Eating Vancouver – Tag 4: Medina / Grouse Mountain / Morrissey / Prohibition / Hawksworth / Garden Terrace

Wenn ein Café um 08:00 Uhr öffnet und um 08:20 Uhr sind alle Plätze, und davon gibt es reichlich, besetzt, wenn dann noch die protzige Hotel-Limousine von Fairmont vorfährt, der Fahrer  reißt die Türe auf und drei Gecken – offenbar Hotelgäste, die etwas anderes / besseres suchen, als das ziemlich gute Frühstück im Fairmont – aussteigen und sich brav in die Schlange der Wartenden einreihen, dann kann man ungefähr ahnen, wie angesagt dieses Café ist. Wir sind auf Anraten von Freunden trotz schweren Kopfes – Strafe muss sein – schon um kurz nach 08:00 Uhr im Medina in der Richards Street zwischen Robson und West Georgia und kriegen noch problemlos einen Tisch. Das Publikum ist zwischen 20 und 50, eher bürgerlich, aber liberal bis alternativ und alles andere als steif, so muss vor 100 Jahren die Atmosphäre in den diversen Künstler- und Politiker-Kaffeehäusern des alten Europas gewesen sein, und ich bin mir sicher, hier ist auch der eine oder andere zukünftige Revoluzzer mit Eispickel, pädophiler Erfolgs-Autor, gutmenschelnder Nobelpreisträger oder Ohr-lose Maler dabei, nur auf modern und zeitgemäßer, aber solches Publikum halt, alles andere als  dumm oder elitär oder arm, aber auch nicht nerdisch oder versnobt oder reich, gesund in-between halt. Ebenso in-between unspektakulär ist die Einrichtung, eher spartanisch, große Fensterfront, hoher Raum,lange Sitzbank, kleine Zweier- und Vierer-Tische, einfache Metallstühle, wenig Deko, alter, massiver, sehr schöner Bohlenholzboden, auffällig die hölzerne Glasvitrine – fast wie ein großer Hungerturm – mit den angeblich so guten hauseigenen Waffeln (mehr dazu s.u.), rechts eine formidable Bar-Theke, die so mancher Cocktailbar zur Ehre gereichte und hinten im Raum eine offene Küche mit lodernden Holzfeuer-Backofen für die angeblich so gute hauseigene Focaccia (mehr dazu s.u.). Hier im Medina gibt es – ausnahmsweise mal – keine pancakes oder eggs any style with bacon, hashbrowns und toast, sondern recht komplex zusammengestellte und zubereitete, nicht diskutierbare Teller und Pfannen, z.B. 2 Spiegeleier auf Schinken, 2 Bratwurst-Sorten, weißen Bohnen in Rotwein, Tomaten, dazu die hauseigene Focaccia gegrillt, das nennt sich dann Cassoulet und kostet 11,50 EURO oder zwei pochierte Eier, Fleischbällchen vom Lamm mit der typischen Marokkanischen Würzung aus Koriander, Zimt, Kreuzkümmel, Petersilie und Zitrone (also eigentlich Köfte), gegrillten Paprika, einem Brei aus schwarzen Oliven und Tomaten, dazu wieder die hauseigene Focaccia gegrillt, das nennt sich dann Les Boulettes und kostet 12 EURO. Dem Kanadischen obere Mittelklasse-Publikum schmeckt’s. Frisch zubereitet, kein Convenience-Plunder, dazu mediterrane Reminiszenzen mit Israelischem Cous Cous (ich weiß zwar nicht, was an Cous Cous Israelisch wäre, aber gut …), Marokkanischer Oliven-Tapanade (und ich dachte immer, Tapanade stammt aus Süd-Frankreich), Baba Ghanoush (ein Auberginen-Dipp), Arabischer Merguez, Hummus, so’n Zeugs halt, dazu massig frisches, gutes, gut geputztes Grünfutter auf dem Teller und frisch im offenen Holzofen gebackenes, Italienisch benamtes Brot, sowas hat Seltenheitswert in Nordamerika und macht Eindruck. Und der offensichtliche Erfolg gibt den Machern Recht. Nun ja … Wir nehmen den Saumon Fumé, zwei Scheibchen Wildlaches unter Spiegelei, Frischkäse, Avocado-Schnitze, Zwiebelmarmelade, eingelegte Paprika, Raukeberg für 10 EURO und Le Complet bestehend aus 2 Spiegeleiern, ein paar Steak-Streifen, karamellisierten Zwiebeln, Ziegenkäse, Grünzeugs  für 13,50 EURO. Zu all diesen Gerichten wird die hauseigene hoch gehypte Focaccia serviert, und – um ehrlich zu sein – ich habe schon Wellpappe gegessen, die knuspriger und wohlschmeckender war. Der Wildlachs belanglos, hart an der Grenze des Schlecht-Schmeckens, die Avocado hervorragend, der Rauke-Berg gut geputztes (aber wahrscheinlich industriell oder von illegalen Hispanos vorgeputzt und so angeliefert), nicht angemachtes Grünzeugs, vielleicht fühlt man sich aus gesundheitlichen Gründen gut, wenn man das runtergewürgt hat, Geschmacksfreuden kommen da keine auf. Beim Le Complet sind die Steakstreifen aus dem Schulterscherzel totgebraten, trotzdem kalt und zäh, der Ziegenkäse fehlt, statt dessen übel schmeckende Auberginen-Paste, immerhin ein wenig Vinaigrette über dem Haufen Grünzeugs. Dann probieren wir noch diese ebenfalls gehypten Waffeln aus, wieder mal die angeblich besten Vancouvers. Die Dinger sind klein, kalt, altbacken, weder knusprig noch fluffig, eher zäh, Vanillin-schwanger, dazu gibt es zur Auswahl ein halbes Dutzend Toppings, Schoko- und Frucht-Saucen, alles extrem süß und belanglos, nur das gesalzene Karamell ist interessant. Ach ja, der Kaffee höllisch heiß und der frisch gepresste O-Saft unglaublich schlecht. Summa summarum ist das Konzept des Medina sehr interessant und erfolgreich, and nothing’s more successfull than success. Wild gemischte und gefälschte Reminiszenzen an die Mediterranée, ein lodernder Ofen, offene Küche, unkonventionelle, aber vorgegebene, sättigende Teller- oder Pfannen-Gerichte mit viel Grünzeugs, einfach von Hilfskräften reproduzierbare, wenige Standardprodukte, auto-gehypte Waffeln, mittleres Preissegment … das scheint richtig gut zu funktionieren, vielleicht sollte man das Konzept in Europa kopieren. Nur essen möchte ich dort bitte nicht mehr, das sollen getrost die Leute aus den alten Kolonien machen.

