Marginalie 32 – Ein Stück aus dem Narrenhaus

Größere Metzgerei in der Stadt, noch mit eigener Schlachtung und richtigen Metzgern. Alles gefliest, alles proppesauber, verglaste Theken voll mit dem schönsten Fleisch und den schönsten Wurstwaren, Fleischverkäufer und –innen mit sauberen Schürzen und einheitlichen Kopfbedeckungen. Als ich den Laden betrete, wird mein Gruß mit einem fast von fröhlichen kollektiven „Grüß Gott“ der Belegschaft und –innen erwidert. So geht Deutsche Fleischerei, denke ich mir, es muss eine Freude sein, hier als Schnitzel auf den Verkauf und Verzehr zu warten. Eine nette Dame vom Personal, vielleicht 35, mit blauen Einmal-Handschuhen, lässt eine größere Menge Hackfleisch frisch durch den elektrischen Wolf, der nochmals in einer separaten, gefliesten, mit Glastüren verschlossenen, gesondert gekühlte Nische steht,  schaufelt das Hackfleisch mit beiden – behandschuhten – Händen auf ein großes Stück Plastikfolie, das vis à vis der Nische auf der Waage liegt, die ihrerseits wiederum auf der Verkaufstheke steht, ganz normaler Aufbau einer Deutschen Fleischerei also. Als sie 6 Pfund beisammen hat, drückt sie das Hackfleisch in der Plastikfolie zu einem runden Laib, wiegt, packt das Hackfleisch in der Folie in eine weitere Tüte und verschließt diese sorgfältig, fragt die Kundin nach ihren weiteren Wünschen, als diese verneint gehen beide zur Kasse, die Fleischverkäuferin tippt etwas in die Kasse ein, nennt den Preis des Hackfleisches, die Kundin reich einen Schein über die Theke – jetzt kommt’s – und die Verkäuferin nimmt den Schein mit ihren behandschuhten Hackfleischhänden entgegen, legt ihn in die Kasse, holt das Wechselgeld aus der Kasse, zählt es nach und reicht es der Kundin zusammen mit dem Kassen-Bon … und das alles mit den Handschuhen, mit denen sie zuvor das Hackfleisch geschaufelt hat. Höflich verabschieden sich Kundin und Verkäuferin, letztere fragt, wer als nächstes dran sei, eine Dame vor mir in der Schlange meldet sich und verlangt nach Käse, beide – Verkäuferin und Kundin – gehen zur Käsetheke, die eine auf der einen, die andere auf der anderen Seite der Theke, die Kundin zeigt auf einen Käse, die Verkäuferin nimmt nämlichen Käse noch immer mit denselben Einmal-Handschuhen („Einmal“, das kommt von „einmal benutzen und danach wegwerfen“, das nur so am Rande), mit denen sie zuvor Hack geschaufelt und Geld gewechselt hat, pellt ein Stück Rinde ab und beginnt, Käsescheiben zu schneiden, zu wiegen und zu verpacken; hernach dasselbe Spiel mit denselben  (denselben, nicht etwa den gleichen!) Handschuhen beim – in der Tat köstlich aussehenden – Serrano-Schinken am Stück samt Knochen, von dem sie mit einem scharfen Messer dünne Streifen abschneidet.

Rohes Fleisch – Geld – Käse – Schinken, und das alles mit denselben, zwischendurch nicht gereinigten Pfoten (bzw. Handschuhen) … ja Pfui Deifi! To make a long story short: ich habe die Fleischerei gewechselt!

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