Bemüht, aber noch lange nicht in der postsozialistischen Realität angekommen

Will man in der Kvarner Bucht einen Stadturlaub verbringen so tut man sich schwer, ein Hotel zu finden. Sicher, in Opatija gibt es einige altehrwürdige Fünf-Sterne Hotels, das Sveti Jakov, die fast schon legendären Milenji und Mozart, das neureiche protzige Bevanda mit seinen völlig ungerechtfertigten Mondpreisen, seit drei Jahren das fast schon futuristische Amablis in Selce – und dann wird’s schon eng in der Fünf-Sterne-Kategorie in Kvarner. Nichtsdestotrotz ist Rijeka, die immer lebendige, die teils schöne, teils heruntergekommene, teils industrielle, teils Sozialismus-triste, teils morbid-charmante Hafenstadt an der Adria immer eine Reise wert, auch mal einen mehrtägigen Stadturlaub, selbst wenn es in der Stadt selber noch nicht einmal eine Bademöglichkeit im Mittelmeer gibt, alldieweil das gesamte Ufer auf Kilometer nur Hafengelände ist (aber in einer halben Stunde ist man in Opatija, in knapp einer Stunden an den Stränden von Krk). Rijeka hat kaum touristische Infrastruktur, große Shoppingmalls fehlen ebenso wie die üblichen Luxus-Geschäfte von Bogner bis Vuitton, es gibt keine Sternerestaurants und keine mondänen Straßencafés, die Fußgängerzone und Innenstadt hat man in wenigen Stunden komplett erkundet, hinter der Innenstadt franst die Bebauung aus in Industrieanlagen, triste sozialistische Wohnblocks und heruntergekommene KuK-Zweckbauten, die drei Markthallen und der darum liegende Bauernmarkt sind phantastisch, was Angebot und Frische anbelangt, aber ebenfalls in ein, zwei Stunden gegessen, der Hafen ist noch in vollem Betrieb, dann und wann fährt ein Güterzug mitten durch’s Hafentreiben oder eine Zugmaschine mit einem Container, es gibt dort einige Bars und Restaurants zwischen Molen, Frachtschiffen und Parkplätzen, kurzum, Rijeka ist überschaubar, unprätentiös, rustikal, aber so urban, wie man es von einem 130.000-Einwohnerstädtchen erwarten kann. Rijeka ist lebendig, hier beherrschen die Einheimischen die Straßencafés, gepflegte, freundliche Menschen bummeln durch die Gassen, die Mädchen und Frauen sind – Verzeihung, vielleicht heute nicht mehr pc, aber es ist als bewunderndes Kompliment gemeint – größtenteils unglaublich schön, das Cabrio hatten wir 5 Tage unbewacht in der Innenstadt auf der Straße geparkt, nichts ist weggekommen, Rijeka ist – wie ganz Kroatien – sicher, ehrlich, freundlich, von herbem Charme und auch noch relativ preiswert.
Aber Hotels in Rijeka sind ein Problem. Direkt am Wasser kenne ich nur das Jadran, ein vielleicht 1 km vom Zentrum entferntes schlichtes Best Western Tagungshotel. Das Erste Haus am Platze ist das Grandhotel Bonavia (und neben dem Jadran auch das einzige Vier-Sterne-Hotel in Rijeka, Fünf-Sterne-Häuser gibt es, wie gesagt, hier gar nicht). Das Haus liegt mitten in der Stadt, in der vierten Häuserblock-Reihe vom Meer entfernt, am Rande der Fußgängerzone, sehr zentral. Das siebenstöckige Gebäude besteht aus einem architektonisch zumindest fragwürdigen Neubau (ich schätze 70er Jahre) mit durchgängiger dunkler Glasfassade, daneben ein langgestreckter Altbau undefinierbaren Alters. Vor dem Hotel die Straße ist für Autos mit einer Schranke gesperrt und dient als innerstädtischer Hotelparkplatz, was angesichts der Parksituation in Rijeka recht angenehm ist. Kleine Hotelhalle, sehr freundliches und zuvorkommendes Personal an der Rezeption, soweit alles gut. Die Zimmer – soweit wir sie gesehen haben – allesamt von ausreichender Größe, sauber, kein Renovierungsstau, gut in Schuss, geräumige Marmorbäder, oft mit Tageslicht, ausgesprochen gute Matratzen, funktionierende, leise, regelbare Klimaanlagen, Schallschutzfenster, die Handtücher ein wenig klein geraten und ohne den Hotelflausch, Shampoo, Seife und Duschgel im Bad, kostenloses, halbwegs schnelles W-Lan, Flachbildfernseher mit internationalen Programmen — auch soweit alles gut. Bis zum 5. Stockwerk blickt der Gast auf die Straße und die gegenüberliegenden Häuser oder in einen Hinterhof mit Schule, ab dem 6. Stockwerk erheischt man aus den nach vorne gelegenen Zimmern Meerblick; wirklich nett sind die Zimmer nach Süden im 6. und 7. Stock des Altbaus, denn die habengeräumige Balkone und vollen Meerblick (auch wenn sie teurer sind, bei der Zimmerwahl unbedingt zu empfehlen).
