Wilma Wunder Köln: Herz- und belanglose Systemgastronomie mit unglaublich viel schwülstigem Geschwafel

Summa summarum: beliebig reproduzierbare Retorten-System-Gastronomie mit viel Gutmenschen-Bullshit-Bingo-Gelaber, austauschbarer Einrichtung, bemühtem, aber sehr schlechtem Service und belanglosem bis schlechtem Essen in bester Innenstadt-Lauflage.

Enchilada Franchise GmbH, Lochhamer Schlag 21, 82166 Gräfelfing: „Mit fast 120 Millionen Euro Jahresumsatz (2018), über 100 Betrieben und rund 1.500 Mitarbeitern gehört die Enchilada Gruppe … zu den Top 30 der größten Gastronomie-Unternehmen Deutschlands. Als einziger Systemgastronomie-Anbieter bietet die Enchilada Gruppe gleich zehn gastronomische Konzepte an: Von mediterranen Spezialitäten, über die moderne, urbane Küche bis hin zu hochwertigen Burger-Restaurants.“ Ein Teil – oder sollte man besser schreiben: eine Ausgeburt – dieses Gastro-Imperiums ist das Konzept Wilma Wunder mit Klonen in sieben Deutschen Großstädten, wo „Wilma Dich in ihrem Zuhause willkommen (heißt)“, so steht es groß auf der Webpage. Dann folgt ein unerträglicher Sermon an Öko- und Lifestyle-Buzzwords: „wohlfühlt wie bei guten Freunden“, „Produkte … nach Möglichkeit von regionalen Händlern“, „Küchentradition – gepaart mit einer Prise Kreativität“, „Patenschaft für ein Bienenvolk übernommen und verwendet regionalen Honig“, „bestimmte Werte zu leben und zu transportieren“, „Gemeinsamkeit, Genuss und Achtsamkeit gegenüber unserer Umwelt und unseren Mitmenschen“, „Nachhaltigkeit (bei) Beschaffung, Umwelt, Gesellschaft“, „ein Ort, an dem man zusammen mit seinen Liebsten eine entspannte Zeit verbringen und den Alltag hinter sich lassen kann“, „Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl der Kollegen im Mittelpunkt … auch unseren Mitarbeitern einen Ort zum Wohlfühlen zu geben“, „individuelleren Vorlieben oder Ernährungsweisen wie vegetarisch oder vegan“ … Wenn es ein Bullshit-Bingo der Gutmenschen-Sprach-Phrasen gibt, so belegt dieses geballte Gesülze gewiss einen der allerersten Plätze. Nicht, dass ich etwas gegen regionale Händler, Achtsamkeit, Umwelt, Gemeinschaft, … hätte, alles gute und wichtige Dinge, nur müssen die von Herzen kommen und gelebt werden, und nicht aus der Feder profitoptimierender gastronomischer Konzeptionisten. Der kaufkräftige Jungbürger von Absurdistan (Absurdistan: ein kleines, zurückgebliebenes Land an Rande der Geschichte mit verblödeten Bewohnern) soll zu Wilma Wunder gehen, um sich gegen Bezahlung als guter Mensch fühlen zu können, denn ein wenig ist er dadurch ja auch Pate eines Bienenvolks … Ich jedenfalls will in kein beliebig reproduzierbares, künstliches Konzept gehen („skalierend“ nennt man das im Wirtschafts-Deutsch), sondern zu einem Wirt aus Fleisch und Blut, mit Stärken, Schwächen, Macken, positiven wie negativen, der sein Ding macht in seinem Lokal, individuell, unverkennbar, seins, mit Herzblut, Grips, Kreativität, Können und Schweiß. Und die Bezeichnung der Körperöffnung, in die man sich Gastrokonzepte schieben möge, bleibt hier besser ungeschrieben.

