Gambrinus Keller in Friedberg: Für’n Teller Nudeln reicht’s

Summa summarum: belanglos bis enttäuschend.

Viel gib es hier nicht zu sagen: Friedberg (Bayern, nicht Hessen), den meisten vielleicht bekannt durch das Möbelhaus Segmüller, das hier seinen Firmensitz hat, seit 1264 äußerste Bastion der Wittelsbacher gegen die einst mächtige Freie Reichsstadt Augsburg, 1396 von den Augsburgern niedergebrannt, dann im Dreißigjährigen gleich zweimal von den Schweden, heute beschauliches Städtchen mit – noch – funktionierender innerstädtischer Infrastruktur, Schlafstadt für viele Augsburger, nicht so teuer wie das benachbarte Mering, das eine direkte Zuganbindung nach München hat. Wie fast jedes Städtchen verfügt Friedberg Restaurant-technisch über einen Parade-Luxus-Bayern, den Goldenen Stern (das Schillers wäre hier auch noch zu erwähnen, gewiss nicht die Kussmühle, auch nicht die Linde) und die übliche Melange aus Schabefleischbratern, Indern, Griechen, undefinierbaren „Asiaten“ … und natürlich Italienern. Einer dieser Italiener ist der Gambrinus Keller (Gambrinus ist ein sagenhafter niederländischer König zur Zeit Karls des Großen, der als Erfinder des Bierbrauens gilt – was natürlich völliger Quatsch ist, schon die alten Ägypter brauten Bier – und zugleich Schutzheiliger der Bierbrauer ist), zwischen Friedberger Rathaus und der Stadtmauer gelegen. Das Lokal befindet sich im weitgehend fensterlosen Souterrain eines undefinierbaren Stadthauses in verschiedenen verwinkelten Kammern mit recht hohen Tonnengewölben, weiß gestrichen, gut ausgeleuchtet, so dass kaum Klaustrophobie aufkommt, hinter dem Haus im Sommer eine Terrasse. Betrieben wird das „Ristorante e Pizzeria“, „unser Stück Italien in Friedberg“ laut Homepage von Andrea & Lia, im Impressum erscheint allerdings ein Massoud Ehab Sabet als Verantwortlicher. Die Begrüßung ist etwas holprig, unsere telephonische Reservierung wurde wohl verschlampt, zumindest weiß niemand davon, auch im großen zerfledderten Buch findet sie sich nicht, mit dem Erfolg, dass ich an irgendeinem Tisch platziert werde, während meine Bekannten, mit denen ich hier verabredet bin, bereits an einem völlig anderen Tisch sitzen, einerlei, nach kurzer Zeit haben wir uns erspäht und zusammengesetzt. Die Bedienungen sind flink, robust, eine seltsame Mischung aus etwas freundlich und bestimmt („Ich fühlte mich bei der Bestellung etwas gedrängt.“ schreibt ein Gast auf Google), sie sprechen Deutsch mit südländischem Akzent, bei uns will so keine entspannt-angenehme Atmosphäre aufkommen, doch an den Nachbartischen werden Stammgäste mit viel Hallo mit Namen begrüßt, und es wird nett geplaudert. Die Speisekarte ist riesig: 10 Vorspeisen, 4 Suppen, 10 Salate, 40 verschiedene Pizzen, rd. 30 Fleisch- und Fischgerichte, Kinderkarte, dazu 17 Wochengerichte, eine Kürbis-Karte und Empfehlungen des Tages. Mit Goethe „Wer vieles bringt …“ Was dann kommt, ist so lala. Die Spaghetti Bolognese (die ein „richtiges“ italienisches Restaurant niemals auf der Karte hätte, Ragout-Sauce wird in Bologna zu Tagliatelle gegessen) erscheinen mir Mikrowellen-heiß, die Ragout-Sauce ist mäßig, die Nudeln viel zu weich, Löffel wird ungefragt mitserviert. Die Vier-Jahreszeiten-Pizza tatsächlich aus dem Steinbackofen, sehr knuspriger, nicht durchgeweichter Boden, Belag mit Dosenware und sehr Käse-lastig und fett. Die Linguine mit Scampi, Steinpilzen und frischen schwarzen Trüffeln wieder enttäuschend, uns erschienen die Trüffel nicht frisch, sondern wie glasige, eingelegte Scheiben aus dem Glas (und welcher Italiener ließe sich das feierliche Zeremoniell des Trüffel-Hobelns am Tisch vor allen Gästen entgehen?). Die gegrillte Seezunge am Tisch gekonnt filetiert, dann auf dem nicht vorgewärmten Teller gestapelt und ungefragt mit mäßigem Olivenöl übergossen. Der Fisch mit penetrantem Knoblauch-Geschmack (für Knoblauch-Geschmack brauche ich keinen Edelfisch), dazu lauwarmes gedünstetes Gemüse, wahrscheinlich aus dem Convenience-Beutel, kurz in Fett geschwenkte Kartoffel-Brocken und ein elendes Salat-Häufchen mit übel nach Konservierung schmeckendem weißlichem Dressing.

Nein, uns hat der Gabrinus-Keller keine Freude bereitet. Um uns die Stammgäste aßen allerdings mit großer Lust und Freude, auch die Google- und Tripadvisor-Rezensionen sind fast durchweg positiv bis überschwänglich, wahrscheinlich hat’s an uns gelegen.


Gambrinus Keller
Massoud Ehab Sabet
Marienplatz 2
D – 86316 Friedberg
Tel.: +49 (8 21) 60 55 66
E-Mail: friedberg@gambrinuskeller.info
Online: www.pizzeria-friedberg.de

Hauptgerichte von 7,00 € (Spaghetti Napoli) bis 25,50 € (Seezunge von Grill mit Beilagen), Drei-Gänge-Menue von 16,50 € bis 43,00 €

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