Soweit zu den positiven Dingen. Die Hotelterrasse mit antiken Säulen und Meerblick, die auf der Hotelwebsite und den einschlägigen Buchungs-Seiten immer wieder abgebildet wird — existiert so nicht. Diese Terrasse liegt über die Straße vis à vis vom Hotel gehört zum Café Dante, das sich lediglich im Hotelgebäude befindet. Und die Terrasse hat nur im Sommer geöffnet, ab September ist sie auch bei Sonnenschein mit 35° geschlossen und komplett abgeräumt. Bis auf die privaten Zimmerbalkone im 6. und 7. Stock verfügt das Bonavia daneben über keinerlei Freisitz. (Aber zum Glück fangen direkt vor dem Haus die Straßencafés der Innenstadt an.) Schwimmbad Fehlanzeige, das Spa ist eher ein nach Chlor riechender, trister Keller mit ein paar Behandlungsräumen und Sauna, dazu passend das fensterlose kleine Fitnesscenter mit ein paar Ertüchtigungsapparaturen. Und die Bitte um eine wärmere Bettdecke für das Zimmer wurde mit dem Hinweis quittiert, im Schrank lägen Federbetten, und die könne man sich ja bitte wohl selber beziehen (kann ich schon, will ich aber nicht für den Zimmerpreis).
Das Frühstück wird in den Räumen des hauseigenen Restaurants Kamov serviert, ein fensterloser (!) Raum neben der Halle, spärlich erhellt nur durch ein Dachfenster des benachbarten Bankette-Saals und durch Lampen. Selbst für südländische Verhältnisse ist das Frühstück ziemlich mies, Kaffee muss man sich selber aus Automaten zapfen (aus denen auf Knopfdruck auch Kakao rinnt, was zur Folge hat, dass der Kaffee immer nach Kakao schmeckt, aber die bräunliche Plärre, je nach gewähltem Knopf an der Maschine anders benamt, schmeckt so und so nicht), als frisches Obst tagein, tagaus nur Wassermelonen, die Fruchtsäfte allerbilligste Tütenware, warmgehaltene Eier und Speck, wenig Wurst und Käse, das Personal dazu mürrisch und zumeist abwesend, verlassene Tische werden oft eine halbe Stunde ignoriert und nicht abgeräumt, um à la minute Eierspeisen zu aus der Küche zu bestellen, muss man zu einem der herumlaufenden oder –lungernden Kellner gehen (an den Tisch kommen und nach der Bestellung fragen: Fehlanzeige), die Eierspeisen selber müssen in altem Motoröl gebraten werden. „Positiv“ im Frühstückssaal ist allerdings die Tatsache, dass irgendjemand meint, ständig in ziemlicher Lautstärke musikalischen Krach abspielen zu müssen, mal Frank Sinatra, mal – besonders apart bei einem Kater – Freejazz übelster Sorte; diese Zwangsbeschallung macht aggressiv, lenkt so aber von dem miesen Frühstück und dem schlechten Personal ab.
Die Hotelbar schließlich ein Lachnummer, weil nicht existent. In der Lobby stehen ein paar Sessel herum und eine kleiner, leerer Bartresen, wenn man etwas trinken will muss man sich einen der ganztägig im benachbarten Restaurant Kamov herumlungernden Kellner schnappen und eine Bestellung platzieren. Soziales Leben, Schauen, Leute kennenlernen, gepflegte Cocktails schlürfen, alles Fehlanzeige, die Bar des Bonavias existiert höchstens im Prospekt. Dann schließlich das Restaurant Kamov, in diversen Reiseführern und Websites als eines der besten der Stadt gelobhudelt. Wieder nämlicher fensterloser Raum, im Gegensatz zum Frühstück mit einer nunmehr geöffneten Reihe Fensterplätze, nämliche mürrische Bedienungen, ganztägig wird die komplette Speisekarte serviert, vorwiegend kroatisch-mediterrane Gerichte, bei der geringen Anzahl von Gästen, die wir mehrfach beobachten konnten, kann die große Auswahl von Fischen und Meeresfrüchten ganz einfach nicht frisch sein (es sei denn, jeden Tag würden Unmengen von Fisch weggeworfen), der Thunfisch vom Grill furztrocken, die Tintenfische hart, das Steak dünn geschnitten, die Saucen augenscheinlich Convenience, die „Strong beef soup“ hatte einen signifikanten Schwächeanfall … Lassen wir das, gutes, auch nur akzeptables Restaurant geht anders.
Summa summarum punktet das Bonavia durch seine zentrale Lage samt Parkplätzen und gut in Schuss gehaltene Zimmer. Die Südzimmer im Altbau im 6. und 7. Stock mit den Balkonen mit Meerblick sind wirklich nett und laden auch zum längeren Verweilen – vielleicht bei einer Flasche Wein vom Zimmerservice – ein. Der Rest ist eher traurig-traurig-traurig ….

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