Zeri’s Restaurant in St. Julian’s, Malta

Summa summarum: mediterranes Lokal mit vielen medialen Vorschusslorbeeren, beliebiger, funktionaler Allerweltseinrichtung ohne jeden Wohlfühlfaktor, großem Tam-Tam und persönliche Begrüßung durch den Patron, der sich dabei gekonnt als Gastgeber in Szene zu setzen versteht, danach ordentliche, aber belanglos-durchschnittliche Küchenleistung mit ein paar Lichtblicken und schlichtweg schlampigem Service. Das bekommt man in manchem Restaurant auf dem Lande besser und authentischer, und da ist die Freundlichkeit der Leute auch noch echt; der Patron des Zeri‘s, Mark Zerafa, sollte mehr in seiner Küche kochen und weniger um seine Gäste herumschwänzeln.

 

Wollte man boshaft-zynisch sein, so könnte man eingangs anführen, dass der Patron des Restaurants Zeri‘s, Mark Zerafa, seine Wanderjahre vor allem in Holländischen und Britischen Hotels verbrachte, in denen man nun sicherlich kaum gute Küche erlernen könne, aber das wäre eben boshaft-zynisch und würde die Küchen gleich zweier Nationen, für die noch niemals ein eigener Guide Michelin herausgegeben wurde, unverhältnismäßig diskreditieren. Also verkneife ich mir diese Boshaftigkeit und widme mich sine ira et studio ganz der heutigen kulinarischen Leistung des Herren Zerefa (alias Zeri), der eines der angesagtesten und ausgebuchtesten Restaurants Maltas betreibt, was jedoch auch eine Folge der Tatsache sein mag, dass das Zeri’s auf den Rändern der Stadtpläne, die kostenlos an Touristen ausgegeben werden, kräftig bezahlte Werbung macht, aber sei’s drum.

Das Restaurant liegt in der noblen Marina von Portomaso, nicht direkt am Wasser, sondern auf halber Höhe einer schweißtreibenden Freitreppe, die sich über sechs Stockwerke des am Hang liegenden modernen Gebäudekomplexes zieht; Besucher von den Booten in der Marina schwitzen also vor dem Essen beim Hochstapfen zum Lokal, Besucher aus der Stadt nach dem Essen beim Zurück-Hochstapfen in die Stadt, es soll allerdings auch einen bequemen Zugang von der Tiefgarage geben. Einrichtung und Aussicht des Lokals sind gänzlich unspektakulär, Steinfußboden, Blick in die Marina, zeitlose Holztische und –stühle, keine Tischwäsche, sondern nur Platzdeckchen, ein paar Weinflaschen in einem Holzregal an der Wand, einfache Theke, große Durchreiche in die Küche, vor dem Restaurant vier Tische im Freien, winzige, aber saubere WCs, … Das kann alles sein, Kantine für leitende Angestellte in einer Konzernzentrale, Bistro im Drei-Sterne-Hotel oder Feinschmecker-Tempel, der sich ganz und gar auf’s Essen und nicht auf Äußerlichkeiten konzentriert. Diese Beliebigkeit, diese unkommunikative Haltung des Interieurs verunsichert erst einmal, es gibt keine fertige Schublade, in die man das Etablissement auf Basis von Erfahrungswerten für’s erste reinstecken könnte.

