Klosterbräu Bergen: sehr schönes ländliches Hide-Out mit patziger Küche

Summa summarum: Wunderschönes, idyllisches Landgasthaus right in th middle of nowhere, das in Sachen Gemütlichkeit, Komfort, Service, Freundlichkeit, hübsche Zimmer keine Wünsch offen lässt, dazu ein rustikales, aber schönes SPA, die Küche gibt sich – jenseits von Schnitzel und Kässpätzle – gehoben-gut-bürgerlich, nur leider jagt ein böser Patzer den nächsten, kulinarische Freude kommt hier nicht mehr auf, aber man wird satt.

Es ist schön, wieder reisen zu dürfen, sehr schön. Es muss ja nicht gleich Nizza, Namibia oder Neu-England sein, man wird ja bescheiden, das alte Dörfchen Bergen am Jakobsweg bei Neuburg an der Donau mit seinem Münster – außen romanisch, innen schönstes Rokoko – ist ja auch schon mal ein willkommener Anfang, zumal das dortige Landgasthaus, der Klosterbräu in den Wirtschaftsgebäuden der ehemaligen Benediktiner-Abtei, in den letzten Jahren hotel-mäßig massiv aufgerüstet hat. Die Gaststuben waren schon immer sehr heimelig, der Gastgarten ein Traum unter alten Bäumen, die neuen Hotelzimmer gediegen, schlicht, gemütlich, der Wellnessbereich mit Teich, Pool, Badehaus, Liegewiesen und Terrassen, übergroßem Whirlpool, Saunen rustikal-einladend, dazu Kaminzimmer, Spielbereich, wunderbare Landschaft, Wälder, Wanderwege, Ur-Donautal und Altmühltal um die Ecke, da beißt die Maus keinen Faden ab, das passt alles ziemlich perfekt, wenngleich mit mehr als 200 EURO pro Doppelzimmer und Nacht gewiss alles andere als ein Schnäppchen für ein Etablissement right in the middle of nowhere. Aber sind wir ehrlich: ich habe schon für weitaus mehr Geld weitaus schlechter genächtigt, und das nicht nur in New York oder Shanghai.

32 Jahre vor der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung übernahm die Familie Böhm den Klosterbräu in Bergen und besitzt ihn bis heute, das ist mal Kontinuität. Seit 2003 zeichnet Otto Böhn junior, der bei Heinz Winkler gelernt hat, verantwortlich. Neben weiteren Um- und Ausbauten war auch seine Küche ursprünglich mal sehr ambitioniert, neben gehobener Wirtshausküche versuchte Böhm in den Jakobstuben Hochküche auf dem Dorfe anzubieten, mit viel medialen Lorbeeren und wenig Meriten in den einschlägigen Gastro-Guides. Der Michelin vergibt bis heute eisern einen Bib Gourmand, der Benzin-Aral- und der Batterie-Varta-Führer erwähnen den Klosterbräu Bergen noch, hingegen Gault Millau, Gusto, Feinschmecker und andere haben den Klosterbräu längst wieder aus ihren Listen erwähnenswerter Restaurants getilgt … und – so schwer es mir fällt, zu schreiben – zu Recht, mehr als gehobene Wirtshausküche ist das nicht, wird aber wahrscheinlich auch nicht vom dortigen Publikum erwartet, auch der Brunnen mit stets frischen Krebsen ist heute wieder stillgelegt.

