Weinhaus Henninger Kallstadt: Wirtschaftsbetrieb in historischer Verkleidung

Summa summarum: Nicht überall, wo Historisch draufsteht, ist auch Historisch drinnen. Früher einmal, da waren die Familie Henninger und ihr Weinhaus eine Institution in der Pfalz. Heute sind die Henningers tot, das Anwesen verkauft, die Weinberge verpachtet, der Weinbau eingestellt. Stattdessen gehört das Weinhaus Henninger jetzt einer sehr wohlhabenden Ludwigshafener Unternehmerfamilie, und die haben renoviert, angebaut, modernisiert, dazugekauft, alles sehr löblich und gut gemeint, nur was dabei herausgekommen ist, ist ein Gaststätten- und Beherbergungsbetrieb, sauber, funktional, quadratisch, praktisch, gut, doch ohne Herz, Flair, Terroir, prägenden Gastgeber, Patron oder Koch, das ist ein gut geölter Wirtschaftsbetrieb mit bemühtem, bei weitem nicht perfektem, anscheinend schlecht angeleitetem , aber meist nettem  Personal, einer völlig überbewerteten Küche am unteren Pfälzer Mittelmaß, einer sehr, sehr schöne regionale Weinkarte und ordentlichen Gästezimmern.

Kallstadt, unheilschwangeres Dörfchen in der Pfalz in der Nähe von Bad Dürkheim, nicht nur, dass Millionen und Abermillionen Liter mäßiger Pfälzer Weißweine in den dortigen Kellern lauern, aus Kallstatt stammt auch eine gewisse Familie Trump, die 1869  einen Sohn namens Friedrich in die Welt setzte, der 1885 in die USA auswanderte, sich dort stolz seiner Deutschen Herkunft Frederick nannte, um sodann zuerst als Friseur, während des Klondike-Goldrausches als Puffbetreiber und schließlich als Immobilienbetrüger und –spekulant sein Glück zu machen, der 1889 die Deutsche Staatsbürgerschaft gegen seinen Willen aberkannt bekam und zur Strafe den Vater von Donald Trump in die Welt setzte, und den Salat haben wir jetzt alle. Kein Wunder, dass niemand in Kallstadt gerne über diesen wahrhaft großen, wahnsinnig großen, um nicht zu sagen größenwahnsinnigen Enkel des Ortes redet, ein Denkmal oder Museum haben die Trumps allhier auch nicht – im Gegensatz etwa zum dem Schneiderlein Levi-Strauss, das ein paar Jahre zuvor aus dem Fränkischen Buttenheim in die Staaten ausgewandert war – gebaut bekommen, und bei der Inspektion seiner besetzten Gebiete würdigt Donald Kallstadt bisher keines Besuches, vielleicht ganz gut für beide Seiten. Hier quälen sich vor allem an Wochenenden Blechkolonnen mit Horden von fress-, sauf-, seltener auch wanderlustigen Ludwigshafern, Frankfurtern, Karlsruhern, dazu Busse voller Rentner, Holländer und Pauschaltouristen, schließlich auch noch laut knatternde, stinkende, sich notorisch vordrängelnde Motorrad-Lümmel auf den engen Durchgangsstraßen der kleinen, alten, weniger von Weinbergen als meist von industriell leicht zu bearbeitenden Weinfeldern umgebenen Pfälzer Weindörfer, in denen die Straßen so eng sind, dass zuweilen noch nicht einmal Platz für Bürgersteige bleibt und auch noch die Fußgänger – oft massiv angeschickert – unkoordiniert auf die Fahrbahn drängen, und wenn in einem Dorf ein Wagen links abbiegen will, so führt dass hinter ihm unweigerlich zu einem mit lautem, aber hilflosem Gehupe orchestrierten Rückstau bis in’s nächste Dorf, alldieweil keiner in der entgegenkommenden Blechkolonne dem Linksabweichler eine Lücke zum Abbiegen lässt, aber es ist ja allgemein bekannt, dass niemand wirklich Linksabweichler mag.

