Summa summarum: Von der Papierform her ein uriger fränkischer Brauereigasthof, in der Realität ein architektonisch wild zusammengewürfeltes Gebäudeensemble, eingezwängt zwischen Hauptverkehrsstraße und Bahnlinie, mit altfränkischer, uriger Wirtsstube, trostloser Außengastronomie, ordentlichen Zimmern, fast durchweg enttäuschender Küche und Personal mit viel Potential noch oben.
Ansprechende Hotels sind in Coburg ebenso rar gesät wie rustikale Landgasthöfe, und die Wenigen, die wir finden konnten, waren ausgebucht. So begab es sich, dass wir im Grosch – genau genommen im Der Grosch – vor den Toren Coburgs in Rödental gelegen landeten. Rödental wäre nichts Besonderes, wäre hier nicht auf Schloss Rosenau Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der spätere Gemahl der britischen Königin Victoria geboren. Heute blicken Brauerei, Gasthof und Hotel (nur die ursprüngliche hauseigene Metzgerei wurde leider ausgegliedert) auf 500 Jahre Braurecht zurück und sind nun in der siebten Generation in Familienbesitz. So viel Tradition verpflichtet und weckt zugleich Erwartungen.




Architektonisch ist der Grosch gewiss kein Juwel, ein am Ortsrand gelegenes, baulich recht wild zusammengewürfeltes Ensemble, eingezwängt zwischen Hauptverkehrsstraße und Bahnlinie, Parkplätze auf der anderen Seite dieser Straße, ein altes Haupthaus, dazu die Brauerei und zahlreiche gesichtslose Anbauten neueren Datums, dachsbauartig ineinander verschachtelt, rustikale, durchaus gemütliche, altfränkische Gaststuben, gesichtslose Gesellschafts- und Tagungsräume, ein wirklich nicht hübscher Gastgarten im Innenhof der Gebäude, vor dem Hoteleingang eine Ansammlung von Biertischen unter Sonnenschirmen, hier „Biergarten“ genannt. 500 Jahre Braurecht hin, 500 Jahre Braurecht her: authentische fränkische Gemütlichkeit geht anders. Die Gästezimmer sind ordentlich, etwas größer als oft üblich, wir hatten ein Tageslichtbad und Ausblick auf ein großes Flachdach aus Teerpappe und besagte Hauptverkehrsstraße, ordentliche Bettwäsche, Kissen, Handtücher, Sanitäreinrichtungen, alles sauber, Einrichtung von der Stange, eine verschämte Designerlampe, nichts zu loben, nichts zu tadeln, nicht weniger, aber auch nicht mehr, bei 140 EURO pro Nacht für ein Doppelzimmer mit Frühstück auf dem Lande würde ich mir mehr erwarten.


Die Speisekarte klingt auf den ersten Blick halbwegs fränkisch-bierig-authentisch: Leberknödelsuppe, Salate, Obatzda, Schweinerückensteak, Matjes, Wurstsalat, Tatar, Fränkischer Sauerbraten, Schnitzel, Roulade, dazu selbstverständlich Coburger Klöße (hier Rutscher genannt), eine kleine saisonale Karte, derzeit natürlich mit Spargel, dann einiges veganes Zeugs und Kniefälle vor dem Zeitgeist mit Burger, Curry, Spareribs oder Pulled Beef, schließlich die üblichen Nachtische, die man so schon auf tausend Speisekarten der Republik gesehen hat. Zugegeben, das frische Tatar mit gepickelten Zwiebeln und Landbrot war gut, da beißt die Maus keinen Faden ab. Was sonst noch kam, war nicht der Rede wert. Verkochter Spargel mit einer Hollandaise aus der Tüte, der Sauerbraten mit ordentlichem Fleisch, aber einer stark convenience-verdächtigen Sauce, ebenso die gebackenen Klöße in einer Pilz-Sahne-Sauce, der Salat ein Haufen schlecht geputzte Blattsalate mit ein paar Möhren und Bohnen (ich vermute, aus dem Eimer) mit dubiosem Dressing, die Apfelkücherl in schlechtem Fett ausgebacken, innen noch eiskalt bis gefroren, dazu industrielles Vanilleeis. Das Essen im Grosch hat keinen Spaß gemacht. Passend dazu war das Frühstück, das am Wochenende sowieso nur von 08:00 bis 10:00 serviert wird. Am Vorabend muss man seine exakte gewünschte Frühstückszeit angeben, am Morgen muss man sich bei der Rezeption melden und wird zu seinem Platz im Frühstücksraum geführt, wo einen eine Plastikkanne mit Kaffee erwartet. Ich habe selten ein so trauriges Frühstücksbuffet gesehen, um 09:00 gab es weder Vollkornbrötchen noch Vollkornbrot, nur Backlinge und Graubrot, nachgelegt wurden die Platten auch nicht mehr.




Ein Wort vielleicht noch zum Personal: grüßen, selbst zurück-grüßen scheint weitgehend unbekannt zu sein, auch kein Lächeln oder ein freundliches Wort, dazu lange Wartezeiten und unabgeräumte Tische bei einem zahlenmäßig gewiss nicht überforderten Service.
DZ (Ü/F) 140 EURO (pro Zimmer); Hauptgerichte von 14 EURO (Gebackene Klöße mit Pilzsauce) bis 29,80 EURO (Steak mit Beilagen); Drei-Gänge-Menue von 25 bis 54,30 EURO
Braugasthof Grosch GmbH & Co. KG
Geschäftsführer: Kerstin Pilarzyk
Oeslauerstraße 115
D – 96472 Rödental
Tel. +49 (95 63) 75 00
Fax: +49 (95 63) 75 01 47
Mail: info@der-grosch.de
Online: https://der-grosch.de

