Ostermaier’s Waldeck: grundehrliche, gekonnte, bürgerliche deutsche Küche mit freundlichem Service in angenehmem, zwanglosem Ambiente am A… der Welt

Einerseits, ja, ich grantle oft und viel und zuweilen auch derb bei meinen Gastronomie-Berichten, andererseits, nein, ich tue das nicht gerne, eigentlich ist das Granteln nicht mein ureigenster Wesenszug, vielmehr würde ich lieber stets enthusiasmiert von gigantischen gastronomischen Großtaten in höchsten Tönen lobend Kunde tuen. Geht nur leider recht selten, liegt aber nicht an mir, liegt an den Gastronomen. Nicht so bei Andrea und Peter Ostermaier, die in dem kleinen Flecken Edlendorf right in the middle of nowhere am Rande des Frankenwaldes im Landkreis Hof ihr Gasthaus Ostermaier’s Waldeck (schon wieder mit falschem Apostroph, es ist eine Genitiv-Endung mit „s“, sonst nichts, Leute, und die hat keinen Apostroph (hatte ich eigentlich erwähnt, dass Sprachknittelung mich ebenfalls an’s – hier ist der Apostroph als Auslassungszeichen richtig – Granteln bringt?)) betreiben. Die beiden bieten hier grundsolide, ehrliche, unverfälschte, ungekünstelte, gradlinige, bürgerliche, deutsche Küche, aber nicht etwa die zunehmend pejorativ geprägte „gut bürgerliche deutsche Küche“. Und das in einem lockeren, gepflegten, angenehmen, gemütlichen, aber durchaus mit Damasttischdecken und –servietten gehobenen Ambiente, wenngleich mir viel zu viel Zierrat und Tinnef in den Gasträumen rumsteht, aber das wird geschmäcklerisch, wem’s gefällt …

Von Anfang an: Im Fränkischen am Rande eines verschlafenen Bauerndorfes, umgeben von idyllischen Feldern und Wäldern (und diesen vermaledeiten Windrädern am verschandelten Horizont im Norden) liegt Ostermaier’s Waldeck, ein hübscher Gasthof, baulich irgendwie auf bajuwarisch-toskanisch getrimmt, in einer ganz eigentümlichen Farbe, etwa rot-rosa-lila-ocker, heimelige Sprossenfenster, ausreichend Parkplätze hinter dem Haus, neben der offenen Eingangstür steht auf einer großen Tafel von Hand geschrieben „Schön, dass Sie heute Gast bei uns sind. Willkommen bei den Ostermaiers.“ Hier fühlt man sich willkommen. Die Gasträume sind recht klein, verwinkelt, separiert, und doch finden hier sicherlich 150 Leute Platz, ohne jedoch ein Saal-Gefühl aufkommen zu lassen. Die Möblierung ist rustikal-bodenständig und – ich würde sagen – semi-nobel, aber mit viel Liebe zum dekorativen Detail, hier spürt man die kreative Hand der Hausherrin; Wertung s.o. Auch der Gastgarten, windgeschützt teils von Mauern und Fensterfronten umgeben, mit ausfahrbaren Markisen Sonnen- und Regen-sicher, dazu noch Strahler-beheizbar ist heimelig, hübsch, viele Blumenkübel, unkomplizierte, frugale Stunden verheißend.

Andrea Ostermaier, sie leitet den Service mit umsichtiger Hand, begrüßt persönlich, geleitet zum Platz, immer wieder findet sie auch später die Zeit, trotz vollen Hauses auf ein Pläuschchen – das durchaus nett und nicht etwa aufdringlich oder aufgesetzt ist, wie sonst so oft – am Tisch vorbei zu kommen, sich zu erkundigen, ob noch alles zur Zufriedenheit sei, dann plötzlich unvermittelt – wohl weil sie den richtigen „Riecher“ hat, dass dies den Gästen gefallen könnte – einen Primitivo zu empfehlen, der nicht auf der Karte steht, oder ein Hirsch-Carpaccio (vom Herrn Baron selber geschossen, wie sie mehrfach betont, wer immer auch dieser Herr Baron auch sein mag). Ihre Servicekräfte sind durch die Bank weg jung, freundlich, engagiert, nicht immer perfekt (machen aber keine bösen Patzer), und wo es mit der Perfektion der Mitarbeiter nicht ganz so klappt, ist Frau Ostermaier sofort zur Stelle, um helfend einzugreifen, auch mit Hand anzulegen, wenn Not am Mann ist, danach etwas abseits kurzes, konzentriertes, aber keinesfalls böses Getuschel mit den Servicekräften, was schief gelaufen ist und wie man’s das nächste Mal besser machen kann: ich sage nur, so muss Chef!