Nach dem Frühstück bummeln wir wieder zum Hafen, setzen von der Waterfront Station mit dem Sea Bus – einer wohlfeilen öffentlichen Fähre im 15-Minuten-Takt – nach Lonsdale Quay Station in North Vancouver über – schon wieder Vancouver vom Wasser aus: hübsch und beeindruckend –, von dort nehmen wir den wohlfeilen Bus 236 und fahren in einer halben Stunde zur Talstation von Grouse Mountain. Dort ist dann Schluss mit wohlfeil  bei 40 EURO für eine Liftkarte, und dazu noch eine halbe Stunde Schlange stehen am Ticket-Schalter, nochmals eine halbe Stunde vor der Seilbahn, später eine viertel Stunde vor dem Sessellift. Für knapp die Hälfte mehr kann man auch fast lane buchen und sich überall legal vordrängeln. Im Touristen-Pulk dicht ge- und bedrängt bringen uns zuerst Seilbahn und dann Sessellift auf den 1.200 Meter hohen Mount Grouse. Neben einer wirklich ziemlich spektakulären Aussicht auf die Stadt und Region Vancouver bis Vancouver Island und zwei Grizzlies in einem kleinen Gehege gibt es hier jede Menge Verlustigungen, kostenfrei und vor allem kostenpflichtig, Greifvogel- und Holzhacker-Vorführungen, Paragliding, Hochseilgarten, E-Mountain-Biking, Heli-Rundflüge, Kinder-Camps und natürlich Abzock-Geschäfte und -Gastronomie und im Winter jede Menge Schnee-Aktivitäten, das alles mit phänomenaler Aussicht. Na gut, eine Stunde Anreise zur Talstation, über eine Stunde Schlange stehen, auf den Berg rauffahren, zehn Minuten ergriffen runtergeschaut, zwei tiefenentspannte leibhaftige Grizzlies gesehen und wieder runtergefahren. Immerhin entdecken wir auf dem Großparkplatz Shuttlebuse der Berg-Betreiber (ja, dieser Berg wird betrieben wie ein Jahrmarkt oder ein Vergnügungspark, komplett und erfolgreich kommerzialisiert, die Zugspitze ist ein Dreck dagegen), die kostenlos zwischen Innenstadt und Talstation pendeln, um das Zahlvolk ranzukarren.