Dafür wird man vom Patron persönlich begrüßt, freundlich, offen, als wäre man ein alter, guter Freund des Hauses und zum reservierten Tisch geleitet, eine weibliche Servicekraft reicht ruck-zuck die Speisekarten und nimmt die Bestellung für die Aperitifs auf, Zeri zählt noch rasch die Tageskarte und die Empfehlungen des Hauses auf, dann kommt schon der Sommelier bzw. der mit dem Wein betraute männliche Mitarbeiter und empfiehlt zwei, drei Weine (noch bevor man das Essen bestellt hat, auch seltsam), kaum ist dieser wieder weg stellt eine weitere Mitarbeiterin frisches, knuspriges Brot und Streichfett auf den Tisch, derweil präsentiert wieder ein anderer Mitarbeiter auf einer großen Metallplatte, die den gesamten Abend offen, ungekühlt und unabgedeckt auf dem Tresen steht, allerlei angeblich frisch gefangenes Meeresgetier, welches man sich zubereiten lassen kann (ich hoffe nur, dieses ungekühlte, vertrocknete Zeugs auf der Platte liegt dort nur exemplarisch und wird nicht mehr verkocht, sondern höchstens noch den Katzen vorgesetzt) … dann endlich kommt der verstörte bis gestresste Gast dazu, durchzuatmen und einen Blick in die Speisekarte zu werfen. Solch ein sicherlich fünf-minütiges ununterbrochenes Service-Stakkato habe ich – bei Gottfried – noch niemals in einem Restaurant erlebt. Lange habe ich sinniert, ob das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen sein mag. Natürlich könnte man sagen, dies sei Service in höchst möglicher Intensität oder so, aber ich habe eine ganz andere Wahrnehmung davon. Vielleicht waren ja McKinsey & Co. in dem Lokal zugange und haben die Abläufe optimiert. Denn nach diesem Service-Stakkato verebbte die Service-Intensität zusehends, Wein musste man sich selber nachschenken, für die Nachbestellung von Wasser oder so musste man lange und bittend nach einer Servicekraft winken, von selber kam niemand, leergegessene Teller blieben bis zum Auftragen des nächsten Gangs einfach stehen … Statt einen konstanten, reibungslosen, angenehmen Serviceablauf über den ganzen Abend sicherzustellen, wird hier das meiste in erschlagende fünf erste Minuten gepackt, und dann ist für den Rest des Abends Ebbe. Da bekanntlich der erste Eindruck der stärkste und bleibenste ist, könnte diese massive Ressourcenallokation am Beginn des Essens marketingtechnisch durchaus Sinn machen. Aber das sind Spekulationen, Fakt bleibt, der Service hat an zwei Abenden stark, viel zu stark begonnen und dann signifikant nachgelassen.

Die Speisekarte ist rasch erzählt, neun Vorspeisen mit allerlei Meeresfrüchten, Rinder- und Lachs -Carpaccio, Fischsuppe, ein einziger Salat und wieder der famose Ġbejna Käse aus Gozo; fünf Pasta- und Risotto-Angebote, fünf Fleischgerichte, davon dreimal Steak, einmal Lamm und einmal Kalb, fünf Fischgerichte mit Riesengarnelen, Catch oft he Day, verschiedene gegrillte Fische, schließlich ein paar Beilagen und Desserts. Auch das ist wieder alles absolut nichtssagend, oder – um es mit den Eagles auszurücken – „This could be heaven / This could be hell.“

