Marginalie 79: Who cares?

Ich sitze bzw. stehe in der Spyglass Rooftop Bar des Archer Hotels mitten in Manhattan, 38 Street, one of the places to be these days in NYC, der Blick auf’s Empire State Building könnte kaum besser sein, nur King Kong fehlt mir etwas, auch im Hinblick auf seine aufräumende Tätigkeit. Neben mir eine Gruppe junger, offensichtlich nicht am Hungertuch nagender Eingeborener, ein halbes Dutzend Weibspersonen, drei Männlein, alle so um die 25, YWUPs nennt man solches Gesocks wohl, Young White Upperclass Protestants, also nicht so die Ferragamo-Hèrmes-Brioni-Lange-Fraktion, sondern die eher ärmeren Todds-Gucci-Boss-Rolex-Exemplare, aber ordentlich Schotter noch allemal, dazu Manieren wie Schweine, lautstark wie Presslufthämmer und feinfühlig wie Napalm. „Everyone is blond and everyone is beautifull.“ singen The Beautifull South irgendwo, und jetzt weiß ich endlich exakt, was sie damit meinen. Da ist ein Geschnatter und Gegacker in der Gruppe, alle lachen eigentlich unaufhörlich, wenn sie nicht überlautstark in diesem grässlichen Dialekt – ich bin versucht, zu schreiben Derivat – des Englischen parlieren, der Shakespeare und die Queen diesseits und jenseits des Grabes gewiss rotieren lässt. So müssen beste Freunde für immer aussehen – denke ich mir. Irgendwann löst sich Eine aus der Menschentraube, verabschiedet sich von jedem aus der Gruppe mit ausladender Umarmung und Bussi-links-und-Bussi-rechts und Schnatter-Schnatter-Kicher-Kicher, als alle abgeschleckt und ausgelacht sind geht sie zum Lift weiter hinten im Raum, wo schwarz gewandete und behautete Security die ordnungsgemäßen Abläufe überwacht. Als die Lifttüre sich schließt, ruft die Gehende noch Richtung der Gruppe heraus „I’ll give you a call tomorrow, sweehart!“ „What did she said?“ fragt eine aus der Gruppe. „Who cares?“ antwortet eine andere, und das Schnattern und Gackern und Lachen geht weiter, als wäre nie etwas anderes gewesen. Wer solche Freunde hat, braucht wahrlich keine Feinde. Das hier, das sind die Apologeten, das sind die Kinder und die Macher der Raubtierkapitalimus, der gewiss in NYC heute seine Heimat hat.

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