Wir fahren kostenlos zurück in die Innenstadt, die Lions Gate Bridge ist zwar nicht Golden Gate, aber auch ganz schön beeindruckend. Lustlos bummeln wir durch den Financial District und Down Town, shoppen ein wenig, kaufen die unverzichtbaren Mitbringsel, nehmen im halbwegs legendären Morrissey einen Drink, die Speisekarte ist zwar grausam, aber dann und wann gibt’s hier Live-Musik, die Einrichtung ist tatsächlich irgendwas zwischen kitschig-überbordend und gemütlich, und wir erwischen sogar die Happy Hour.

Danach machen wir uns im Hotel kurz frisch und gehen die zehn Minuten in’s altehrwürdige Rosewood Hotel Georgia, Howe Ecke West Georgia Street zum Dinner mit Bekannten. Chef David Hawksworth soll hier seit 2011 eines der besten und höchst dekorierten Restaurants ganz Kanadas betreiben, Diners Club zählt es zu den 50 besten Restaurants der Welt, seit 2015 gibt er seinen Namen auch für die Signature Dishes in der Business Class der Air Canada her. Der gebürtige Kanadier erlernte das Kochhandwerk ausgerechnet in London, ausgerechnet in französischen Spitzenrestaurants, bei Nick Lander in dem für seine Schnecken berühmten Sterne-Restaurant L’Escargot in Soho (man erinnert sich an das berühmte Bild von Georges Gaudin, der eine Schnecke reitet, darunter das Motto des Hauses „Slow but sure“ – und das lange vor slow food), im für 17 Jahre durchgängig mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten The Square bei dem als sehr scharfen Hund verschrienen Philip Howard (Howard war lange Zeit von der Bildfläche verschwunden, bis er 2016 das Elystan Street in Chelsea Greener öffnete und sofort einen Stern erkochte) und bei Raymond Blanc im seit 1985 durchgängig mit zwei Michelin Sternen ausgezeichneten Belmond Le Manoir aux Quat’Saisons in Great Milton in Oxfordshire (Belmond, das ist dieser Luxus-Travel-Konzern, der den Royal Scotsman oder das Cipriani Hotel in Venedig betreibt und seit letztem Jahr zum Pariser Luxuskonzern LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) gehört). Also nochmals: ein Mann aus den alten Kolonien, der das französische Kochhandwerk im Herzen des Empires erlernt. Kann das was werden? Klare Antwort: nein. Auch wenn das die Mitesser in den alten Kolonien vor Ort anders sehen; und Caro ebenfalls.

