Zur Schwane in Volkach: formidable Weine, hübsches Hotel, nettes Personal, lausiges Essen

Summa summarum: für ein bodenständiges, wohlfeiles, rustikales Franken-Wochenende bei Gerupftem, geräucherten Bratwürsten Mostsuppe, Zwiebelkuchen und jungen wohlfeilen heimischen Weinen in historischer Heckerwirtschaft ist die Schwane zu fein, zur formell, zu steif und vor allem auch zu teuer, und in mancher Dorfwirtschaft ist die Kartoffelsuppe um vieles besser; für ein fulminantes Gourmetwochenende mit höchsten Genüssen und Saus und Braus taugt weder das Restaurant Schwane 1404 noch die weder wohlfeilen noch luxuriösen Zimmer.

Bayerns jüngster Sternekoch, Steffen Szabo, kocht eigentlich im Restaurant Weinstock im Hotel Zur Schwane in Volkach. In gediegen-rustikal-unverkrampftem Ambiente, das so gar nicht an Sterne-Schnickschnack erinnert, werden hier 9 Gänge für 174 € serviert. Eigentlich. Nur nicht im Januar. Da hat das Weinstock nämlich geschlossen und man muss mit dem rustikalen Zweit-Restaurant des Hotels, Schwane 1404, Vorlieb nehmen. 1404 ist das Jahr, in dem der Volkacher Gasthof im Besitz der Familie Schwan erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Wein spielte hier weiland keine große Rolle, statt dessen braute der Wirt des Schwanen 1675 unerlaubt Bier und wurde vom Stadtrat dafür abgewatscht, erst 1734 erhielt der Schwanen das Privileg des Bierbrauens, und bis 1935 wurde fleißig gebraut, bis das Haus in den Besitz der wohlhabenden Winzer-Familie Pfaff kam, die die Brauerei im Handumdrehen stilllegte und statt dessen die eignen Weine, z.T. aus großen Lagen wie den Enschendorfer Lumpen und dem Volkacher Ratsherr vermarktete. Und die hauseigenen Weine in der Schwane sind beachtlich – wenngleich zuweilen relativ teuer, so dass das Preis-Leistungs-Verhältnis dann doch manchmal Fragen aufwirft. Über Secco und Sekt sollte man besser den Mantel des Schweigens ausbreiten, ebenso über den Versuch eines Gemischten Satzes. Aber die Rieslinge aus den Spitzenlagen sind beachtlich, selbst die Silvaner machen deutlich mehr Freude als sonst, und als Beeren- bzw. Trockenbeerenauslese laufen die Silvaner zu ungeahnten Höchstleistungen auf.

Das Hotel selber, nun ja, ein uralter Gebäudekomplex mit schiefen Wänden, knarzenden Dielen, historisch gewucherten Strukturen, das hat einerseits Flair und Charme und Authentizität, das ist andererseits relativ unpraktisch und schwierig auf den Stand der Zeit zu bringen. Aber alles in allem ist das Hotel zur Schwane ein ordentliches, für mich eher drei als vier Sterne Hotel (offiziell sind es vier Dehoga-Sterne), Mitglied bei Romantik Hotels, sauber, nett, ordentlich, unspektakulär, kleine Sauna, aber kein Pool oder SPA; gute Handtücher, Bettwäsche, Matratzen, Licht, Vorhänge, sehr wenig Deko-Kitsch, ordentliches W-Lan, mitten in der Altstadt gelegen, genügend Parkplätze direkt hinter dem Haus, hübscher Freisitz in der Schwanengasse, zwei Restaurants, das passt schon alles irgendwie, aber es ist wohl allein Volkach als Tourismus-Ort geschuldet, dass man hier 130 bis schon mal 285 EURO pro Zimmer (Zimmer, nicht Suite!) und Nacht verlangen kann.

Das erste, was der anreisende Gast vom Personal wahrnimmt, sind herumlungernde Raucher in Küchen-Uniform und einheitlichen, Dirndl-artigen Service-Klamotten am Hintereingang des Hauses bei den Parkplätzen. Das sind die Leute, die später mit ihren Raucherpfoten meine Salate waschen und meine Teller servieren werden. Mahlzeit. „Die größten Kritiker der Elche / Waren früher selber welche!“ lautet ein primitiver, aber sehr kluger Schüttelreim. Ich habe zugegebener Maßen auch mal geraucht, und zwar nicht zu knapp. Heute graust mich der Geruch. Aber, liebe Hotelbesitzer, glaubt Ihr wirklich, es macht einen guten Eindruck, wenn der erste Eindruck Eurer Häuser an Vorder-, Seiten- und Hintereingängen herumlungernde Suchtkranke sind? Ich weiß, im Gastgewerbe herrscht Personalnot, ein Hotelier, der nur Nichtraucher einstellt oder während der Arbeitszeit das Rauchen untersagt hätte wohl noch größere Personalprobleme als ohnehin schon. Aber es sollte doch in den meisten Fällen räumlich-bauliche Lösungen geben, damit nicht ständig suchtkranke Mitarbeiter in Dienstkleidung vor, neben oder hinter dem Haus vor den Gästen ihrer Sucht nachgehen, zumal in einem verwinkelten Bau wie der Schwane.

