Ayinger Bräustüberl: Schöne Location, süffiges Bier, schlechtes Essen

Summa summarum: Ein echte bayrische Dorf- und Wirtshaus-Idylle, wie sie schöner und typischer kaum sein könnte, von daher ein Ort zum Wohlfühlen, gute heimische Biere, ebenfalls authentische bayrische Speisekarte ohne Zugeständnisse an den kulinarischen Mainstream, nur leider mit mäßiger bis grottiger Küchenqualität, die maximal zum Touri-Abzocken am Platzl taugen mag.

Es ist schon beeindruckend, was die Familie Inselkammer da ausgehend vom Ayinger Dorfplatz an wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet, neben Brauerei, Brauereigasthof, Bräustüberl und Platzl Hotel gegenüber vom Hofbräuhaus finden sich Dutzende weitere Einträge zu den verzweigten wirtschaftlichen Aktivitäten im Handelsregister. Diversifikation tut not, gerade in diesen für Gastronomen so unsicheren und schwierigen Zeiten.  Voralpenland, unverbauter Dorfkern, gewundene, schmale Dorfstraße, alte Bauernhäuser, noch mit Landwirtschaft, nicht zu Wohnlofts für Stadtfräcke ausgebaut, der Bräu, dazu vornehmes altes Herrenhaus mit Gaststätte, vor zehn Jahren zum Hotel samt Küche mit Ambitionen zu Höherem umgebaut, seit sechs Jahren ist auch das lange verpachtete rustikale Bräustüberl mit Biergarten mit Kinderspielecke unter alten Bäumen vis-à-vis wieder in Eigenregie der Inselkammers … so geht bayrische Dorfidylle. Am Wochenende dominieren Ausflügler das Bräustüberl, unter der Woche sind die Einheimischen hier mehr unter sich. Tonnengewölbe, Dielenfußboden, Sprossenfenster, dreiviertel hoch holzgetäfelte Wände, schwere blanke Holztische, schwere Gasthausstühle mit Griff in der Lehne in typischer Herzerl-Form, großer Schanktresen, Bedienungen in landestypischer Tracht, zuweilen auch die Gäste, viele Stammtische, Bauernburschen, Ökonomen, Bäuerinnen, Handwerker, während die Honoratioren drüben im Restaurant speisen, hier kennen Gäste und Bedienungen sich, man grüßt sich, oft stellt ein Kellner automatisch, ohne vorher zu fragen, einen großen Humpen Bieres vor einen Neuankömmling auf den Tisch, hier tobt das pralle, unverfälschte Dorfleben. Die Speisekarte dazu gibt sich ebenfalls bayrisch-rustikal-bodenständig: Wurstsalat, Sülze, Presssack, Obatzda, Würstel als Brotzeiten, ein paar Suppen und Salate, dann Riesenschnitzel, Böfflamott, Saures Lüngerl, Tellerfleisch, natürlich Schweinsbraten und Schweinshaxe, als Nachtisch schließlich Apfelkücherl, Bieramisu (haha) und Dampfnudeln, bajuwarischer kann eine Speisekarte kaum sein, Pommes und Ziegenkäse mit Honig sind die größten Zugeständnisse an den kulinarischen Mainstream, keine Steaks, kein Flammenkuchen, kein Schafskäse, keine Pizza, keine Burger, kein dry aged, kein bio, kein zero kilometer, noch nicht einmal ein separater Menüpunkt für Vegetarier, Veganer und ähnliche Sektierer auf der Karte, dafür aber Bayrisch Kraut, Schinkennudeln, Speckplatte und Griebenschmalz. Und das alles noch ziemlich preiswert, gerade mal drei Gerichte auf der ganzen Karte teurer als 10 EURO (nämlich je 10,90 EURO für Tatar, Tellerfleisch und Böfflamott). Dazu frische Biere vom Fass vom eigenen Bräu, ab 17:30 täglich auch ein Lager Hell aus dem Holzfass. So geht echte bayrische Gastronomie … möchte man sagen … bis man hier tatsächlich gegessen hat.

