier erwarten. Weit gefehlt. Wenn auf der Speisekarte eines Landgasthofes schon Tzaziki und Asiatische Reispfanne angeboten werden, dann sollte man nicht nur vorsichtig sein, sondern vernünftiger Weise sofort die Flucht ergreifen. Nach 30 Kilometern Wanderung durch die Westlichen Wälder, einsetzendem Regen und grauendem Abend waren wir unvorsichtig und kehrten ein, um über Nacht zu bleiben.
In der Gaststube nichts von gewachsener, authentischer, ländlicher Gemütlichkeit, sondern drei niedrige Räume mit siebziger Jahren Allerwelts-Möbeln eingerichtet. Flair und Charme gehen anders. Zu denken gab ein großer Tisch mit allerlei Spielzeug mitten im Restaurant, aber Kinderfreundlichkeit ist ja nichts Schlechtes. Speisen gibt es prinzipiell erst ab 18 Uhr. Obwohl drei Bedienungen und ein Koch gelangweilt rumstanden wurde unsere Bitte zumindest schon mal nach einer Kleinigkeit – einen Wurstsalat oder eine Suppe – um 17:30 Uhr radikal abgelehnt: ab 18 Uhr gibt es was zu essen, punktum. Das Essen ist schnell abgehandelt: kurz gebratene Fleischstücke von verschiedenen toten Tieren, dazu drei oder vier unterschiedliche Fertigsaucen, Pommes, Spätzle, Bratkartoffel-Brei. Alles sah nach Convenience aus und schmeckte auch so. Für knapp 30 Euro kann man eine Familien-Fleischplatte erstehen, Berge von totem Fleisch und Berge von fetten Pommes. Apropos Familien: ab 18 Uhr klärte sich dann auch das Phänomen mit dem Tisch voller Spielzeug. Immer mehr junge Familien, zumeist Holländer, mit Kindern zwischen 5 und 15 strömten in das Lokal, Alles in Allem vielleicht 20, 30 Familien mit 40, 50 Kindern, wahrscheinlich vom nahen Legoland kommend oder auf der Durchreise zu und von den Skigebieten. Nichts gegen Familien, nichts gegen Kinder, und schon gar nichts gegen Holländer: lustig und lebhaft ging’s halt zu. Einheimische habe ich den ganzen Abend keine in dem Lokal gesehen, und die wissen wohl auch, warum.
Die Zimmer sind … naja … sauber und zweckmäßig. Die Einrichtung wieder von demselben geschmacksverirrten siebziger Jahre Architekten, Preßspanmöbel vom billigsten, ein paar bunte Steine in der sonst weißen Wand beweisen verkrampften Gestaltungswillen, eine absurd geschlungene orange Stoffbahn unter dem winzigen Flachbildfernseher verstärkt diesen Eindruck. Blick auf den Parkplatz aus dem reichlich überheizten Zimmer. Aus der Dusche tröpfelte das Wasser nur, am Morgen – als alle duschten – versiegte es gänzlich. Die Wassertemperatur lässt sich beim besten Willen nicht einstellen, wie man den Hebel auch dreht, die Temperatur schwankt unablässig zwischen arschkalt und brühendheiß, man muss unter der Dusche also ständig zum Sprung bereit sein. Wirklich lästig war die Tatsache, dass sich die Lüfter im – fensterlosen – Bad und WC nicht abschalten ließen sondern die ganze Nacht munter und unverdrossen vor sich hinbrummten; aber aufgrund der Tatsache, dass von 21 bis vielleicht 01 Uhr halbstündlich eine fröhliche Familie lautstark in eines der umliegenden Zimmer zu Bett ging und Wände und Türen so dünn sind, dass man aber auch alles hört, war das Brummen der Lüfter nicht das Einzige, was uns sehr erfolgreich am Schlaf hinderte.
Das Frühstück ist schnell abgehakt: Backlinge, abgepacktes Brot (obwohl das Gasthaus direkt neben einer Bäckerei liegt), Berge von abgepackter Billig-Wurst und –Käse, warmgehaltene Eier – ein Trauerspiel wie es trauriger nicht sein könnte.
Alles in Allem, als Restaurant hat die Krone in Zusamarshausen die Qualität einer schlechteren Autobahnraststätte mit 08/15-Angebot; und in einer Autobahnraststätte bekommt man wenigsten schon vor 18 Uhr was zu essen. Als „Hotel“ bewegt sich das Niveau der Krone irgendwo zwischen Jugendherberge und Autobahnmotel, sicherlich nicht mehr. Zum Essen sollte man nicht in die Krone gehen, auch nicht, um gemütlich was zu trinken. Und übernachten sollte man dort schon gar nicht.

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