Summa summarum: nie wieder
Es ist weit über zehn Jahre her, dass wir das letzte Mal im Schwarzen Bock in Ansbach waren. Damals war es ein wunderschönes, altes, gepflegtes deutsches Gasthaus mit einfachen, aber heimeligen Zimmern, sehr ordentlicher, gutbürgerlicher Küche, einer rustikalen Gaststube, einem lauschigen Gastgarten und – oh größtes aller Wunder – mit eigenen reservierten Parkplätzen mitten in der Stadt in der Fußgängerzone, zentraler geht’s nimmer.
Fangen wir so an: die Parkplätze gibt’s heute immer noch. Aber das ist auch schon alles, der Rest hat – bis auf das Gebäude selber und den Namen – rein gar nichts mehr zu tun mit dem Schwarzen Bock, den wir kannten und schätzten. Um nicht der grundlosen, geschmäcklerischen Schlechtschreiberei gezeiht zu werden, dazu einfach einige simple Fakten aus unserem letzten Aufenthalt (Belegphotos am Ende des Textes):
- Im Eingangsbereich kommt Putz von den Wänden, der einfach auf dem Boden liegengelassen wird.
- In unserem Zimmer blättert die Farbe ab.
- Die Türstöcke im Bad sind deutlich angeschlagen.
- In der Dusche ist unübersehbar Schimmel.
- Eine Wega-Klemme hängt unisoliert im Zimmer von der Decke.
- Eine Mehrfachsteckdose ist einfach an die Wand geklebt.
- Der Schalter für die Nachttischlampe hängt in 1,60 Meter Höhe neben dem Bett.
- Das Türschloss zum WC wird von Panzerband gehalten.
Diese Liste ließe sich fortsetzen. In meinen Augen ist das Haus schlichtweg heruntergekommen. Daran ändern auch die Versuche nichts, es irgendwie „stylisch“ einzurichten, mit einem silberfarbenen, altertümlichen Canapé, Nachttischlampen im Stil einer Federboa aus Plastik, silbern angestrichenen Heizungsrohren, billigem Laminat auf den Böden, noch billiger wirkenden, grellen Fliesenimitaten aus PVC im Bad, farblich überhaupt nicht zu den Bordüren der Wandfliesen passend, grellen, verschnörkelten LED-Lampen an den Decken, und so weiter und so fort. Für mich fühlt sich das an, als hätte ein Bordell-Innenarchitekt sich hier an einem alten Gasthaus vergangen.
Dazu der Service. Buchen kann man den Schwarzen Bock ausschließlich online, und das in einem ausufernd komplizierten Verfahren, und natürlich nur gegen Vorauskasse, noch bevor man das Haus überhaupt betreten hat, ist schon die Kreditkarte belastet. Rezeption und Schlüssel gibt es sowieso nicht mehr, stattdessen bekommt man kurz vor Ankunft einen Pin-Code zugesandt, der zwar für das Zimmer funktioniert, nicht aber für den gebuchten Parkplatz für immerhin 14 EURO pro Nacht. Das W-LAN des Hauses ist so langsam, dass sich noch nicht einmal eine Tageszeitungs-Seite richtig öffnen lässt. Wir waren auch wegen des – vormaligen – Restaurants in den Schwarzen Bock gefahren, das eigentlich sieben Tage in der Woche geöffnet haben sollte, doch das hatte einfach zu, ohne zumindest eine Ankündigung auf der hauseigenen Webpage; erst nach unserer Ankunft wurden wir belehrt, dass man das Restaurant prinzipiell nicht öffne, wenn zu wenig Reservierungen vorlägen. Den Vogel abgeschossen hat dann allerdings die Tatsache, dass wir auf der Straße ein Bier kaufen wollten (da es das im Hotel ja nicht gab) und dies im nach wie vor schönen, doch leider durch eine Photovoltaikanlage verschandelten Gastgarten trinken wollten; dies sei nicht erlaubt, wurde uns beschieden, in diesem absolut leeren, nicht bewirtschafteten Gastgarten dürfe man nur konsumieren, was man auch im Hotel erstanden habe. Nervig auch noch der grün-ökologische Worthülsen-Schwulst, der nicht nur auf der Homepage, sondern auch im Hotel selber betrieben wird; nahezu alles hier soll öko und bio und zertifiziert und naturverträglich und regional sein: nur wie die allgegenwärtigen Nespressomaschinen mit ihren verfluchten Kapseln, die portablen Klimaanlagen in den Zimmern oder die Butter aus dem Salzburger Land auf dem Frühstücksbuffet dazu passen, das wurde nicht erklärt. Greenwashing nennt man das ja wohl in woker Sprache.
Es gäbe noch viel zu berichten und zu ärgern, aber lassen wir’s dabei. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass das Frühstück wirklich ok war. Aber ansonsten: Schwarzer Bock in Ansbach unter dieser Eigentümerin: nie wieder.
DZ/Ü/F ca. 125 bis 155 EURO (pro Zimmer)
Hotel Restaurant Schwarzer Bock
Pfarrstrasse 31
D-91522 Ansbach
Inhaber/Eigentümerin: Meike Appel-Fuhrmann
Tel.: +49 (9 81) 42 12 40
Fax: +49 (9 81) 4 21 24 24
Email: hotel@schwarzerbock.com
https://schwarzerbock.de/









