„Paris – Tokio“ von Christian Bau: Die Vermessung einer kulinarischen Weltklasse-DNA

Es gibt Kochbücher, die man liest, um am Wochenende ein neues Rezept auszuprobieren. Und es gibt Kochbücher, die Denkmäler sind. In die zweite Kategorie gehört zweifellos „Paris – Tokio“ von Koch-Legende Christian Bau. Es erscheint pünktlich zum Jubiläum von 20 Jahren ununterbrochenen Drei-Sternen für sein Restaurant „Victor’s Fine Dining“ an der Mosel. Dieses über 350 Seiten dicke Werk ist weit mehr als eine Rezeptsammlung – es ist das kulinarische Vermächtnis eines der prägendsten Köche Europas.

Der Titel des Buches ist gleichzeitig das Lebensmotto und die kulinarische Philosophie von Christian Bau. Wer seine Entwicklung verfolgt hat, weiß: Bau schöpfte seine Grundlagen aus der harten Schule der klassischen französischen Haute Cuisine (geprägt unter anderem in der legendären Schwarzwaldstube bei Harald Wohlfahrt). Doch erst sein Kennenlernen und seine Symbiose mit der japanischen Produktphilosophie, machte ihn zu dem Avantgardisten, der er heute ist. Und das Buch dokumentiert diese Symbiose in Perfektion. Aufgeteilt von Apéro bis Dessert, wird dem Leser die radikale Reduktion, die kompromisslose Produktqualität und die mathematische Präzision Baus vor Augen geführt.

Im Zentrum des Buches stehen über 60 hochkomplexe Gerichte, darunter 12 legendäre Signature Dishes, die Genussgeschichte geschrieben haben. Besonders beeindruckend ist die Aufarbeitung der absoluten Bau-Klassiker:

  • Die Croustade vom Rindertatar mit ihrer feinen Räucheraalcreme und der salzig-eleganten Kaviar-Krone.
  • Das weltberühmte Gericht „Japanisches Meer“, das wie kein zweites die Brücke zwischen europäischem Handwerk und asiatischer Aromen-Klarheit schlägt.
  • Der visionäre „Bau. Stein“, bei dem optische Täuschung und geschmackliche Perfektion verschmelzen.

Begleitet werden die Rezepte von einem ausführlichen, tiefgründigen, sehr persönlichen Interview von Bau durch den renommierten Food-Journalisten Dr. Christoph Wirtz, der es schafft, den Menschen hinter dem Herd greifbar zu machen – seine Obsession für Qualität, seine kompromisslose Arbeitsweise und seine Lebensphilosophie („Do things with passion or not at all“).

Mit einem Preis von 90,00 € ist „Paris – Tokio“ ein High-End-Investment, doch die Ausstattung rechtfertigt jeden Cent. Das Großformat (ca. 25 x 34 cm) und das immense Gewicht von über zwei Kilo machen das Blättern zu einem optischen wie haptischen Erlebnis. Die Food-Fotografie von Pieter d’Hoop setzt Baus Kreationen fast schon sakral in Szene. Jedes Blatt, jeder Tupfen Sauce, jede Faser des Fisches ist so scharf und lebendig abgelichtet, dass man die Texturen auf der Zunge zu spüren glaubt. Das reduzierte, edle Layout fängt den japanischen Minimalismus visuell perfekt ein.

Aber man muss ehrlich sein: Dies ist kein Buch für die schnelle Feierabendküche (dafür haben Sarah und Christian Bau Ende 2025 das wunderbare Einsteigerwerk „Einfach Bau“ herausgebracht). „Paris – Tokio“ richtet sich an vielmehr an Profiköche und ambitionierte Hobby-Gourmets: Die Rezepte bestehen aus hunderten von Einzelrezepturen und verlangen nach High-End-Küchenequipment, fortgeschrittenen Techniken und dem Zugang zu absoluten Luxus-Zutaten. Aber auch Kulinarische Ästheten und Sammler, die Kochbücher als Kunstwerke verstehen, kommen an dieser Werkschau nicht vorbei.


Christian Bau (Autor), Pieter D’Hoop (Fotograf): Paris – Tokio: Weitergabe einer kulinarischen DNA. Gebundene Ausgabe, 351 Seiten, Verlag:  Matthaes / Dorling Kindersley Verlag München, 30. April 2026, 90 EURO, ISBN-10:‎ 3985410771, ISBN-13:‎ 978-3985410774

© Food-Bilder: Pieter D’Hoop, Portrait Christian Bau: Jennifer Weyland

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