Cheers aus der Boilerman Bar in der HafenCity im Alten Hafenamt

Vor zehn Jahren eröffnete Jörg Meyer, Erfinder des legendären „Gin Basil Smash“ (aus Gin, Zitrone und Basilikum, ich mag ihn nicht sonderlich) und Betreiber des Le Lion am Hamburger Rathausplatz die Boilerman Bar am Eppendorfer Weg, mit dem Claim „Highballs & Music“, damals noch als Raucher-Lokal. Hanseatisches Understatement und simple Kreationen sind Meyers Markenzeichen. Und er hat ein Händchen für Mitarbeiter: Diven, Großkotze/innen und Spinner stehen bei ihm nicht hinter dem Tresen („Barkeeper sind keine Rockstars“ lautet eines seiner bekannten Statements), sondern handwerklich sehr versierte Alkohol-Arbeiter, da mag die klassische Bar-Fly auch schon mal das eine oder andere kranke Tattoo übersehen. Seit 2016/17 hat die Boilerman Bar (zu Deutsch: Heizer) zwei Metastasen, die eine im 25hours Hotel in der Hamburger Hafencity, die andere in nämlichem Etablissement am Münchner Hauptbahnhof. An anderer Stelle habe ich bereits zum Ausdruck gebracht, dass ich dieses auf Duzen basierende, urbane Retorten-Billig-Jugendherbergs-Konzept nicht sonderlich mag; andererseits, irgendwie klappt die Symbiose von Jugendherberge und Understatement-Bar sowohl in Hamburg als auch in München, das Publikum ist durchaus angenehm, die Tender verstehen ihren Job. Als ich meinen Martini Cocktail mit meinem Standard-Sprüchlein „Martini Cocktail, extra, extra dry, nur gewaschenes Bareis, allen Vermouth abgegossen, Tanqueray, No. 10, gerührt, nicht geschüttelt, Lemon Twist, keine Olive“ bestelle entgegnet der Barkeeper ohne jede Arroganz „Verstanden, ich kann den Nolly Prat auch ganz weglassen, wenn Sie es wünschen, und das Rührglas nur einmal in Richtung Frankreich halten.“ Gut gekontert. Erinnert ein wenig an die Geschichte von Hemingway, der gar keinen Wermut in seinem Martini wollte, der Keeper sollte beim Kaltrühren des Gins auf Bareis nur mehrfach ganz leise das Wort „Wermut“ flüstern; oder an Sir Winston Churchill, der ebenfalls keinen physischen Wermut im Gin mochte, stattdessen sollte der Keeper die Wermut-Flasche so stellen, dass das Licht durch sie hindurch auf das Rührglas mit dem Gin fiel. Alles nicht wirklich belegt, aber nette Anekdoten.

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