Zum Glück merkt man von diesem ganzen Kuschel-Öko-Wir-retten-jetzt-die-Welt-und-sind-gute-Menschen-Sermon im Wilma Wunder in Köln … nichts, absolut nichts. Das ist zuerst einmal in sehr guter Innenstadt-Lauflage eine Retorten-Kneipe auf zwei Ebenen mit einfachen Gastro-System-Möbeln, zu Nicht-Corona-Zeiten mit sehr enger Bestuhlung, ein paar alten Kupfertiegeln an der Decke, einem mächtigen Tresen mit irre vielen, effektvollen roten Schnapsflaschen, guter Beleuchtung, großem Außenbereich, ein wenig „avantgardistischer“ Deko an der Wand, … das könnte alles sein, ein Kaffee für alte Leutchen, ein Gastro-Bereich in einem Theater-Foyer, ein Fast-Food-Restaurant in einem Flughafen, da kenne ich Starbucks-Filialen, die sind heimeliger. Das Publikum ist jung, meist unter 30,  urban, multi-kulturell, kaufkräftig. Auch das Servicepersonal ist jung, sehr jung und bemüht, sehr bemüht, oft, sehr oft vergeblich. Auf Getränke warten wir eine gefühlte Ewigkeit (obwohl das Lokal nicht proppe-voll ist), auf die zweite Runde Bier (in diesen Kölner Urin-Gläschen ist ja kaum was drin) warten wir noch länger, dann eine vergessene Bestellung, falsche Bestellung, Nudelsoße beim Einsetzen des Tellers (natürlich von links, obwohl rechts durchaus Platz gewesen wäre, hätte sich die Dame einmal um meinen Stuhl bewegt, was aber wohl zu viel verlangt gewesen wäre) fast über meine Hose gekippt, Tisch danach nur oberflächlich abgewischt, … die Servicekräfte sprinten von einem Fettnapf zum nächsten, ich tippe auf unausgebildete Hilfskräfte, Studenten und Schüler, aber keinesfalls geschultes Gaststättenpersonal.

Die Speisekarte dazu ist beliebig. Die Frühstückauswahl ist groß, klingt gut, habe ich mangels Frühe aber nicht probiert. Ansonsten ein Einerlei aus Suppen, Salaten, Flammenkuchen, Hauptgerichten von Low Carb Zucchini-Nudeln und Brotknödeln bis zu Himmel und Erde (für die Nicht-Rheinländer: Blutwurst, Kartoffelpüree und Apfelbrei) und Kalbsschnitzel, zum Abschluss Pfannkuchen oder Obst. Die Hühnerbrühe – wie originell: im Weckgläschen auf Packpapier serviert – fettig, geschmacksarm, recht viele Fleischfetzen am Boden, lauwarm. Der kleine Salat – wie originell: im Weckgläschen auf Packpapier serviert – ordentlich, gut geputzt, mundegerecht zerzupft, das Grün der Frühlingszwiebeln hoffnungslos vertrocknet, ein wenig Dressing wär vielleicht auch hilfreich gewesen, das Brot dazu – ich tippe auf ein dünnes Fladenbrot oder ein Chapati – labbrig, ähnlich wie Pappe. Die Low Carb Zucchininudeln in einer Currysauce, getoppt von aufgeweichten Gemüsechips und ein paar Bröcklein Ziegenkäse besteht hauptsächlich aus viel zu lange gekochtem Zucchini- und Möhrenbrei in einer höchst kurios schmeckenden Tunke. Das Schnitzel (ich hatte mich für die Variante vom Schwein entschieden) klein (zum Glück), das Fleisch wässrig-zäh, die Panade entsprechend durchgeweicht und alles andere als knusprig, die Kartoffelstäbchen dazu garantiert nicht von Wilma selber geschnitzt, außen ledern, innen breiig, fast kalt. Insgesamt ist mir nichts im Gedächtnis geblieben, was einen zweiten Besuch in diesem Etablissement anriete.


Wilma Wunder Köln GmbH
Vertretungsberechtigt: Marc Schinköth
Friesenstraße 82
D – 50670 Köln
Email: koeln@wilma-wunder.de
Online: https://koeln.wilma-wunder.de/

Hauptgerichte von 8,90 € (Brotknödel Auf Champignonrahm) bis 17,90 € (Kalbsschnitzel mit Kartoffelsalat), Drei-Gänge-Menue von 17,90 € bis 35,30 €

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Kommentar

  1. sehr ungemütlich. Und ein halbe scheibe brot, wahnsinn 😉 Bei dem salat bekomm ich einen würgereiz und das schnitzel ist ja super angerichtet – irgendwie drauf geworfen. Wilmas Wunder – ein Wunder, dass sie existieren können in bester Innenstadt lage.

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