Die Aperitifs in der Hotelbar mit dem sinnigen Namen Prohibition, eine ganz klassische, konservative Hotelbar zwischen Lobby und Hauptrestaurant, sind gut, richtig gut. Als ich mein übliches Martini-Bestell-Sprüchlein aufsage hört mir Robyn Gray, der Chef Bartender aufmerksam zu und antwortet nur „OK, simply a classic dry Martini.“ „Simply“, er sagt „simply“ und nichts von „ungewöhnlich“, „machen wir hier so nicht“, „kenne ich nicht“, spricht’s und macht mir einen perfekten trockenen Martini Cocktail, da beißt die Maus keinen Faden ab. Als mich mein sturzbetrunkener Barnachbar – ein Manager aus Toronto, wie ich erfahre, obwohl es mich nicht interessiert – anlallt, ich sei doch wohl ein Inder aus Neu Delhi, das sehe er an meinem Barte, blickt Gray sichtlich unglücklich, der Bursche ist wohl ein wichtiger / gut zahlender Kunde, den er nicht einfach wegen ungebührlichen Verhaltens rauswerfen kann. Nein, antworte ich, das sei ein typischer Russischer Bart, das trage man derzeit so in Moskau, und ich sei hier wegen der Anbahnung von Waffengeschäften mit Kanada, um die Abhängigkeit von der USA zu verringern. Der Trunkene blickt mich reichlich verwirrt an, kann das Alles gerade nicht wirklich einordnen, ich schlürfe an meinem Martini, grinse in mich hinein, Gray blickt skeptisch.

Nach den Aperitifs gehen wir nach hinten in’s Hawksworth Restaurant. Es hat diese neutrale, gesichtslose, nobel-geldige 08/15-Atmosphäre, wahrscheinlich von einem teuren Innenarchitekten designt und noch nicht einmal wohlfeil eingerichtet, und doch sooo austauschbar, das Restaurant könnte in jedem beliebigen Fünf-Sterne-Hotel in jeder beliebigen Stadt jeder beliebigen Welt stehen, daran ist nichts falsch, aber auch nichts richtig. Statt Tischdecken gibt’s nur Platzdeckchen auf den Marmortischplatten, ordentliches Besteck, ordentliches Glas, aber anstelle von ordentlichem Porzellan macht man auch hier diesen modernistischen – und wahrscheinlich wohlfeilen – Keramik-Unfug mit, mir jedenfalls gefällt’s nicht, ich will von Porzellan essen, zumindest in dieser Preisklasse. Dad Publikum ist durchweg – wie passend – ebenfalls geldig, ich sehe keine Genießer, keine Enthusiasten, keine kulinarischen Epikureer, keine Neugierigen food hunter, ich sehe wohlhabende und reiche Menschen bei der gepflegten Essens-Notdurft, man ist hier, weil irgendwas muss man ja essen, und das kann man dann auch gleich mit einem Geschäftsgespräch, einem Hochzeitstag, einem Aufriss einer neuen Geliebten – you name it – verbinden, oder man ist hier, weil man auf Reisen ist und das Hotel nicht verlassen will. Am Nachbartisch Teile einer asiatischen Großfamilie, drei junge Frauen, zwei junge Männer, drei extremst gelangweilte Teenager, ein quirliges kleines Kind, etwas abseits am Kopfende ein fast schon würdiger alter Mann, müde, ich glaube traurig, kaum beachtet von den anderen, ich nehme an, dass er es ist, der diesen ganzen Zauber bezahlt.  Alle im Service tragen am Revers ähnlich den Portiers-Schlüsseln ein kleines Metall-H, geformt aus parallel liegende Gabel und Messer, darüber ein Löffel mittig im rechten Winkel, das allgegenwärtige Logo des Hawksworth, der Service selber ist zuvorkommend, höflich und halbwegs flott, das klappt alles ganz ordentlich, aber wenn man mich jetzt fragte, wem ich zur Mitte dieses Abends über 100 Kanadische Dollar Trinkgeld gegeben haben werde, ich wüsste es nicht mehr; an den Barkeeper erinnere ich mich gut, auch an Bryant Mao, den ziemlich charismatischen und geschäftstüchtigen Sommelier, aber nicht an den Rest des Servicepersonals.