Inmitten dieses Tableaus liegt das Weinhaus Henninger in besagtem, kleinem, angesichts dieses massiven, gewollten Touristen-Terrorismus längst nicht mehr malerischen Dörfchens Kallstadt, aber selbst ohne Touristen währe Kallstadt nicht wirklich malerisch. Auch das Weinhaus hat eine lange, mal helle, mal düstere Geschichte, seit dem 15. Jahrhundert siedelten die Henningers nachweislich in der Pfalz, 1615 wurde mit dem Bau eines Weinguts begonnen, zur Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse betrieben die Henningers zusätzlich zum Weinbau seit 1855 eine Gastwirtschaft, die unter der Wirtin Luise Henninger legendär wurde, die als begnadete Köchin den – bis dahin als Arme-Leute-Essen verpönten – Pfälzer Saumagen und andere regionale Gerichte auch bei den mehr und mehr anreisenden Stadtfräcken populär und salonfähig machte. Nach ihrem Tode führte ihr Enkel Walter Henniger – ebenfalls ein Pfälzer Original, kein begnadeter Koch, aber früh schon qualitätsbewusster, kreativer Winzer und wohl begnadeter Gastgeber / Entertainer – seit 1957 die Geschicke der Weinhaus Henninger GmbH. 1993 verpachtet Walter Henninger den Weinanbau an seinen Nachbarn, das Weingut Koehler-Ruprecht, die Gaststätte verpachtet er 2003 an den jungen Gastronomen Franz Weber, 2010 wird alles an den Ludwigshafener Technik-Großhändler-Sohn Joachim („genannt Jochen“ steht in allen Handelsregistereinträgen, und davon gibt es reichlich) Lampert und seinen Kumpel Frank Nickel verkauft, 2012 firmiert die Weinhaus Henninger GmbH um in die WH Kallstadter Wein Selektion GmbH mit 0,5 Millionen EURO negativem Eigenkapital (für Laien vielleicht eine Lappalie, aber so kam das alleinige Namensrecht an Henninger auch noch zu den neuen Eigentümern), 2015 stirbt Walter Henninger, 2018 wird die WH Kallstadter Wein Selektion GmbH wegen Vermögenslosigkeit aus dem Handelsregister gelöscht. Damit ist auch das letzte Quäntchen Henninger im „Weinhaus Henninger“ ausgemerzt, es steht zwar noch Henninger drauf, es ist aber schon lange kein Henninger mehr drinnen. Stattdessen renovieren die neuen Eigentümer das Haus grundlegend und bauen großzügig um und an zum Vier-Sterne-Hotel, vor allem eine „Penthouseetage mit drei Suiten mit privater Dachterrasse und Panoramablick über die Pfalz“ (für wen wohl?), dazu entstehen Tagungs- und Veranstaltungsräume, ein ebenfalls für Veranstaltungen geeigneter Show-Weinkeller, das pleite gegangene Gasthaus Weißes Ross direkt vis-à-vis der Straße wird auch noch gleich als Drei-Sterne Dependance dazugekauft, 2013, nach erfolgreichem Umbau schassen die neuen Eigentümer Franz Weber nach 10 Jahren wegen Erfolglosigkeit, für 2 ½ Jahre wird Christian Jegensdorf als Geschäftsführer angeheuert und bald wieder verabschiedet, 2014 wird die ganze Chose in die WHH Hotel- und Gaststättengesellschaft mbH eingebracht, die zu 24% Joachim („genannt Jochen“ steht in allen Handelsregistereinträgen, und davon gibt es reichlich) Lampert gehört und zu 76% einer Silke Lampert, 2016 weist die Bilanz der WHH Hotel- und Gaststättengesellschaft mbH ein negatives Eigenkapital von 0,418 Millionen EURO aus (und das ohne die Immobilien selber, die sind wohl irgendwo in den zahlreichen Immobilienverwaltungsgesellschaften der Lamperts verschwunden), seit 2017 übernimmt Joachim („genannt Jochen“ steht in allen Handelsregistereinträgen, und davon gibt es reichlich) Lampert die Geschäftsführung persönlich, zusammen mit der erfahrenen Hotelfachfrau Rita Sauer. Das alles klingt nach einem Provinz-Wirtschafts-Krimi (oder Posse) mittlerer Güte,  einerlei. Aber wenn aber nun zum Beispiel der Staatsrundfunk SWR zum Weinhaus Henninger titelt „Pfälzer Gasthaus mit Tradition“, oder die Betreiber des Etablissements auf ihre Homepage schreiben „Wer im Weinhaus Henninger einkehrt, erfährt eine schöne Geschichte. Sie ist fast 400 Jahre alt und erzählt von der Winzerfamilie Henninger, die seit Generationen den Begriff Gastlichkeit mit Leben füllt.“ so ist das schlichtweg falsch, im Weinhaus Henninger ist schon seit Jahren kein Quäntchen Henninger und kein Quäntchen Tradition mehr drinnen: alles neu macht der Mai oder so ähnlich.