Für ein gehobenes Dorfgasthaus ist das Ambiente tadellos, heimelig, gemütlich, entspannt, sehr freundliche, ausreichende, meist ausgebildete, meist aufmerksame, manchmal aber fast schon penetrante Servicekräfte in Tracht, weiße Leinentischwäsche, grobschlächtiges Gastronomieporzellan, -besteck und -gläser, dezenter Wiesenblumen-Tischschmuck, das passt alles irgendwie. Am Nachbartisch bestellt eine junge Familie zweimal Kässpätzle und einmal Knödel mit Soße für den Filius, dazu drei Apfelschorle als komplettes Abendessen, auch sowas will einkalkuliert sein. Wir bekommen Baguette und Salzbutter vor einem fünfgängigen Menue hingestellt, Gruß aus der Küche Fehlanzeige. Die Kohlrabicremesuppe ist cremig-sahnig-kohlig-fett … und schlichtweg überwürzt und hart am Rande von versalzen. Die klare Rindssuppe mit Grießnockerl ist ok, tatsächlich eine Suppe, keine Consommé, leider lauwarm, die Gemüseeinlage hart, das Grießnockerl fluffig, es fehlt deutlich an Muskat. Der Bachsaibling im Kartoffelmantel ist ein Bachsaibling unter einer kaum wahrnehmbaren Kartoffelkruste, der Fisch nicht glasig, sondern trocken-tot-gebraten, der Blattspinat ok, der tiefere Sinn der zwei halben – wahrscheinlich industriellen – Blinis oder Liwanzen auf dem Teller entzog sich unserem Verständnis, vielleicht mussten die Dinger schlichtweg weg. Auch die Lachsforelle war trocken tot gebraten, die paar Scheibchen Sommertüffel darüber geschmacklich belanglos bis minderwertig und verzichtbar, ziemlich gut allerdings der Dialog von buttrigem Kartoffelbrei und gekochten lila Kartoffeln, besser als Forelle und Trüffel zusammen. Lende vom Hohenloher Rind: ein Fetzen perfekt medium gebratene, zarte, tote Kuh, belangloses Selleriepüree, gutes kurzes Sößchen, auf einem Bett von ein paar gebratenen, knackigen Gemüsewürfelchen. Caros Kommentar dazu: „In der Gerichtskantine in Frankfurt servieren die das genauso.“ Aua. Vollends unstimmig dann die Entenbrust: Stücklein durchgebratener Entenbrust mit fett-wabbliger – nicht rescher – Haut auf einer fetten, dunklen Sauce mit fetten Stücklein Reiberdatschi – vulgo: in Fett ausgebratene, breiige Kartoffelpuffer – an breiigem Spitzkohl in – fetter – Sahne, ein heimtückischer Angriff auf jede Leber, und dazu nicht sonderlich wohlschmeckend. Die Mandeltarte danach belanglos-trocken, die Vanillecreme ebenso belanglos, die Kalorien nicht wert, die darin enthalten sind. Ganz anders das Topfensoufflé mit Himbeermark und frischen Früchten: fluffig, stabil, ganz leicht säuerlich, nicht zu süß, Aromen von Vanille und Zitronenschale im gekonnten Spiel mit Frucht, das ist nicht ganz große Küche, aber sehr, sehr gute Küche. Die Auswahl von Allgäuer und Französischen Rohmilchkäsen von Waltmann aus Erlangen ist wie (fast) immer untadelig.

„Wat schriev mer en su enem Fall?“ frage ich mit BAP Caro nach dem Essen. „Soll ich ehrlich sein?“ antwortet Caro. „Yepp!“ „Also, mit ausländischen Geschäftsfreunden, denen ich die Feinheiten, gar die Überlegenheit Deutscher Küche demonstrieren will, würde ich hier nicht hergehen. Wenn ich eine Arzt-Sohn aus dem Bayrischen Wald heiraten wollte, mit meinen Schwiegereltern in spe würde ich hierher gehen, vordergründig nicht zu plump, hintergründig nicht zu überkandidelt. Oder wenn ich meine Rechts-Referendarinnen auf ein Incentive-Wochenende einladen wollte, oder eine Horde Pharma-Referenten auf eine Weiterbildung, oder für die Hochzeit meines Cousins, der es als Schrotthändler zu einigem Wohlstand gebracht hat — für sowas eignet sich diese Location. Aber wir beide, wir haben die letzten Tage zu viel Kalorien gegessen und zu wenig Genuss – zumindest kulinarisch – gehabt, für uns ist das nichts.“ „OK Cheffe!“ antworte ich kleinlaut.

Romantik Hotel Zum Klosterbräu
Martina und Otto Böhm
Kirchplatz 1
86633 Neuburg-Bergen
Tel.: +49 (84 31) 67 75-0
Fax: +49 (84 31) 4 11 20
Internet: www.zum-klosterbraeu.de
Mail: info@Zum-Klosterbraeu.de

Hauptgerichte von 22,50 € (Spinatravioli) bis 39,50 € (Rinderfilet, Gartengemüse, Kartoffelgratin), Drei-Gänge-Menue von 39,50 € bis 73,80 €

DZ Ü/F 139 € bis 299 (pro Zimmer, pro Nacht)

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