Einerlei. Ansonsten sind die Mitarbeiter durch die Bank weg freundlich, hilfsbereit, kompetent. Die Rezeption ist eine Mischung aus Tagesbar, Weinhandel und Empfang, gleich beim Einchecken bekommt man das erste Gläschen Wein, alles geht schnell, freundlich, unkompliziert, aber das Gepäck darf man selber über alte Stiegen (Lift? Fehlanzeige!) auf’s Zimmer schleppen.

Die Gaststube des Restaurants Schwane 1404 ist urig-gemütlich, Bleiglasscheiben, Holzdielen, Kastendecke, holzvertäfelte Wände, schlichte Stühle und Sitzbänke an den Wänden, blanke Tische, dezenter jahreszeitlicher Blumenschmuck, ein paar alte Bilder an den Wänden, nachempfundene einfache, hübsche Lampen mit Milchglas-Schirmen, eine beim Eintreten freundlich grüßende Servicekraft, so geht gute, traditionelle, deutsche Gastlichkeit, und der Erfolg scheint diesem Konzept Recht zu geben, das knappe Dutzend Tische ist an diesem Abend komplett ausgebucht, hereinschneiende Laufkundschaft und sogar Hausgäste ohne Reservierung werden abgewiesen.

Dergestalt positiv eingestimmt beginnt man frohen Mutes das Tafeln, Schmausen und Zechen. Das Zechen verläuft – wie bereits gesagt – ausgesprochen angenehm, nicht so allerdings das Tafeln, das nämlich verläuft sehr bescheiden, um nicht zu schreiben …. Vorab ein paar Streichfettvariationen vom Haus, serviert in kleinen Schälchen auf einer monströsen Weinstock-Wurzel, bis auf die Rotweinbutter wäre mir nichts im Gedächtnis geblieben, und die auch nur spärlich. Die „Neuzeit Schnabberli – Sie bekommen einen kleine Auswahl von handverlesenen Köstlichkeiten“ kommen auf keiner hölz’nern Wurzel („Jetzt fahr’n wir über über’n See, über’n See, jetzt fahr’n wir über’n See, auf einer hölz’nern Wurzel …“) daher, sondern auf einer Terroir-spezifischen Schieferplatte, zwei Stücklein über alle Maßen fetter, völlig geschmackloser Schweinebauch auf säuerlichem orangem Mus, ich schätze Kürbis, ein Brocken Weichkäse und etwas fein geschnittener Wurstsalat, das beste an der Komposition ist die Tatsache, dass es für 13,90 EURO nur sehr wenig ist. Die Kartoffelsuppe hat zu viel Wein erwischt, könnte nach meinem Dafürhalten ansonsten auch von Maggi aus der Tüte stammen. Bei Scheibe diagonal durchgeschnittenen, angeblich hausgemachten Pastete sagt mir die Bedienung auf Nachfragen nochmals in’s Gesicht, sie sei ehrlich und tatsächlich selbst gemacht (wobei die Unterscheidung von hausgemacht und selbstgemacht demnächst mal eine Marginalie wert wird); potztausend kann ich da nur sagen, just solche Pasteten habe ich schon hundertmal fertig im Gastro-Großhandel wohlfeil geboten gesehen, und dann schmeckt sie auch noch so altbekannt; und die marinierten Kürbis-Stücklein retten den Teller auch nicht. Zur Ente notiere ich mir „Harte, geschmacklose Ente, süße, fast kalte, dicke Sauce, breiige Knödel, wohl selbst gemachtes, aber geschmacklich belangloses, matschiges Blaukraut“, die gebackenen Pecorino-Birnenkrapfen auf Rote Bete Risotto passen qualitativ ganz trefflich zur Ente, und die Nachtische – hungrig wie wir sind, ordern wir gleich drei davon – reißen’s auch nicht raus. Allein der hauseigene Wein macht den Abend erträglich, der 2015er Escherndorfer Lump Silvaner Trockenbeerenauslese zu 55,50 EURO die Halb-Liter-Flasche ist fair bepreist und exzeptionell vom Süß-Säure-Spiel.

Schräg über die Straße vom Hotel zur Schwane gibt es einen Bäcker, einen richtigen Bäcker, der noch selber bäckt und keine Backlinge aus Polen aufwärmt und der auch Sonn- und Feiertags auf hat. In der Schwane gibt’s Backlinge zum Frühstück. Und warm gehaltene Eier-Pampe, wenigstens Kaffee kann man frisch nach Wahl bestellen. Und die Auswahl an Wurst, Käse, Fisch, Obst ist für ein Vier-Sterne-Haus mit Gourmet-Restaurant dann doch eher sparsam, so richtige Frühstücks-Wollust mag da nicht aufkommen.


Romantik Hotel zur Schwane
Romantik Hotel Zur Schwane GmbH & Co. KG
Inhaber: Ralph Düker und Eva Pfaff-Düker
Hauptstraße 12
97332 Volkach
Tel.: +49 (93 81) 8 06 60
Fax: +49 (93 81) 80 66 66
E-Mail: info@schwane.de
Internet: www.schwane.de


Hauptgerichte im Restaurant Schwane 1404 von 16,50 € (Grünkern Chili sin Carne mit kleinem Wildkräutersalat) bis 26,50 € (Medaillons vom Rehrücken mit Selleriepüree und Kohlsprossen), Drei-Gänge-Menue von 31,50 € bis 49,40 €

Menue im Gourmet-Restaurant Weinstock Vier Gänge zu 65 € oder zu 89 € bis 9 Gänge zu 128 € oder zu 174 €


Doppelzimmer mit Frühstück (pro Zimmer, pro Nacht) 127 € bis 285 €

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