Summa summarum: unaufgeregtes, gemütliches Speiselokal mit authentischer, traditioneller, gekonnt gemachter österreichischer Küche und gutem Service zu moderaten Preisen
Wo sich Italiener, Griechen, Türken, Araber, Asiaten, Klopsbrater, Bier- und Szenekneipen, Bars, Fine Dining, Körnerfresser und gesichtslose internationalistische Lari-Fari-Köche ein munteres kulinarisches Stelldichein geben, liegt mittendrin im Friedrichshainer Kiez das Schneeweiß. Der erste Eindruck ist: unaufgeregt. Hier sind die Berliner, die Friedrichshainer unter sich, Touristen haben diesen Ort noch nicht entdeckt und verseucht, es gibt kaum Laufpublikum, sondern vorwiegend Stammgäste, und die gewinnt und hält man nur durch Kontinuität, Qualität und eine konsequente eigene value preposition, im Edelweiß ist das authentische, traditionelle, bodenständige österreichische Küche ohne Spinnereien zu bezahlbaren Preisen. Die Inneneinrichtung ist modern, verhalten stylisch, meist in Weiß gehalten, konsequent ohne alpenländischen Kitsch, die meisten Tische sind lang und bieten auch größeren Tafelrunden Platz, dazu ein Nebengelass für private Feiern und ein paar schlichte Bierbänke vor dem Haus auf dem Trottoire unter einer großen Markise. Die Bedienungen sind flink, freundlich, hemdsärmelig, bei Stammgästen fast schon kumpelhaft. So geht unaufgeregte Kiezkneipe: einladend, Schwellenangst kommt hier nicht auf. Auch die Speisekarte ist einladend, nicht zu groß, nicht zu klein, vorwiegend österreichische Klassiker von Frittatensuppe und Kopfsalat über Kalbs- und Schweineschnitzel, Saftgulasch, Backhendel, Zwiebelrostbraten, Käsespätzle, Spinatknödel bis hin zu Kaiserschmarren und Apfelstrudel sowie Brotzeiten. Dazu gibt es eine wechselnde Saisonkarte, derzeit wurde der Spargel gerade abgelöst von den Pfifferlingen. Diese Karte könnte so auch aus einem typischen Beisel in Wien stammen. Dazu sind die Preise ausgesprochen moderat, zumindest für das heutige Berlin, ein Wiener Schnitzel vom Kalb kostet gerade mal 25 EURO, das zahlt man anderswo für ein Schweineschnitzel, im Borchardts verlangen sie jetzt 36 EURO für ein Kalbsschnitzel.


Was an Speisen kommt, ist durch die Bank weg tadellos gut: kräftige, dunkle Rindssuppe mit hausgemachten Frittaten, frisch geschabtes (nicht gewolftes) Tatar, dazu hervorragendes Sauerteigbrot, sowohl das Kalbs- als auch das Schweineschnitzel sehr gutes, zartes Fleisch, dünn geklopft, in gutem Fett ausgebacken, Panade souffliert, dazu eine vernünftige Größe, genau richtig zwischen Hungerportion und effekthascherischer, lebensmittelverschwendender Klodeckelgröße (wie in gewissen Lokalen heutzutage leider Mode), frische, ordentlich geputzte Salate mit gutem Dressing, Erzäpfelsalat wie in Österreich, toller, frischer, fluffiger Kaiserschmarren mit hausgemachtem Zwetschgenröster – das alles ist traditionelle österreichische Hausmannskost in ihrer besten Form. Nur die Käsespätzle badeten in einer Käse-Sahne-Sauce, das war etwas schade. Die Weinkarte schließlich ist sehr klein, aber klug ausgewählt, leider mit nur wenigen österreichischen Positionen.
Insgesamt ist das Schneeweiß Österreich-Urlaub im Mund, authentisch.





Hauptgerichte von 14 EURO (Sellerie Schnitzel) bis 29 EURO (Zwiebelrostbraten mit Beilagen); Drei-Gänge-Menue von 30 bis 57 EURO
Schneeweiß Berlin
Inhaber: Kevin Elias
Simplonstraße 16
D – 10245 Berlin
Tel.: +49 (30) 29 04 97 04
E-Mail: info@schneeweiss-berlin.de
Online: https://www.schneeweiss-berlin.de

