Juwel mit zunehmenden Macken: Das Grand Hotel Savoia in Genua

Überraschender Weise bietet Genua nur zwei 5-Sterne-Hotels, etwas abseits der Innenstadt das noble, aber modern-sterile Meliá Genova und eben seit über 100 Jahren, 2008 komplett renoviert, das Grand Hotel Savoia, gelegen zwischen Hafen, Bahnhof und Stadtkern, die komplette Innenstadt in fußläufiger Entfernung. Trotz dieser Lage ist die Gegend alles andere als schmuddelig oder gar dubios-gefährlich (ok, die paar Nutten ein paar Querstraßen weiter sind diskret und stören nicht), sondern südländisch-urban-rustikal-lebendig, weder mondän wie Mailand, noch touristischer Overkill wie Venedig, noch industrielle Tristesse wie Turin, sondern ganz reell mitten im wahren, prallen Leben. Das Hotel bietet keine pompöse Auffahrt, man parkt meist in zweiter Reihe auf der Straße, was aber in der Regel nichts ausmacht, Page und Wagenmeister sind sofort zur Stelle, um sich des Gepäcks und des Wagens anzunehmen. Der Wagen wird übrigens für kleines Geld in einer bewachten Garage um die Ecke geparkt. Die Hotelhalle ist großes klassisches Theater mit Marmor, Messing, edlen Hölzern, alten Möbel, Blumenbouquets, uniformierten Hotelbediensteten, der ganze Fünf-Sterne-Zinnober halt; ebenso i n den Zimmern mit großen Betten mit exzellenten Matratzen und Damastbettwäsche, Marmorbad, flauschige Bademäntel und große Handtüchern, komplette Palette an Pflegeprodukten, freies W-Lan, Flachbild-TV mit zig internationalen Sendern; dazu ein formidables Spa (allerdings ohne Pool), Tagungsfascilitäten, eine sehr schicke Hotelbar und ein sehr mäßiges Restaurant im benachbarten 4-Sterne Schwester-Hotel Continental Genova. 

Der wahre Clou des Grand Hotel Savoia ist allerdings sein Dach, zumindest im Sommer. Der Raum des Dachterrassenrestaurants, in dem im Sommer das Frühstück serviert wird, ist an schmuckloser Hässlichkeit fürwahr nicht zu übertreffen. Genial hingegen ist die Dachterrasse selber, von der aus der Hafen und die Stadt zu überblicken sind, im Süden tanzen die gigantischen Kreuzfahrtschiffe beim an- und ablegen Ballett, daneben die Nordafrika-Fähren, die bis unter’s Dach vollgestopfte Rostlauben über’s Mittelmehr schippern, etwas weiter weg im Südosten direkt vor der Altstadt das Wrack der Costa Concordia, das dort in aller Öffentlichkeit abgewrackt wird, darunter das quirlige Leben der Altstadt Genuas. In einer Ecke des Dachs stehen zwei große Whirlpools mit mal chlorigem, mal brackig-stinkendem Wasser (meist aber beides zusammen), und trotzdem ist es herrlich, dort mit einem Drink im Wasser zu liegen und über die Stadt zu blicken. Ab 15:00 gibt es Barbetrieb auf der Dachterrasse (der Keeper ist keiner, daher keinesfalls Mixgetränke bestellen, nur Wein und pure Spirituosen, da kann er wenig falsch machen; und die obligatorischen kostenlosen Häppchen, die in Italien zum Aperitif gereicht werden, sind jämmerlich verglichen mit jeder Straßenkneipe), ab 18:00 Uhr wird die Karte des Restaurants Novecento (belanglos und von geringer Qualität, aber durchaus ausreichend für amerikanische Touristen als „typische italienische Küche“) dort angeboten. All diese Kritikpunkte werden jedoch wettgemacht von dem Blick, den man von dort oben genießen kann. Im Sommer wird, wie erwähnt, das Frühstück auf der Dachterrasse serviert; das Frühstück ist halbwegs ok, viel Kuchenkrams, wabbelige Brote, gekochter, roher und Geflügel-Schinken, 1 Sorte Käse, Lachs, etwas frisches Obst, ein zu Stoßzeiten hoffnungslos überforderter Eierbrater. Auf Kaffee muss man ewig warten, Tische werden nicht abgeräumt, das Personal sagt bei Wünschen des Gastes immer wieder freundlich „Si si“ und verschwindet ganz einfach. Offiziell gibt es bis 10:30 Frühstück, ab exakt 09:30 wird das Buffet nicht mehr nachgefüllt, nur noch auf ausdrücklichen und mehrfachen Wunsch gibt es nochmals etwas Butter oder Wurst; und ab 10:00 wird konsequent nichts mehr nachgefüllt, auch nicht auf Nachfrage.
So schön das Grand Hotel Savoia Genua mit seinem Prunk und seiner Dachterrasse auch sein mag, das Personal im Service ist zuweilen extrem überfordert, ignorant und zum Teil sogar frech. Hier hat sich in den letzten Jahren vieles zum Schlechten hin entwickelt. Schade eigentlich.

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