Also, zum Essen selber, vor allem daran bestimmt sich die Qualität des Hauses. Die Wildschweinravioli al dente gekochte Nudeltaschen mit einer grob faschierten, würzigen, geschmackvollen Wildschweinfleisch-Füllung; die Jus angeblich mit Thymian, Knoblauch und Tomate dazu erstens kalt und zweitens nur nach Wildschwein schmeckend, nix von Thymian und Knofl (das ist schon eine beachtliche Leistung, diese beiden starken Geschmäcker untergehen zu lassen), das Erbspüree schließlich geschmacklich nicht überzeugend und wieder kalt, ein überflüssiger grüner Streifen als optischer Effekt auf dem Teller. Die Fleischstreifen des Teriyaki-Rind als Vorspeise sind wirklich gut und lecker mit Sojasauce, Mirin und Honig (oder einer fertigen Teriyaki-Sauce) mariniert, das Gemüse darunter knackig und von schöner Farbe, aber das Fleisch ist alles andere als zart und die ganze Komposition viel, viel zu fett. Zu fett ist auch das Carpaccio vom Lachs, das Zitronen-Dill-Dressing macht das Ganze dann auch noch sauer. Ich habe den Patron gefragt, ob ich Nudeln mit frischem Hummer als Vorspeise haben könne, stolz präsentiert mir Zeri zwei tatsächlich frisch mit einem Nagel getötete Hummer, ich wählte einen aus, dann kommen verkochte, breiige Linguine mit reichlich Stücken von frischem, leckerem, zartem Hummer, dazu ein paar halbierte Kirschtomaten, das alles in einem wässrig-geschmacklosen Sößchen; eine Krustentier-Velouté oder von mir aus auch eine kleine, frische Tomatensauce hätten hier viel retten können. Auf der Fischplatte mit dem Fang des Tages für zwei Personen finden sich drei Sorten gegrillten heimischen Fischfilets – Brasse, Makrele, Seeteufel – und vier Kaisergranat, dazu gebackene, ungeschälte Kartoffelspalten und gedünstete Zucchini, sonst keine Sauce, kein Nichts: der Fisch nicht glasig, sondern fast schon knusprig-durch, dennoch ein untadeliges, kulinarisch aber absolut belangloses Gericht – bis auf die Tatsache, dass die Essteller dazu vor dem Aufdecken mit einem Pinselstich grünlichem Olivenöls, einem erbsengroßer Tupfer einer rötlichen Masse und einer Zitronenspalte verziert wurden. Dass ich 50 Meter vom Meer entfernt einen frischen, ordentlich gegrillten Fisch erwarten kann, ist wohl eine Selbstverständlichkeit, aber diesen Fisch hätte jeder Fischer im Hafen auch noch im Schnapsdusel hinbekommen, und wahrscheinlich wäre er dort nochmals frischer und das Ganze wesentlich authentischer gewesen als hier im Zeri’s. Keinerlei gekonnte Zubereitungstechnik, keine kulinarische Verfeinerung, keine Raffinesse, nichts Besonderes, halbwegs ordentlich gegrillte Fischfilets halt, sonst nichts. Das Filetsteak hingegen kann sich wirklich sehen lassen: tadelloses Fleisch bester Qualität, perfekt abgehangen, sensationeller Fleisch-Eigengeschmack, innen wie gewünscht rosa-blutig, außen trotzdem mit knuspriger Kruste, das nenne ich mal eine gekonnte Zubereitungsart, ein Stück tote Kuh so zu grillen, das muss man erst einmal können. Das Fleisch ist so perfekt, dass selbst das dazu gereichte Pfeffersößchen eigentlich überflüssig ist.

Wirklich auffallend im Zeri’s ist die Tatsache, dass kaum ein Teller ohne Kriegsbemalung daher kommt: ein streifen verschmiertes braunes Zeugs, ein paar Strichlein aufgestrichenes rotes Zeugs dort, ein paar grüne Tüpfelchen sonst wo, darauf ein Zweiglein Brunnenkresse; meist ist es Industrie-Balsamico-Creme oder Olivenöl, zuweilen wenigstens ein Gemüse- oder Fruchtcoulis, zu wenig, als dass es geschmacklich etwas bewirken könnte, sondern nur reine farbliche Augenwischerei, und solche Spielereien machen mich immer ärgerlich, alldieweil völlig überflüssig. Statt dessen sollte sich die Brigade besser auf’s Kochen konzentrieren statt auf’s Teller beschmieren.

Zur Weinkarte vermag ich nichts zu sagen, nach dem Service-Schock zu Beginn des Abends hatte ich auf deren Studium verzichtet (und stattdessen versucht, mich erst einmal wieder zu sammeln) und war der Weinempfehlung des Hauses gefolgt, ein 2013er Sizilianischer Soave, belanglos, aber mit 21 € wohlfeil, danach retteten wir uns mit viel Wasser und einzelner Gläser offener heimischer – ebenfalls belangloser – Weine über den Abend.

 

 

Zeri’s Restaurant
Mark Zerafa
Triq Il-Knisja, Portomaso,
St Julian’s PTM01
Malta
Tel.: + (356) 21 359 559
Internet: www.zerisrestaurant.com
Email: zeris@maltanet.net

 

Hauptgerichte von 22,50 € (gegrilltes Seebrassen-Filet) bis 27,50 € (Ribeysteak)

 

Und das sagen die Anderen:

  • Tripadvisor: 4,5 von 5 Punkten
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