Tja, und in der Küche regiert Peter Ostermaier. Seine Speisekarte ist fränkisch-deutsch mit leichten mediterranen Einsprengseln, passend zum Baustil des Anwesens. Neben Suppen und Vorspeisen gibt es natürlich allerlei Kurzgebratenes – Schnitzel, Steaks, Filettöpfchen, Mixed Grill, das Übliche halt –, aber es gibt auch eine erfreuliche Anzahl an Schmor-, Koch- und Bratgerichten, die entweder aus der TK kommen oder das Haus hat einen entsprechenden Durchsatz (bei Ostermaiers kommen sie bestimmt nicht aus der TK!!!) – Krenfleisch, Gänsebrust, Wildbraten, echt Fränkischer Sauerbraten – und ein paar Zugeständnisse an die kulinarische Internationalisierung – Indischer Filetspieß mit Früchten und Curryreis, eine sehr ordentliche Tagliata, das heute fast schon unvermeidliche Carpaccio, Lachs vom Grill oder Krabbencocktail Hawaii mit Ananas – für die, die’s brauchen. Ausgesprochen sympathisch dann noch die Brotzeiten und kleinen Gerichte: Kässpätzle, Wurstsalat, Salatteller oder – dafür liebe ich die Ostermaiers – 3 Spiegeleier mit Speck und Bratkartoffeln für 5,80 EURO, das kann sich irgendwie gar nicht rechnen und erweckt zugleich Kindheitserinnerungen. Mit Ausnahme der Pommes und der Kroketten sind wohl auch alle Beilagen hausgemacht, fränkische Klöße, sogar grüne Klöße, Röstzwiebeln, Saucen, Grillgemüse, Spätzle, Bratkartoffeln, da kommt nichts aus der großen Convenience-Tüte. Und neben der unvermeidlichen Eiskarte sind ebenfalls viele der Nachtische hausgemacht, die Crème Brûlée und der Kaiserschmarrn sind ganz hervorragen. Das alles ist dabei keine Hochküche und sicherlich nicht in Sterne-Nähe. Vielleicht ist die Küche von Peter Ostermaier sogar etwas viel Besseres: das ist grundehrliche, grundsolide Hausmannskost. Das Fleisch ist auch jenseits des Filets von hervorragender Qualität und Herkunft und immer auf den Punkt. Die Sößchen werden hier nicht aus dem Fertigbottich erwärmt oder mit Ketchup, Sahne und Geschmacksverstärker zusammengestoppelt: ob Paprikasoße zum Schnitzel, Cognac-Pfeffer-Soße zum Grilllendchen, Kräuterbutter zum Steak oder Schwammerlsoße zum Wildbraten, das ist alles mit Liebe und Verstand frisch hausgemacht. Und die Salate sind frisch und gut geputzt (längst keine Selbstverständlichkeit mehr) und triefen nicht vor konservierungsstoff-schwangeren Dressings. Und wenn der Rehbraten aus is, dann isser halt aus, da kann keine neue Tiefkühlpackung kurz in die Mikrowelle geschoben werden. Speisekarten wie die von Ostermaier’s Waldeck gibt es zwischenzeitlich viele (wenngleich selten mit Schmor- und Bratgerichten), aber viel zu oft schlampt dann die Küche mit den vielen kleinen Arbeitserleichterungen im Küchenalltag von Nestlé, Bosfood oder Sander und wie die Totengräber der Kochkunst alle heißen mögen. Bei Peter Ostermaier schmeckt man die Liebe zur bodenständigen, ehrlichen Küche und – natürlich nur bildlich gesprochen – den Schweiß, der damit verbunden ist. Dazu kommt auch noch eine formidable Weinauswahl von klug gewählten, niedrig- bis mittelpreisigen Tropfen, Schwerpunkte Franken und Italien, die man so right in the middle of nowhere nicht erwartet hätte.  Ich komme gerne zu den Ostermaiers.

