Köstliches aus Portugal: Torta de Laranja

Ich hatte einen schwarzen Tag. Zum dritten Mal in meinem Leben hatte ich einen echten alt-wiener Gugelhupf nach Sacher ausprobiert. In Wien sind die immer köstlich. Das Geheimnis des Kuchens besteht darin, dass er ganz ohne Hefe oder Backpulver auskommt, sondern allein von steifgeschlagenem Eierschnee in die Höhe getrieben und luftig gemacht wird. Ich schaffe das einfach nicht. Er ist mir schon wieder spundig bzw. speckig geworden, also nicht richtig und vollständig aufgegangen. Geschmacklich ist er schon ganz nett, aber optisch und haptisch ein Fiasko. Also heute kein Rezept für einen alt-wiener Gugelhupf. Doch ich arbeite weiter daran, da muss es einen Trick geben, den ich noch rausfinden muss, ich bin da guter Hoffnung.

Als die gute Seele meines Haushalts, eine unglaublich patente Portugiesin, mein Gugelhupf-Fiasko betrachtete, reagierte sie mit einer ganz kuriosen Mischung aus (heimlichem) Auslachen und Mitleid. Ich solle doch eine Torta de Laranja backen, die könne nicht spundig werden und sei ganz einfach und schnell zubereitet. Das Rezept – genau genommen ihr Familienrezept, das sie von ihrer Mutter bekommen hat – erklärte sie mir auch gleich und ich schrieb aufmerksam mit. Tatsächlich ist dieTorta de Laranja selbst für einen Back-Eleven einfach zu backen und vor allem: sie ist absolut köstlich.

Zutaten

  • 6 Eier (Größe L)1
  • 250 g Zucker (plus etwas Zucker zum Bestreuen)2
  • 30 g Butter (plus Butter zum Einfetten)
  • 2 Bio-Orangen
  • 1 Prise Salz
  • 40 g Mehl (Type 405)

Zubereitung

  • Backblech mit flüssiger Butter leicht einfetten (damit das Backpapier glatt aufliegt), Backpapier auf das Backblech legen, ebenfalls gut einfetten; auch die Ränder des Backblechs gut einfetten3
  • Butter schmelzen und wieder abkühlen lassen
  • Eier und Zucker gut schaumig rühren, bis die Masse luftig und hell wird (das dauert durchaus 5 bis 10 Minuten)
  • Backofen auf 180° Ober- und Unterhitze vorheizen (Umluft nicht empfehlenswert, trocknet den Biskuit nur unnötig aus)
  • Eine Orange heiß abwaschen, abtrocknen, die orange Schale komplett abreiben und zur Ei-Zucker-Masse geben
  • Orangen auspressen, 125 ml Saft, abgekühlte Butter und Prise Salz zur Ei-Zucker-Masse geben und alles nochmals sehr gut durchrühren
  • Mehl dazu sieben und nur noch kurz unterrühren
  • Die Masse (nicht wundern, sie ist sehr flüssig, mehr wie ein Pfannkuchenteig) auf das vorbereitete Backblech schütten, bis in die Ecken verteilen und gleichmäßig glattstreichen
  • Im Backofen auf der mittleren Schiene 10 bis 15 Minuten backen, bis die Oberfläche ganz leicht bräunt (zu langes Backen würde den Biskuit austrocknen und er würde beim Rollen brechen)
  • Blech sofort aus dem Ofen nehmen, Biskuit an den Blechrändern mit einem Messer ablösen, noch heiß mit dem Backpapier vom Backblech auf eine Arbeitsfläche ziehen
  • Heißen Biskuit komplett mehr oder minder dünn mit Zucker bestreuen
  • Biskuitboden an einer Längsseite vorsichtig vom Backpapier lösen und mithilfe des Backpapiers zu einer möglichst straffen Rolle aufrollen4
  • Rolle mit der „Naht“ nach unten sofort in Frischhaltefolie einrollen, diese an den Enden gut verschließen (damit der Biskuit nicht austrocknet und durchziehen kann) und die Rolle einige Stunden (am besten über Nacht) erkalten und durchziehen lassen
  • Torta de Laranja in Scheiben schneiden und pur oder mit Sahne und/oder Obst servieren5

  1. Viele Eier sind wichtig. Bei Eiern Größe M sollte man eher 7, bei Größe S 8 bis 9 Eier nehmen. ↩︎
  2. Wer es nicht ganz so süß mag, kann auch nur 200 g Zucker nehmen. ↩︎
  3. Die gebackene Biskuitmasse klebt wie’d Sau an den Blechrändern und reißt dann gerne mal beim Ablösen. ↩︎
  4. Ana-Maria sagt, in deutschen Rezepten für die Torta de Laranja würde man immer wieder lesen, man solle ein Geschirrtuch mit Zucker bestreuen, den Biskuit kopfüber darauf stürzen und dann mithilfe des Geschirrtuchs aufrollen. Das sei vollkommen überflüssiger Quatsch – sagt Ana-Maria –, man könne genauso gut gleich das Backpapier zum Rollen nehmen. ↩︎
  5. Ein Einpudern mit Puderzucker vor dem Servieren, damit alles ein wenig hübscher aussieht, ist ein sinnloses Unterfangen, da der Biskuit so saftig ist, dass sich jeglicher Zucker sofort wieder auflöst. ↩︎
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