Gasthof-Fleischerei Kollar Göbel in Deutschlandsburg: Schuster bleib bei deinem Leisten

Summa summarum: sehr gutes Fleisch, alles andere eher sehr mäßig in träge dahintröpfeldner Kleinstadt-Agonie

Gut steirisch essen in Deutschlandsburg, das ist – obwohl mitten in der Steiermark gelegen –schwierig. Das Burgrestaurant firmiert mit einer Haube und 88 Falstaff-Punkten dann schon mehr unter Gourmet- denn als heimischem Restaurant, der Sorgerhof liegt außerhalb und gerade bei Golfern hört man wenig Gutes von dort, über den Schilcherland-Hof Schaar in Stainz habe ich ja schon geschrieben. Also muss man hoch zu den Heurigen in den Weinbergen, oder man geht zum Hauptplatz in Deutschlandsberg, wo die Familie Kollar-Göbel seit 1796 eine Fleischhauerei mit angeschlossenem Gasthaus und 3-Sterne-Hotel betreibt. Diese Reihenfolge ist wichtig, denn so wird hier auch gekocht. Gasthaus und Fleischerei liegen nebeneinander, die Auslagen der Fleischerei sehen durchaus lecker aus. Die Terrasse des Gasthauses liegt mitten am verkehrsberuhigten Hauptplatz von Deutschlandsberg, hier kann man das kleinstädtische Leben vorbeitröpfeln sehen, die ältere Dame am Nachbartisch heißt die Bedienung, ihr und ihrem Gatten zwei Pfiff – die kleinstmögliche Bestellmenge für Bier in Österreich, eigentlich 1/8 Liter, heute aber meisten 200 cl – und dazu eine Leberkaas-Semmel aus der Fleischerei zu bringen, aber in zwei Hälften geschnitten, was die Bedienung prompt erledigt, natürlich auch ungefragt auf zwei Tellern: liebeswert. Die Gaststube im rustikalen 60er oder 70er Jahre Restaurant-Design eingerichtet, ist durchaus gemütlich, das größere „gediegene Restaurant“ ist einfach nur schlimm, man riecht förmlich den Mief der kleinbürgerlichen Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Abiturfeiern, Promotionen, Geburtstage, Wahlfeiern, Wiederwahlfeiern, Verlobungen, Grünen, Papiernen, Baumwollenen, Ledernen, Seidenen, Hölzernen, Rosenen, Petersilienen, Kristalleren, Gläsernen, Lumpenen, Porzellaneren, Silbernen, Perlenen, Leinenen, Korallenen, Rubinenen, Smaragdenen, Messingnen, Goldenen, Platinenen, Juwelenen, Diamantenen, Eisernen, Gnädigen, Kronjuweleneren, Eichernen, Marmornen Hochzeiten, ach und ja, die Leichenschmäuse, die hier am laufenden Band seit Jahr und Tag gefeiert werden. Einerlei, wem’s gefällt oder wer darauf angewiesen ist.

Kollar Göbel, Deutschlandburg, Steiermark, Österreich, Kaiserschmarrn, Sorgerhof, Schaar, Federspitz, Tafelspitz, Pfiff

Wirklich bemerkenswert ist das Essen im Kollar-Goebel, nicht etwa weil es so exzeptionell wäre, sondern weil es so typisch ist. Die Portion Schinken zur Vorspeise ganz hervorragend, zart, mürbe, gut gewürzt, kräftig gesalzen, ein Träumchen von einem Schinken, auch die schwarzen Nüsse dazu sehr lecker, nur leider serviert mit getoastetem industriellem Labberweißbrot, und ein wenig frischer Kren hätte auch nichts geschadet. Ausgesprochen gut der Rindfleischsuppentopf, eine sehr kräftige, wohlschmeckende Brühe mit ein paar, aber nicht zu vielen Fettaugen, die reichlichen Fleischstücke darinnen bestens filetiert, nichts Fettiges, Sehniges, Wabbliges am Fleisch, eine saubere Arbeit; soweit die Fleisch-Seite des Suppentopfes. Die Gemüsestücklein darinnen sind einfach matschige, verkochte, geschmackfreie Gemüsewürfel aus dem Tiefkühl-Sackerl, so sehr man hier Arbeitszeit investiert hat, um Suppenfleisch zu filetieren, niemand hat hier beim Suppe-Kochen offensichtlich auch nur ein Stück frisches Gemüse in die Hand genommen. Dasselbe wiederholt sich dann beim gekochten Federspitz (ein Cut für Tafelspitz, für den Nicht-Österreicher): qualitativ hervorragendes Fleisch, geschmackvoll, mager, auf den Punkt zart, aber noch mit Biss gegart, einfach perfekt. Der Apfelkren dazu selbst gemacht, aber viel zu viel Apfel, viel zu wenig Kren, und die Schnittlauchsauce hat nichts mit einer echten Wiener Schnittlauchsauce aus rohem und hart gekochtem Eigelb, entrindeter, in Milch eingeweichter und wieder ausgerückter Semmel, Senf, Brühe, Zucker, Salz, weißem Pfeffer und eben Schnittlauch zu tun, das ist einfach eine Salatsaucen-Basis aus saurem Rahm mit wenig frischem Schnittlauch …. langweilig. Die Rösterdäpfel schließlich geschmacklich hochwertige Kartoffeln, gekocht in Scheiben geschnitten, in Fett kurz wieder erwärmt (erhitzt, gar gebraten wäre zu viel gesagt) und dann ohne jegliche Röstung oder nur Bräunung auf den Rindssuppen-Spiegel geworfen, auf dem das Fleisch liegt. Und wieder tolles, gut zubereitetes  Fleisch, ganz mäßiger vegetarischer Rest. Der Kaiserschmarren als Nachtisch ist natürlich fleischlos, wohl auch selbst gemacht, mächtig, plump, sättigend, füllend, völlend, kulinarisch nicht die Kalorien wert.

Kollar Göbel, Deutschlandburg, Steiermark, Österreich, Kaiserschmarrn, Sorgerhof, Schaar, Federspitz, Tafelspitz, Pfiff

Fleischerei Kollar GesmbH
Hauptplatz 10
8530 Deutschlandsberg
Österreich
Tel.: +43 (34 62) 2642
Fax: +43 (34 62) 26 42 15
E-Mail: kollar.goebl@aon.at
Online: www.kollar-goebl.at

Hauptgerichte von 8,50 € (Kaspeßknödel auf Lauchgemüse) bis 34,90 € (Ochsen-Filet-Steak mit Kartoffeln und Gemüse), Drei-Gänge-Menue von 16,20 € bis 55,30 €

Doppelzimmer mit Frühstück (pro Zimmer, pro Nacht) 88 €

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