Und nach reichlich Schmaus und Trank bietet Ostermaier’s Waldeck auch noch 6 kleine, recht komfortable Zimmerchen samt schmalem Gemeinschaftsbalkon mit Blick auf Felder und Wälder (und Windräder, zefix). Und wenn der Abend im Sommer ausklingt, sollte man sich durchaus noch die letzte Bouteille Wein mit auf’s Zimmer nehmen und dort auf dem Balkon den Sonnenuntergang hinter dem Wald bestaunen, dann ist man versöhnt mit Gott und der Welt. Das Frühstück am nächsten Morgen ist tadellos, frische Bäckersemmeln, keine Backlinge, das ist immer mein erster Gradmesser. Keine Kaltmamsell serviert das Frühstück, Peter Ostermaier selber steht schon wieder hinter der Theke, im Hintergrund in der Küche blubbern schon die ersten Fonds, schon um 08:00 Uhr kommt der erste Küchenmitarbeiter, dem Ostermaier Anweisungen gibt, während er Cappuccino mit der großen Kaffeemaschine brüht. „Meine Frau macht Abends den Service bis zum Schluss, da gehe ich früher in’s Bett, dafür mache ich dann Morgens das Frühstück.“, sagt Peter Ostermaier. Klingt fair und betriebswirtschaftlich sinnvoll, aber dem Eheglück nur bedingt zuträglich. Niemand hat je gesagt, dass Gastwirt ein einfacher Beruf sei, man muss das mit Herz und Seele lieben. Das tun die Ostermaiers gewiss, und das 7 Tage die Woche, ohne Ruhetag.

 

Ostermaier’s Waldeck
Hotel und Restaurant
Inhaber: Andrea und Peter Ostermaier
Edlendorf 12
95233 Helmbrechts
Tel.: +49 (92 52) 72 73
Fax: +49 (92 52) 99 20 20
Email: info@ostermaiers-waldeck.de
Online: www.ostermaiers-waldeck.de

 

Hauptgerichte von 11,50 € (Schnitzel, Pommes, Salat) bis 49,50 € (Tenderloin Steak), Drei-Gänge-Menue von 20,80 € bis 76,50 €

 

DZ Ü/F 85 € (pro Zimmer, pro Nacht)

 

Das sagen die Anderen:

  • Guide Michelin (Booktable) Inspektoren: 1 Michelin-Teller
  • Guide Michelin (Booktable) Gästebewertungen: 4 von 5 Punkten (bei 1 Bewertung)
  • Gault Millau: n.a.
  • Gusto: n.a.
  • Schlemmer Atlas: n.a.
  • Varta: 1 von 5 Diamanten (Restaurant)
  • Holidaycheck: 6 von 6 Sternen (bei 4 Bewertungen)
  • Yelp: 4,5 von 5 Sternen (bei 6 Bewertungen)
  • Tripadvisor: 5 von 5 Punkten (bei 15 Bewertungen)
  • Google: 4,5 von 5 Punkten (bei 53 Bewertungen)
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3 Comments

  1. Reinhard Daab

    Lieber Hr. Opl,

    dieser Bericht liest sich doch viel schöner und angenehmer, als vieles andere.
    Jedenfalls ist dieses sympathische Haus auch im Guide Michelin aufgeführt, was wieder einmal mehr für diesen Führer spricht.

    Allerdings möchte ich einmal fragen, was kann man in dieser Gegend machen, außer man wäre auf der Durchreise und würde einen Aufenthalt einschieben.

    Was mich jedoch sehr verwundert, dass es keinen Ruhetag gibt, finde ich natürlich sehr gut. Aber auch die Inhaber des Hauses können nicht immer nur arbeiten, oder verfügt man über ausreichend gutes Personal?

    Viele Grüße

  2. Reinhard Daab

    Lieber Hr. Opl,

    mit diesen Windrädern sind schon ganze Landstriche verunstaltet worden, fahren Sie bitte einmal durch den Hunsrück, das ist nicht zu fassen.

    Die Energiewende hat zwei Ziele die sie bis jetzt meisterhaft erreicht hat:
    1. Die größte Landschaftszerstörung seit den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs
    2. Die grösste Vernichtung an Arbeitsplätzen und Wohlstand seit dem Zweiten Weltkrieg.
    Entweder Deutschland macht den Ausstieg vom Ausstieg oder fährt weiterhin mit Voll- und Biogas gegen die Wand.

    Es hat zwar nichts mit den Berichten über Esskultur zu tun, aber an dieser traurigen Entwicklung sollte man auch innerhalb dieses Blogs nicht kommentarlos vorübergehen.

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