Fünf Sterne Superior gehen anders: Das Hotel im Wasserturm in Köln

Ich mochte das Hotel im Wasserturm mal. Klar ist es allein spektakulär, den ehemals größten Wasserturm Europas in ein Hotel umzuwandeln. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1990 war das Haus geradezu freakig, viel Backstein, kaum ein rechter Winkel, teils labyrinthartig, logischer Weise recht düster (ein Wasserturm hat halt in der Regel wenig Fenster, alldieweil das Wasser da rauslaufen würde, ganz einfaches Prinzip), aber teilweise tolles Lichtdesign, grandioser Blick über Köln von der Dachterrasse, fußläufig zur Kölner Altstadt gelegen, aber dennoch weit genug entfernt, um vom Touristen-Pöbel und seinen Weihestätten verschont zu bleiben, da mochte man darüber hinwegsehen, dass ausgerechnet ein Hotel im Wasserturm kein Schwimmbad, noch nicht einmal ein Mini-SPA hat, da mochte man sogar darüber hinwegsehen, dass der Schuppen von einer Ladenbauerin eingerichtet wurde (Andrée Putman, euphemistisch als Boutiquen-Einrichterin namhafter Couturiers gefeiert, noch dazu Frau und auch noch Französin). Das war einmal. Damals war das Hotel im Wasserturm Mitglied bei den Small Luxury Hotels of the World, ein illustrer Kreis, diese Mitgliedschaft wurde zwischenzeitlich still und heimlich beerdigt, statt dessen gehört er jetzt „nur noch“ zur Romantik-Hotel Vermarktungs-Gemeinschaft. Schon bei meinem letzten Besuch im Jahr 2015 war der sich einschleichende Schlendrian deutlich bemerkbar, die Klassiker halt, Haar im Bad, dreckige Seifenschale, ewiges Warten auf den Wagen, …

Dieser Schlendrian hat sich bis heute offenbar deutlich verstärkt. Zwischenzeitlich gehört das Haus Alex Birkenstock, Mit-Erbe des  Gesundheitssandalen-Imperiums, der allein in seiner AB-Beteiligungs GmbH auf Burg Ockenfels (dem heutigen Zentrum des Birkenstocks-Imperiums), die die Anteile der HOTEL IM WASSERTURM GMBH & CO. KG hält, ein freundliches Vermögen von weit über EURO 120 Millionen (Stand 2016) verwaltet. Öko-Latschen sollte man halt produzieren. Alex Birkenstock scheint ein Faible für Backsteinarchitektur zu haben, auch sein Penthouse in Manhattan, für 25.000 US$ Monatsmiete zu haben, wird von rohen Backsteinmauern dominiert. (Das gehört hier zwar nicht zur Sache, aber es lebe der Diskurs!)

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Winziges, vollgepacktes Schreibtischlein mit Billig-Kaffeemaschine

Zurück zum Hotel im Wasserturm in Köln: kein Doorman, kein Page bei der Ankunft, da heißt es, Koffer selber schleppen, recht langes Warten beim Check-In, ein Rezeptionist – Concierge gibt’s keinen – ist damit beschäftigt, einem dicken, offensichtlich begriffsstutzigen Ami Köln auf dem Stadtplan bis in’s kleinste Detail zu erklären, seine Kolleginnen lungern in den Büros hinter der Rezeption rum und sehen offensichtlich keinen Grund, nur wegen eines wartenden Gastes da raus zu kommen. Generell ist der größte Teil des Personals sehr jung, seniore Ausbilder, Anleiter, Überwacher habe ich nirgends wahrgenommen, aber immerhin sind die jungen Leute – wenn sie denn mal da sind – freundlich, höflich, bemüht und mit viel Potential nach oben. Nun gut …

