Essen in USA (2/19): Charlie Palmer Steak New York

Wir wohnen im Archers Hotel an der 38. Straße mitten in Manhattan, quasi vis-à-vis vom Empire State Building. Nach fast 20 Stunden Reise nur schnell eine Dusche, umziehen, einen Drink an der Bar und dann – was läge näher? – ziemlich erschöpft und hungrig in’s offensichtlich ja gut beleumundete (oder sollte man sagen „gut gebrandete“) Hotel-Restaurant namens Charlie Palmer Steakhouse geworfen. Der Charlie Palmer ist ein Ami-Starkoch und betreibt neben seinem Flagship Laden Aureole im noblen Bank of America Tower heute 16 weitere Restaurants unter seinem Namen, dazu Kochbücher, Fernsehshows, einen Weinhandel und – passend zum Weinhandel – ein eigenes Hotel in Sonoma County. Das Restaurant im Archers selber ist 08/15 belang- und weitgehend fensterlos in den Tiefen des Gebäudes untergebracht, allerdings gibt es – eine absolute Seltenheit in NYC – eine Terrasse zur 38. Straße, wo man sitzen, süffeln, speisen und dem geschäftigen Leben auf der Straße direkt zuschauen kann. Relativ kleine Speisekarte, Tatar vom Thunfisch oder vom Lachs, Wagyu Carpaccio, Cesar Salad, Austern, Salumi, Hühnchen, Entenbrust, gegrillter Fisch, zehn verschiedene Steaks für US$ 32 bis US$ 162 ohne Beilagen, das ist alles sehr übersichtlich, muss aber nicht schlecht sein. Nun gut. Die Vorspeisen-Foie Gras wäre mit US$ 21 fair bepreist, wenn sie denn gut wäre. Was kommt ist eine Scheibe teils gräulicher, gänzlich greulicher, wahrscheinlich industriell geschlachteter und gepresster Gänseleber ohne nennenswerten Eigengeschmack, ohne nennenswerte Würzung, leicht grieselig von der Konsistenz, ein dezent taubes Gefühl auf der Zunge erzeugend, dazu drei Tropfen industrieller Erdbeermarmelade, die avisierte Brioche wird durch wabblige Baguette-Scheiben ersetzt. Caros Ostküsten-Austern sind ok, sagt sie. Die Steak Frites – ein kleines, wohlfeiles (US$ 36 sind für ein New Yorker Restaurant wohlfeil!) Gericht, aber wir sind nicht wirklich hungrig – sind schlichtweg eine Katastrophe: lauwarme, zähe, irgendwann mal medium gebratene Kuhstreifen auf kalter, übelschmeckender, Béarnaise-geheißener Sauce zu teils knusprigen, durchgängig fettigen Fritten mit schwarzen Punkten, wohl verbranntes Zeugs aus der Fritteuse. Caros Versuch, auf einen Burger von der Bar-Karte auszuweichen, den „CP Burger“, „CP“ für Charlie Palmer, also ein „signature dish“, mit dry-aged beef, cheddar, red onion, brioche endet nicht ganz so schlimm: die Fritten dazu kommen bekannt vor und sind unverändert mies, das Bun ist tatsächlich Bäcker-Qualität, nur leider auf den Schnittflächen verbrannt, das Fleisch viel, nicht rosa-saftig, sondern totgebraten, der Cheddar qualitativ gut, schön zerlaufen, dazu die sautierten roten Zwiebeln sind sautiert und lila, das ist alles kein Hexenwerk, und wenn man alle Burger der Welt in zwei Klassen unterteilte, die besten 50% und die anderen 50%, so wäre dieser Burger vom Starkoch gewiss bei den Anderen. Ich gebe zu, wir haben zumindest bei den Hauptspeisen nichts von dem fancy stuff von der Karte probiert – etwa ein A5 Kobe Strip Loin von der Miyazaki Prefecture, Japan für US$ 162 die Portion (ohne Beilagen – Fritten, Cremespinat und Pilze würden zusammen mit nochmals US$ 31 auf der Rechnung aufschlagen) oder wenigstens Surf + Turf mit einem halben in Butter pochierten Hummer, einem kleinen Rinderfilet und Sauce Américaine für bescheidene US$ 58 (wieder ohne Beilagen) –, aber in solch einem Restaurant mit solch einem Besitzer würde ich auch und gerade erwarten, dass alles – vom teuersten bis zum billigsten Gericht – nicht nur perfekt, sondern außergewöhnlich ist. Nun gut, außergewöhnlich waren die Sachen, die wir aßen sicherlich: außergewöhnlich schlecht für das Geld.


CHARLIE PALMER STEAK NEW YORK
Chef/Owner Charlie Palmer, Executive Chef Andrea Soldini
c/o Archer Hotel New York
47 West 38th Street
New York NY 10018
USA
Tel.: +1 (2 12) 3 02 38 38
Online: www.charliepalmersteak.com/locations/new-york

Hauptgerichte von US$ 27 (Lachs, Gemüse, Aoli) bis US$ 162 (A5 Kobe Strip Loin ohne Beilagen); Drei-Gänge-Menue von US$ 50 bis US$ 248

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