So gut das Alles nämlich klingt, so durchwachsen kommt es dann tatsächlich auf dem Teller daher. Gleich eingangs die „Frisch gebackene, resche Brezn“ für 1,20 EURO ist schlichtweg labberig, frisch gebacken war das mal vor geschmeckten Ewigkeiten. Die paar Radeln fette Regensburger mit Ringen von schlecht geschälten roten Zwiebeln in öliger Tunke unter vielen, großen, schlecht geputzten Salatblättern nennt man hier Wurstsalat, die dünne, leicht säuerliche, ansonsten weitgehend geschmackfreie Brühe mit einem schweren grau-braunen Kloß darinnen heißt man Leberknödelsuppe. Die gleiche Brühe muss für den Pichelsteiner Eintopf hergehalten haben, der ansonsten durch verkochtes Gemüse und Kohlgeruch hervorsticht; das Beste daran ist, dass die von Fett und Sehnen durchzogenen Fleischbrocken sich auf vier Stück beschränken und nicht noch mehr sind. Das Ayinger Riesenschnitzel ist tatsächlich riesig, fast zwei Männerhände groß, resch in gutem Fett ausgebacken, leider Sehen und Fettrand im Fleisch unter der Panade, der Kartoffelsalat dazu eiskalt, matschig und wieder sauer. Der gemischte Salat dazu – für 6,80 EURO extra zu bestellen – sind wieder ein paar Blätter unzerteilter, schlecht geputzter, aber volumenreicher, daher nach viel aussehender Lollo Roso und Lollo Bionda, darunter ungeschälte Gurkenscheiben, Dosenmais, geraspelte geschmacklose Möhren, alles mit einem wieder mal sauren Dressing. Dazu passen die Schupfnudeln aus dem Convenience-Packerl kurz angewärmt mit Sauerkraut und mit einem fetten Klecks Sauerrahm und vertrockneter Petersilie garniert. Schweinshaxe, so sollte man meinen, muss bei dem Speisendurchsatz und zumal in einer Brauereigaststätte auf dem Lande gut sein, statt dessen kommt ein Drumm Fleisch daher, außen die Kruste ledern, nicht resch, innen das Fleisch nicht saftig, sondern faserig-vertrocknet, und man mag mich Hieronymus heißen, wenn das sämige, tiefbraune, geschmacklich aber dünne Sößchen und der Kloß dazu nicht beide ebenfalls aus den Convenience-Höllen der Lebensmittel-Multis stammten. Der Teller der Schweinshaxe übrigens am Rande voller Fingerabdrücke und Fett-Schlieren: Mahlzeit. Ein wahrlich würdiger Abschluss zu solch einem Essen der Grießschmarrn, eine Mikrowellen-heiße Schnitte festen Grießbreis in einer unerträglich süßen, Vanillin-schwangeren Sauce. Wenigsten die Biere sind frisch, süffig, gut eingeschenkt und die Bedienungen sind flott und kommen mit einer ganz eigentümlichen Masche aus bärbeißig und anbiedernd daher: „Was mögstan ears dringa?“

Ayinger Bräustüberl
Brauereigasthof Aying
Franz Inselkammer KG
Geschäftsführer: Angela Inselkammer
Zornedinger Straße 2
85653 Aying
Deutschland
Tel.: +49 (80 95) 13 45
Fax: +49 (80 95) 90 65-66
Email: braeustueberl@ayinger.de
Online: www.ayinger-braeustueberl.de

 

Hauptgerichte von 7,80 € (Saures Kalbslüngerl, Semmelknödel) bis 10,90 € (Böfflamott mit Bayrisch Kraut und Breznknödel oder Tellerfleisch mit Wurzelgemüse und Kartoffeln), Drei-Gänge-Menue von 15,10 € bis 30,70 €

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