Die Architektur des Hauses ist immer noch spektakulär, aber ansonsten lassen Schlendrian und Renovierungsstau am laufenden Band unübersehbar grüßen: natürlich nach wie vor typischen Schwachpunkte, Haare im fensterlosen Bad, abgestoßene Möbel, abgestoßene Wandecken, schlecht geputzte Fenster, die auf alt getrimmten Badezimmerarmaturen nicht mit Patina, sondern hoffnungslos verkalkt, ebenso der Duschkopf, aber wenigstens die Pflegeprodukte von 4711, das finde ich dann doch wieder sympathisch. Das winzige Schreibtischlein vollgestopft mit Broschüren, Werbezeugs, einer billigen Plastik-Pad-Kaffeemaschine, dazu ein kleines Tablett, auf dem angeblich alle aktuellen Informationen zum Hotel – wie z.B. die Speisekarte für den Roomservice – zu finden sein sollen, statt dessen fehlen jede Menge Einträge oder sind nicht mehr aktuell, dazu auf dem Schreibtischlein eine – EINE – freie Steckdose, Ihr Rübennasen, ich reise mit Laptop, Funke, Kamera und Vibrator, und die brauchen alle Strom! Das winzige Schreibtischlein also so vollgestopft, dass mein Laptop nur nach erheblichen Um- und Abbau-Arbeiten draufpasst, noch eine Maus daneben nutzen zu wollen, kann ich mir abschminken. Schreibtischstuhl gibt es ebenfalls keinen, stattdessen ein komisches, niedriges Zwischending zwischen Stuhl und Sessel, das nach spätestens 30 Minuten Arbeit am Schreibtischlein perfekte Rückenschmerzen garantiert. Der winzige Flachbildschirm war vielleicht vor 10 Jahren en vogue, heute wirkt er nur noch ärmlich, ein Flüchtling könnte wahrscheinlich erfolgreich wegen Unzumutbarkeit dagegen klagen, wenn man sowas in die Asylbewerberunterkunft stellen würde. Der Zimmertresor ist ebenfalls winzig, da passt kein Laptop rein, und Innen-Stecker hat er auch keinen. Die Bettwäsche fühlt sich billig und synthetisch an. Flecken im Teppichboden.  Und schließlich, auf der – mäßig gefüllten, aber immerhin im Zimmerpreis enthaltenen – – ebenfalls abgestoßenen – Minibar ein Kronenkorken, wohl von meinem Vorgänger. Wenn hier sogar Kronenkorken beim Putzen übersehen werden, braucht man sich über die Haare im Bad ja gar nicht wundern.

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Abgestoßene Wandecke … da gehört doch zumindest eine Messingschiene hin!

Dinner im Hotel-Restaurant im 11. Stock mit der herrlichen Aussicht über Köln spare ich mir diesmal; nachdem das dortige 2-Sterne-Restaurant „La Vision“ 2013 wohl wegen chronischer gähnender Leere geschlossen wurde, heißt das Etablissement jetzt „Himmel und Äd“, hat einen Michelin-Stern und Eric Werner werkelt dort seit letztem Jahr an verantwortlicher Stelle, nur den mochte ich schon nicht, als er noch mit zwei Sternen im Résidence in Essen kochte. Mir reicht ein – ordentliches – Tatar und ein wässriges Kalbsschnitzel mit klebriger Panade im fast leeren Zweit-Restaurant des Hotels im Erdgeschoss, dem unbesternten, nach eigener Positionierung regionalen, leckeren und herzlichen „d/\bliju ‚W‘“ (wer sich solche Restaurant-Namen ausdenkt, der gehört doch eigentlich gehauen, oder?). Den Absacker nehme ich in der – vollständig leeren – Hotelbar Harry’s Lounge, durchaus cosy und gemütlich, der Keeper Ehsan Kasem versteht sein Handwerk und hat einige nette Flaschen im Regal, nur das Clubsandwich als Vor-Mitternachts-Snack ist an sich nicht schlecht, aber statt mit Senfmayonnaise mit Ketchup bestrichen, und die Fritten labbrig und fettig. Das Frühstück hat’s dann auch nicht mehr rausgerissen, so 08/15-Durchschnitt, aber immerhin mit frisch zubereitetem, am Tisch serviertem, tadellosem Rührei.

Summa summarum: nach wie vor ein stylischer Bau in guter Innenstadt-Lage, aber statt in überall notwendige Schönheitsreparaturen und Erneuerungsarbeiten zu investieren, statt die unmögliche Innenausstattung von der Ladeneinrichterin Andrée Putman endlich durch gescheites Inventar zu ersetzen, statt ordentlich zu putzen und das auch nachzukontrollieren, statt genügend qualifiziertes Personal vorzuhalten wird hier ein wenig Sterne-Koch-Firlefanz und Marketing betrieben, und das Haus geht dabei vor die Hunde. Für mich nie und nimmer 5 Sterne superior mehr, vielleicht noch 4 Sterne mit abnehmender Tendenz.

