Klasik Gin von St. Nicolaus

Mit ihrem sehr gewöhnungsbedürftigen Tatratea mischen die Slowaken ja schon seit geraumer Zeit fleißig im Europäischen Premium-Spirituosen-Markt mit. Die 2002 gegründete Tatra Destillery verwendet – was läge näher? – die wilde Landschaft der Hohen Tatra als Markenkern für ihre 3 Produktreihen mit  11 Produkten, allesamt Tee-basierte Schnäpse und Liköre, alle in einer markanten, von der Form und Design her identischen, nur durch die Farbe unterscheidbaren Flasche, das ist insgesamt eine sehr klare, deutliche und gute Markenführung; dennoch kann ich jedem nur raten, das Laufen zu beginnen, und zwar das Schnelle, wenn einem Tatratea, egal welcher, angeboten wird: das Zeugs schmeckt durch die Bank weg künstlich bis scheußlich, die leichteren Varianten beginnen bereits bei 17% Alkohol und sind dazu noch papp-süß, das Flaggschiff nennt sich schließlich „Outlaw Tea Liqueur“, hat 72% und sollte eigentlich nicht ohne Waffenschein abgegeben werden.  Freunde von uns verwenden – not kidding – diesen Outlaw Tea Liqueur als Rausschmeißer: wenn sie Gäste haben und irgendwann der Meinung sind, der Abend solle so langsam ausklingen, dann holen sie den Outlaw raus und füllen die anderen Alkoholika – Bier, Wein, Brände – einfach nicht mehr nach; spätestens nach dem zweiten Glas Outlaw Tea Liqueur, so schwören sie, sei auch der hartnäckigste Gast gegangen.

Aber darum geht es hier gar nicht, ich schweife mal wieder ab. Hier geht es um die größte Brennerei der Slowakei, St. Nicolaus, hervorgegangen aus der 1867 gegründeten Brennerei Armin Stark und der 1922 gegründeten Likörfabrik Rudolf Stein. Was die Kommunisten zwischenzeitlich mit der Destille gemacht haben, das verschweigt die Firmenchronik, aber was anderes als Schnaps gebrannt zum Behufe der Volksbeduselung und der Devisengewinnung werden sie auch kaum getan haben. Heute jedenfalls liefert St. Nicolaus so ziemlich alles, was die Voksleber zum Wachsen, Verfetten und Zirrhotisch werden braucht, Schnäpse, Obstbrände, Liköre und Bitter, dazu ist St. Nicolaus auch exklusiver Importeuer des Spanischen Sprit-Multis González Byass. Die eigenen Premium-Destillate Nicolaus Zbojnícka von Birne, Pflaume und Kirsche können sich durchaus in der internationalen Oberliga sehen lassen und sind zuweilen auch westlichen Regalen zu finden sind. Nicht in der internationalen Oberliga sehen lassen sollte sich besser der Gin aus dem Hause Sr. Nicolaus, schlicht „Klasik“ geheißen, auf Vodka-Basis, mit 40%. Der Geruch erinnert an Weizenkorn und Lösungsmittel. Der Geschmack ist absolut flach, noch nicht einmal der obligatorische Wachholder ist rauszuschmecken, geschweige denn andere Botanicals. Dieses Gin geheißene Machwerk ist schlichtweg ein Schnaps, und dazu noch nicht einmal ein sonderlich Guter. Aber eines kann man ihm dennoch zugute heißen: der Slowakische „Klasik“ ist deutlich besser (zumindest notfalls trinkbar) als sein Tschechischer Kollege „Dynybyl“.

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