Aber zum Essen und Trinken: Außerhalb der Karte gibt es Kaviar, Zuchtkaviar vom Stör aus British Columbia, mit den „klassischen Beilagen“, wie der Kellner sagt, keine 8 EURO das Gramm, das ist für ein Restaurant unschlagbar preiswert, aber ich hätte aus purer Neugier auch bei einem höheren Preis zugeschlagen, Zuchtkaviar aus den alten Kolonien, mal schauen, ob sie das besser hinbekommen als ihre Weine. Bekommen sie nicht. Die Kügelchen sein klein, ebenmäßig, unzerdetscht, tiefschwarz, leicht knackig im Biss, … und weitestgehend geschmacklos, außer ein wenig Fisch- und Trangeschmack. Die totale Enttäuschung. Das Toastbrot dazu, das ist halbwegs ok, Industrieware zwar, aber sorgfältig entrindet und halbwegs gleichmäßig braun, Bravo dafür an die Küche. Pochiertes Eigelb als „klassische Beilage“ zum Kaviar lasse ich mir ja noch eingehen, aber was die Prise Paprikapulver darauf soll – außer dem farblichen Gelb-Rot-Kontrast –, erschließt sich mir nicht, eben so wenig, was ein Berg eingelegter, monströs großer (alles andere als Nonpareilles), gehackter Kapern, etwa die vierfache Menge des Kaviars, hier als „klassische Beilage“ zu suchen hätte. Vollends schräg wird es schließlich bei einem Silbernäpfchen getrockneter schwarzer Algen, bestreut mit ein wenig Sesam und einem weiteren Silbernäpfchen mit etwas Weißem darinnen, nicht etwa Schmand, wie es sich gehörte, sondern eher eine Art dünnflüssiger, streng  schmeckender Tsatsiki mit Knoblauch, Zwiebel und reichlich Olivenöl. Dererlei sollte man nicht „à la manière classique“ nennen dürfen, maximal „à la vibrion“. Sowas von ärgerlich aber auch, und das gleich eingangs. Der Barbecue Oktopus Arm ist – wie so oft – hart und rauchig, die blanchierten weißen Kohlrabispäne zu dem rot-schwarzen Tentakel sind dann auch mehr optischer als geschmacklicher Kontrapunkt. Und der Eigelb-große Klecks roter Mole (oder ist hier doch nicht die rötliche mexikanische Sauce gemeint, sondern vielmehr pürierter Maulwurf?), die Eigelb-große weiße Molekular-Küchen-Sphäre aus Mezcal und schließlich das Eigelb-große rabenschwarze, verkohlte Stück Avocado, alles auf Spuren eines giftgrünen, nicht identifizierbaren Saftes – ich tippe auf Salat – ist schlichtweg hübsch anzuschauen, aber ansonsten sein Geld überhaupt nicht wert. Bei mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier jemand nicht „malen nach Zahlen“, sondern „kochen nach Farben“ betreibt. Machen wir’s also schnell: Gänseleber-Parfait cremig bis breiig, viel zu viel Sahne, viel zu wenig Gänseleber, zu zaghaft gewürzt, das Ananas-Chutney dazu ok. Das Stücklein glasierter Lengdorsch durch den asiatisch inspirierten Lack eigentlich recht schmackhaft, aber furztrocken totgebraten, nichts von glasig, eher von faserig, der Reis darunter schwarz wie die Nacht, optisch ein Hingucker, gustatorisch eher ein Wegschmecker, das Orangen-Lassi  geschmacklich durchaus interessant, aber zu dünnflüssig und zu ölig, und woraus diese schwarzen Kreise um das Orangen-Lassi herum waren, das fragen wir uns bis heute. Das abgehangene Sirloin Steak gutes Fleisch, gut gereift, gut gebraten, da beißt die Maus keinen Faden ab, die verbrannte halbe Zwiebel mit zäh-trockenen, kalten Zwiebelringen obendrauf überflüssig wie ein Kropf, das dünne Mark-Sößchen mit zwölf (ich habe nachgezählt) grünen Pfefferkörnern einfach nur armselig, Maggi-Tüten-Sauce wäre besser gewesen, und was die weiße Sättigungsbeilage sein sollte, keine Ahnung, nicht sehr gut schmeckend jedenfalls. Die Kalbslende schließlich medium-welldone, lauwarm bis kalt, die Madairasauce dünn, lauwarm bis kalt, dazu der halbe gegrillte Pilz, das Pilzpulver, der offene Pilz-Raviolo und das Pilzpüree konzeptionell eine gute Idee, aber nicht in der Lage, diesen Teller rauszureißen, und außerdem lauwarm bis kalt. Dazu probieren wir fast ein Dutzend offener Weine aus British Columbia durch. Im Gedächtnis geblieben wäre mir keiner. Punktum. Auf den Nachtisch verzichten wir. Aus gegebenem Anlass. Missvergnügt macht mich dann nicht die opulente Rechnung, missvergnügt bin ich schon davor. Hier wird wahrlich kein value for the money geboten, sondern vor allem Show, Teller-Show für ein kulinarisch nicht wirklich anspruchsvolles Show-Publikum.