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Aber noch immer tolles Ambiente und Lichtdesign

P.S.: Aber seit dem Althoff das – wunderschöne, heimelige, aber wahrlich in die Jahre gekommene – Dom-Hotel vor fünf Jahren erworben hat und mit der Renovierung nicht aus dem Knick kommt – fünf Jahre Leerstand mit Blick auf den Dom, wo gibt’s denn sowas? –, sieht es mau aus im Fünf-Sterne-Bereich in Köln. Excelsior Ernst hat sicherlich keinen Renovierungsstau, ganz im Gegenteil, aber ruft mangels Wettbewerb derzeit oft richtig happige Preise, auch außerhalb der Messezeiten, auf. Ansonsten bleiben neben dem Hotel im Wasserturm nur noch anonyme Ami-System-Schuppen übrig, Hyatt Regency, Hilton, Marriott, Dorint, allesamt austauschbare, seelenlose, nicht regional verwurzelte, anonyme Massenbeherrbergungsbetriebe, Beraterschlafstätten, gleichgeschaltete Asiaten- und Ami-Außenstützpunkte, Konferenzmaschinen, Partylocations für die phantasielosen Reichen, … you name it, und da möchte man ja auch nicht ohne Not nächtigen, dann doch lieber die 15 Kilometer in’s Schloss Bensberg fahren …

 

HOTEL IM WASSERTURM GMBH & CO. KG
Geschäftsführer: Stefan Sandweg
Kaygasse 2
D-50676 Köln
Tel: +49 (2 21) 2 00 80
Fax: +49 (2 21) 2 00 88 88
E-Mail: info@hotel-im-wasserturm.de
Online: www.hotel-im-wasserturm.de

 

Restaurant „Himmel un Äd“ nur Menues von 145 € (6 Gänge)  bis 330 € (10 Gänge)
Restaurant d/\bliju ‚W‘Hauptgerichte von 16 € (Fregola Sarda) bis 28 € (Entenbrust, Knödel), Drei-Gänge-Menue von 35 € bis 56 €

DZ Ü/F 206 € bis 424 € (pro Zimmer, pro Nacht)

Das sagen die Anderen:
Dehoga-Klassifizierung: Hotel 5 Sterne superior
Guide Michelin (Booktable) Inspektoren: Restaurant „Himmel un Äd“ 1 von 3 Sternen
Guide Michelin (Booktable) Gästebewertungen: Restaurant „Himmel un Äd“ 4 von 5 Punkten (bei 13 Bewertungen)
Gault Millau: Restaurant „Himmel un Äd“ 15 von 20 Punkten’
Gusto: Restaurant „Himmel un Äd“ 7 von 10 Pfannen (Küchenleistung);  3 von 5 Bestecken (Service, Ambiente); Restaurant „d/\bliju ‚W‘“ 0 von 10 Pfannen (Küchenleistung);  3 von 5 Bestecken (Service, Ambiente)
Schlemmer Atlas: Restaurant „Himmel un Äd“ 4 von 5 Kochlöffeln
Feinschmecker: Restaurant „Himmel un Äd“ 5 „F“ von 5 „F“
Varta: Restaurant „Himmel un Äd“ 3 von 5 Diamanten (Restaurant); Hotel 4 von 5 Diamanten’
HRS-Klassifizierung: Hotel 5 von 5 Sternen; HRS-Kundenbewertung: 8,0 von 10 (bei 85 Bewertungen
Booking.com-Klassifizierung Hotel: 5 von 5 Sternen; Booking.com-Kundenbewertung: 8,5 von 10 (bei 1.528 Bewertungen)
Holidaycheck: Hotel 5 von 6 Sternen (bei 181 Bewertungen)
Yelp: Restaurant „Himmel un Äd“ 5 von 5 Sternen (bei 1 Bewertung); Hotel 4 von 5 Sternen (bei 34 Bewertungen)
Tripadvisor: Restaurant „Himmel un Äd“ 4 von 5 Punkten (bei 53 Bewertungen); Hotel 4 von 5 Punkten (bei 295 Bewertungen)
Google: Restaurant „Himmel un Äd“ 4,1 von 5 Sternen (bei 16 Bewertungen); Hotel 4,4 von 5 Sternen (bei 278 Bewertungen)
facebook: Restaurant „Himmel un Äd“ 4,7 von 5 Punkten (bei 34 Abstimmungen); Hotel 4,5 von 5 Punkten (bei 556 Abstimmungen)

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