Das City Hotel Valois in Wilhelmshaven

Summa summarum: Das City Hotel Valois in Wilhelmshaven ist ein Beherbergungsbetrieb maximal zum notgedrungenen, raschen Übernachten, sauber, funktional, gesichtslos, dumpfes Personal, ohne jeden Wohlfühlfaktor, mit Massenabfütterung und suspekten nuckelnden bärtigen Gestalten im Keller.

Das Leben kann zuweilen grausam sein, z.B. wenn es einen nach Wilhelmshaven verschlägt, alte Preußische Garnisons- und Kriegshafenstadt, heute größter Standort von Uschis Spaßtruppe und größter Ölhafen Deutschlands, aber all das ändert nichts daran, dass die Stadt heute zerbombt, zersiedelt, hässlich, armselig ist, noch nicht einmal ein schlafendes Dornröschen, hier könnte sich ein jedweder Prinz die Lippen und anderes blutig küssen, etwas Schönes kann hier mangels Masse unmöglich erwachen. In der hiesigen Einkaufsmeile gehören Pimkie, Douglas und Woolworth zu den besseren Geschäften, viel Leerstand, selbst in zentralen Innenstadtlagen, mitten in der Stadt verwilderte Brachflächen seit den Bombennächten, auf die bis heute niemand Gebäude bauen mag, wohl weil es sich nicht lohnt und die Dinger eh leer stünden oder nur magere Rendite abwürfen, kulinarisch dominieren Kochlöffel, Döner- und Asia-Buden, McKotz und Convenience-Pfuscher das Areal, selbst Türken-Läden schließen wieder und die Spielhöllen sind noch zahlreicher und noch schäbiger als sonstwo in der Republik. Das ist weder ein Ort, wo man Big Business macht, noch ein Ort für erholsame Ferien, für Party, für Shopping, für Kultur und schon gar kein idyllisches, verborgenes Hide Out für kontemplative, kulinarische Tage. Nach Wilhelmshaven verschlägt es einen einfach, wird man von einem grausamen, erbarmungslosen Schicksal – oder einem Musterungsbüro (heute euphemistisch Karrierecenter geheißen) – verschlagen. Doch auch dies hat einen tieferen Sinn: kein Seemann und keine Seefrau weint diesem Ort eine Träne nach, wenn sie wieder für Monate auf See auslaufen.

Auch bei mir hat nämliches erbarmungsloses Schicksal jüngst zugeschlagen und mich nach Wilhelmshaven verschlagen. Fünf-Sterne-Hotels gibt es hier sowieso nicht, das Atlantic ist mit vier Sternen das erste Haus am Platze, ein funktionaler, moderner Bau, direkt an einem der zahlreichen Hafenbecken Wilhelmshavens, zentral am Rande der Innenstadt, fast schon im Grünen, ordentliche Zimmer mit Blick auf’s Wasser oder auf Parkplatz, Bunker und Wiese, große Tagungs-Fazilitäten kleines Spa mit Pool und Sauna, nette Bar mit Terrasse zum Hafenbecken, für die Provinz halbwegs ordentliche Gin- und Singel-Malt-Auswahl, manche der Barkeeper haben ihr Handwerk gelernt, andere – besonders einer – sind nur unfreundliche, inkompetente, griesgrämige Alk-Zusammenkipper, erträgliches Frühstücksbuffet, im hässlichen Hotel-Restaurant mit hübscher Aussicht produziert Sebastian Oppermann eine gesichtslose Allerwelts-Küche, vorwiegend zur Massenabfertigung von Tagungsgästen, aber zuweilen kommen bei à la carte Bestellungen auch durchaus leckere Sachen heraus, Schweinefilet mit Senfsauce und Schwarzwurzeln zum Beispiel oder Kabeljau-Filet mit Erbsen-Kartoffel-Püree und Roter Bete. So weit, so gut. Nun will es aber nämliches erbarmungsloses Schicksal, welches mich nach Wilhelmshaven verschlagen hat, dass auch noch das Atlatic komplett ausgebucht ist, alldieweil just ein Treffen der Lamborghini-Fahrer dort stattfindet, allesamt komische Leute, die 300.000 oder 400.000 EURO für eine enge Flitzflunder berappen und sich dann in einem wohlfeilen Vier-Sterne-Hotel treffen und in der Bar den ganzen Abend vor einem kleinen Bier über ihre Karren philosophieren, ich mag diese Leute nicht und habe die Hotelbar diesmal sehr zügig wieder verlassen.

Wilhelmshaven, Mike Marzelt, Kochs Speisewerk, Atlantic, Ostfriesland, Valois, Sebastian Oppermann,