In besagter Stimmung begeben wir uns nach oben auf die Garden Terrace, kein Dachgarten, sondern ein hoch gelegener Innenhof, aber noch immer vom Haus umgeben, begrünt, leger, windgeschützt, etwas eng bis bedrückend, für Nicht-Hotelgäste kaum erreichbar, und hat unser Kellner im Hawksworth ein Tisch besorgt, die Atmosphäre ist locker, die Menschen entspannt, bis auf den großkotzingen jungen Araber mit zwei tätowierten Damen offensichtlich geringeren Standes und gerade bei den Vorbereitungen für den Broterwerb, ansonsten herrscht ein heiterer Sommer-Plauderton, die Bedienungen sind flugs und freundlich, wir ordern Hauscocktails, ein leichter Sahne-Cocktail mit deutlicher Macis-Note, nicht zu süß, dazu wird – sehr erfreulich nach dem ausgefallenen Dessert – eine leichte Schoko Crème Chantilly mit frischen Früchten kostenlos gereicht, ein netter Zug. Die Garden Terrace ist geneigt, einen Teil des vorherigen kulinarischen Ärgers wett zu machen. Dann ab in’s Bett, am nächsten Tag geht’s mit dem AMTRAK über die imperiale Grenzlinie nach Seattle.



Medina
780 Richards Street
Vancouver, BC V6B 3A4
Canada
Tel.: +1 (6 04) 8 79 31 14
E-Mail: info@medinacafe.com
Online: www.medinacafe.com
Frühstück C$ 11,75 bis C$ 22,75

The Morrissey
1227 Granville Street
Vancouver, BC V6Z 1M5
Canada
Tel. +1 (6 04) 6 82 09 09
E-Mail: contact@themorrisseypub.ca
Online: www.themorrisseypub.ca
Hauptgerichte von C$ 13,00 (Vegetarischer Wrap) bis C$ 17,00 (Fisch And Chips), Drei-Gänge-Menue C$ 25,00 bis C$ 34,00, Cocktails C$ 8,04 bis C$ 10,65 (keine Ahnung, wie diesen schrägen Preise zustande gekommen sind)

Prohibition (im Rosewood Hotel Georgia)
Head Bartender Ronin Gray
801 W Georgia Street
Vancouver, BC V6C 1P7
Canada
Tel.: +1 (6 04) 6 73 70 89
E-Mail: georgia.prohibition@rosewoodhotels.com
Online: www.rosewoodhotels.com/en/hotel-georgia-vancouver/dining/prohibition
Cocktails von ca. C$ 18 bis CS 38

Hawksworth Restaurant (im Rosewood Hotel Georgia)
Chef David Hawksworth
801 West Georgia Street
Vancouver, BC  V6C 1P7
Canada
Tel.: +1 (6 04) 6 73 70 00
E-Mail: info@hawksworthrestaurant.com
Online: www.hawksworthrestaurant.com/menus/
Hauptgerichte C$ 29 (Nudeln mit Pilzen) bis C$ 75 (ganzer Lammrücken mit Beilagen für zwei zu C$ 150), Drei-Gänge-Menue C$ 51 bis C$ 121

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