Il Gallo Nero Augsburg: Lauschiges Plätzchen, mäßiges Futter

Summa summarum: hübsch gelegener Italiener ohne Pizza mit kulinarischen Ambitionen, denen man zumeist nicht gerecht werden kann.

Sehr lange bin ich nicht in den Schwarze Hahn, Il Gallo Nero, gegangen, denn hier hat man es nicht nötig, sich an die gesetzlich vorgeschriebene Aushangpflicht einer Speisekarte in einer beleuchteten Vitrine vor dem Restaurant zu halten; vielmehr muss man sich bei Interesse quasi auf gut Glück hinsetzen und sich Speise- und Tageskarte bringen lassen, um zu entscheiden, ob Gusto und Geldbeutel mit dem aktuellen Restaurant-Angebot kompatibel sind. So etwas finde ich ehrlich gesagt ziemlich frech von einem Gastronomen. Dabei ist das Lokal hübsch gelegen, am Augsburger Jakobsplatz, in den umgebauten Räumen der ehemaligen Bäckerei Breck, hinten in dem schalen, verwinkelten Gastraum ein kleine offene Küche, weiße Leinentischwäsche, vor dem Restaurant über die Straße ein Freisitz auf dem Platz um den Neptunbrunnen, direkt bei den Busparkplätzen für die Besucher der Fuggerei, im Sommer eine Goldgrube. Eigentlich ist Il Gallo Nero gar kein „richtiges“ italienisches Restaurant, es gibt nämlich keine Pizza und keine Spaghetti Bolognese. Stattdessen befleißigen sich Luigi Mucci und sein Team einer gehobenen italienischen Bistro-Küche, gute Zutaten, frisch, einfach, aber durchaus mit Anspruch. Die Bruschetta vorweg besteht aus gerösteten, guten, großporigen, typischen italienischen Weißbrotscheiben mit reichlich zerteilten Kirschtomaten  mit mäßigem Geschmack, viel Burrata-Bröckchen, getrockneten Kräutern und schlecht geputztem, verwelktem Rucola, dazu ist das Brot total durchgeweicht und labbrig. Das Tatar vom Thunfisch ist tadellos, leicht säuerlich abgeschmeckt, guter, frischer Fisch. Das Carpaccio ist tote dünn aufgeschnittene Kuh mit Käsespänen, nicht zu loben, nicht zu tadeln, der Rucola ist der Nämliche, Zitrone fehlt komplett, dafür ist das Öl auf Tisch wirklich sehr gut für Restaurant-Verhältnisse. Ein Trauerspiel ist dann der große Berg fast kalter Capellini; zwar ist eine ordentliche Portion Sommertrüffel darüber gehobelt, nur sind die weitestgehend geschmacklos, die Pfifferlinge dazu sind große, breiig-wabblige, schlecht geputzte, ebenfalls geschmacklose Etwasse, das kalte Buttersößchen wäre ganz ordentlich, wenn es nicht kalt wäre, das „Trüffelöl“ dazu hatte ich abbestellt. Als Hauptspeise die Penne Rigate in einer ausgesprochen leckeren, cremigen Tomatensauce mit frischer Salsiccia, wieder Bröckchen guten Burratas und diesmal frischen Rucolas, der alte muss wohl alle gewesen sein, aber insgesamt ein einfaches, stimmiges, gekonntes, ausgesprochen leckeres Gericht. Im Fischragout mit Nudeln mögen die trockenen Lachsstücklein gerade noch gehen, aber der gräuliche und greuliche totgebratene Thunfisch lässt jeden Fischliebhaber aufheulen. Die Saltimbocca alla romana wieder fast kalt, hartes Kalbfleisch, Salbei geht geschmacklich vollkommen unter, der Schinken ist gut, auch das Zitronen-Buttersößchen frei des Tadels, das Gemüse – mengenmäßig dominiert von großen Zucchini-Brocken – ist knackig, frisch, kalt. Das Weinangebot dazu klein, wohlfeil, interessant, eigenwillig, nicht schlecht, die Bedienungen flott, freundlich, kompetent, das passt dann schon wieder.

Insgesamt erkennt man durchaus den kulinarischen Willen im Gallo Nero, an manchen Ecken sieht man auch kulinarisches Können, aber die Downsides überwiegen die die Upsides bei weitem. An einem proppenvollen Lokal und einer kapazitätsmäßig überforderten Küche kann es bei unserem Besuch nicht gelegen haben, diese Downsides scheinen andere Gründe zu haben …


Il Gallo Nero
La Terrazza GmbH
Geschäftsführer Luigi Mucci
Jakobsplatz 9
86152 Augsburg
Tel.: +49 (8 21) 3 19 42 01
Online: www.il-gallonero-augsburg.com/

Nudelgerichte von 7,90 € (Spaghetti aglio, olio, pomodorini, e peperoncino) bis 13,90 € (Tagliatelle mit Fischragout, Knoblauch und Kirschtomaten), Hauptgerichte von 18,50 € (Saltimbocca alla Romana) bis 25,90 € (Rinderfilet), Drei-Gänge-Menue von 28,90 € bis 47,90 € (Tagesgerichte evtl. abweichend)

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