Vermeintlich zum Glück gibt es ja ein zweites Vier-Sterne-Haus in Wilhelmshaven, nämlich das City Hotel Valois, direkt am Bahnhof und mitten in der Stadt gelegen, aber wenn das Schicksal einmal angefangen hat, zuzuschlagen, dann lässt es so schnell nicht mehr locker, und dieses angebliche Vier-Sterne City Hotel Valois ist in der Tat ein fulminanter Nachschlag zum Schicksalsschlag. Der verkehrsberuhigte Valoisplatz mit seiner funktionalen Nachkriegsbebauung, bar jeden Freizeitwertes und bar jeden ästhetisch-architektonischen Anspruchs, ist ja nun an sich schon hässlich genug, wird aber nochmals getoppt durch den schmucklosen Bau des City Hotels Valois. Der – nicht Barriere-freie – Hoteleingang liegt zwischen dem Abgang zu einer Shisha-Bar im Keller, in der sich des Nachts grimmig blickende, meist bärtige Männer (bei vielen mag das Gefühl aufkommen, dass ihr bedingungsloses Bekenntnis zum Rechtsstaat noch unter Beweis zu stellen sein könnte) zum kollektiven Nuckeln versammeln (und im halben Hotel stinkt’s nach diesem süßlichen scheiß Shisha-Tabak) und einem bei Betrieb nicht minder übel riechenden China-Take-Away-Imbiss, die Hotelhalle ist düster, höhlenartig, mit allerlei maritimen Tinnef verziert, links Raucher- und Tagungsraum sowie innerer Abgang zu besagter Shisha-Bar, rechts Frühstücks- und Restaurant-Räume, wieder düster, bis auf die paar Tische in einer Art Wintergarten und außerhalb auf der Straße, weiter hinten düstere, gänzlich Ambiente-freie Hotelbar, ein einziger knarzender, langsamer Lift, viel zu wenig für ein Haus dieser Größe, außerdem hält er nur in jedem zweiten Stockwerk, so dass wenigstens die Hälfte der Zimmer ebenfalls nur über Treppen erreichbar sind, die altrosa-türkise Farbgebung des Treppenhauses erinnert zudem irgendwie ein wenig an Kuba. Die Zimmer selber sind ordentlich in Schuss, achtziger Jahre System-Gastronomie-Möbel in Massivholz, Flachbildfernseher, halbwegs schnelles W-Lan, ordentlich sauber, zu weiche Matratze, Wasser in der Dusche tröpfelt lediglich (aber der Wasserdruck ist ein kollektives Problem Wilhelmshavens), keine Minibar, aber dafür eine dieser vermaledeiten Kaffee-Kapsel-Maschinen mit sage und schreibe einer Kapsel auf Kosten des Hauses (weitere Kapseln kann man für 1 EURO an der Rezeption erstehen), die Zimmer nach vorne schauen auf besagten Valoisplatz, die nach hinten auf einen verkommenen, dreckigen, mit Autos zugparkten Hinterhof und auf eine große Baubrache. Aus meinem angeblichen „Comfort-Zimmer“ blickte ich zudem auf eine massive Metallwanne, die vor den Fenstern des oberen Stockwerks einfach in Simshöhe an die Wand geschraubt wurde, ich tippe auf eine Art Fluchtweg. Das Frühstück besteht aus schlechtem Kaffee in Thermoskannen, Backlingen, vorgeschnittenem Industrie-Brot, Bergen von billiger Wurst und Käse („Die kenne ich, die gibt’s bei uns in der Messe auch.“, sagte der junge Offiziersanwärter, mit dem ich hier frühstückte, dazu), wenig Fisch, schleimiger Lachs, Industrie-Marmeladen, Säfte aus dem Tetrapack, harte Eiermasse und vertrocknete Würstchen im Wärmebottich … Das Hotelrestaurant schließlich ist outgesourct an einen Herrn Jascha Koch und nennt sich Kochs Speisewerk. Nach einem Start mit viel Tamtam Mitte 2017 präsentiert sich das Restaurant heute anscheinend als Aufwärmstation von allem, was die Convenience-Regale im Großmarkt hergeben. Die Leere im Lokal tut beredt Kunde davon.

Summa summarum ist das City Hotel Valois in Wilhelmshaven ein Ort maximal zum raschen Übernachten, aber keiner zum Wohlfühlen.

Wilhelmshaven, Mike Marzelt, Kochs Speisewerk, Atlantic, Ostfriesland, Valois, Sebastian Oppermann,

City Hotel Valois GmbH
Mike Marzelt
Valoisstraße 1
26382 Wilhelmshaven
Tel.: +49 (44 21) 48 50
Fax: +49 (44 21) 48 54 85
E-Mail:  info@city-hotel-valois.de
Internet: www.city-hotel-valois.de

 

Hauptgerichte im outgesourcten Hotelrestaurant Kochs Speisewerk von 9,50 € (Käsespätzle) bis 23 € (Rumpsteak mit Bratkartoffel), Drei-Gänge-Menue von 18 € bis 37,80 €

 

DZ Ü/F 80 € bis 120 € (pro Zimmer, pro Nacht)

 

Das sagen die Anderen:
Dehoga-Klassifizierung: 4 Sterne
Guide Michelin (Booktable) Inspektoren: n.a.
Guide Michelin (Booktable) Gästebewertungen:n.a.
Gault Millau: n.a.
Gusto: n.a.
Schlemmer Atlas: n.a.
Feinschmecker: n.a.
Varta: n.a. (Restaurant); 2 von 5 Diamanten (Übernachtung)
HRS-Klassifizierung: 4 von 5 Sternen; HRS-Kundenbewertung: 8,1 von 10 (bei 85 Bewertungen) , 92% Weiterempfehlung
Booking.com-Klassifizierung: 4 von 5 Sternen; Booking.com-Kundenbewertung: 8,1 von 10 (bei 405 Bewertungen)
Holidaycheck: 4,5 von 6 Sternen (bei 46 Bewertungen), 75% Weiterempfehlung
Yelp: 3,5 von 5 Sternen (bei 8 Bewertungen)
Tripadvisor: 3,5 von 5 Punkten (bei 57 Bewertungen)
Google:3,9 von 5 Sternen (bei 118 Bewertungen)

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