Und das spürt man im Weinhaus Henninger heute alle Nase lang. Schwierig genug, seinen Wagen vor dem Einchecken am Rande der unmittelbar verbeiflutenden Blechlawine zu parken, es gibt weder Bürgersteige noch Parkbuchten, erst später wird man erfahren, dass es hinter dem Haus, versteckt zwischen Querstraßen, einen komfortablen Gästeparkplatz gibt … der an schönen Wochenenden aber auch übervoll ist, so dass die Leute bis in die Weinfelder hinein parken. Gleich beim Betreten des Innenhofes habe ich das Gefühl, dass „irgendwas nicht stimmt“, ein gewisses Störgefühl quasi, aber ich empfinde nichts von dem, was ich aufgrund der Infos auf der Webpage erwartet habe. Es ist geschäftig, aufgeräumt, sauber, funktional, gut renoviert, alte und neue Bausubstanz gekonnt verbunden, zweckmäßig … und kühl, kühl nicht wegen des Wetters, das ist heiß, und die aufgeheizten Backsteinmauern bollern zusätzlich, sondern kühl wegen der Atmosphäre. Eine winzige Dreckstöle auf dem Schoß eines Gold-Rolex-tragenden 60-Jährigen kläfft mich im Vorbeigehen an, seine massiv aufgebrezelte und –spritzte, dennoch bereits deutlich welkende Begleiterin blickt mich böse an, als hätte ich dem Mistviech was getan, erzieh‘ dein Getier gefälligst gescheit, oder – noch besser – schaff dir richtige Hunde an, und nicht so ein verzogenes Nervenbündel. Auch wenn Henningers Weinhaus nichts für das Publikum und dessen Viecher kann, ist das schon mal symptomatisch. Hier verkehren – das zeigen auch die Autos auf dem Hotelparkplatz, fast ausnahmslos dicke Kisten, kaum Kleinwagen – geldige ältere Herrschaften, vielfach / vorwiegend von der Sorte die meinen, Geld könne gute Manieren und Stil ersetzen. Junge Leute sind Mangelware, erschöpfte Wanderer beim kühlen Trunke mache ich in drei Tagen ebenso wenig aus wie Skat spielende Eingeborene, verzückte Gourmets, önologische Pfadfinder oder den Mann von der Straße. Hier ist man unter sich, und kann seinen Stil und sein Benehmen pflegen und ausleben.

Weinhaus Henninger Kallstadt Pfalz

Das Einchecken ist schnell, freundlich, professionell, problemlos, da beißt die Maus keinen Faden ab, ich habe eine Zimmer in besagter Drei-Sterne Dependance vis-à-vis der Straße genommen, noch nicht einmal wegen der paar EURO, die die Zimmer dort weniger kosten, aber die modernen Vier-Sterne Zimmer sehen zumindest auf der Webpage deutlich steriler und ungemütlicher aus. Nach schweißtreibendem – aber letztendlich erfolgreichem – Parken des Wagens und schweißtreibendem – aber letztlich erfolgreichem – Überqueren der Straße präsentiert sich die Dependance im ehemaligen Weißen Ross … spooky. Ein eigentlich schönes, altes, aber gänzlich leeres, historisches Gasthaus, die Gasträume hinter alten Glasmosaikscheiben verschlossen und verwaist, aber noch erkennbar, ebenso wie Küche, Empfang, Toiletten, kein Mensch, kein Ton im Haus, ein steinernes, gefliestes Treppenhaus mit schmiedeeisernen Geländern vielleicht aus den 60er Jahren, kein Lift, ein Zimmer – im schweißtreibenden dritten Stock – mit Blick auf Städtchen und Weinberge nach hinten raus (zum Glück!) – „Für mich das schönste Zimmer“ sagte die Direktrice beim Einchecken freundlich-anpreisend –, sehr funktional bis karg eingerichtet, Bett, Tisch, Schrank, Stuhl, zwei kleine Flaschen Mineralwasser vom Haus, ein knallroter, heimischer, süßer Apfel auf dem Nachtisch – schöner als jedes Gummibären-Beutelchen auf dem Kopfkissen – dazu ein sauberes, aber gewöhnungsbedürftiges 70er Jahre Bad, mit den ocker-braunen, Cent-großen runden Fliesen leicht psychedelic, Austin Powers würde sich hier sicherlich wohlfühlen und sogleich die Penispumpe auspacken. Als chronischer Nörgler muss ich sagen: für 3 Sterne und das Geld ist das Zimmer durchaus OK und nicht tadelnswert.

Weinhaus Henninger Kallstadt Pfalz

Zurück zum Aperitif am Haupthaus hat man zur schönen Jahreszeit die Wahl zwischen dem Innenhof und einer Terrasse hinter dem Gebäudekomplex Richtung Parkplatz / Weinfelder. Ich setzte mich in den sich langsam von Sonntagnachmittags-Gästen leerenden Innenhof, von 14:00 bis 18:00 Uhr gibt es immer noch eine recht ordentlich klingende Vesperkarte, die noch vereinzelt Zuspruch findet. Die Weinkarte ist ausgesprochen löblich, Weine ausschließlich von heimischen Qualitätsweingütern entlang der Weinstraße von Bockenheim bis Wissembourg, dazu eine kleine Weinkunde mit Vorstellung von Trauben, Böden, Klassifizierungen und Weingütern, das ist ein schöner Einstieg in die Pfälzer Weinkultur, verbunden mit reichlich offenen Tropfen und insgesamt moderaten Preisen. Auch wenn der Henninger längst selber keinen Wein mehr macht, macht diese Karte Spaß. Punktum. Ich ordere einen älteren heimischen Riesling Spätlese trocken. Eiskübel, Weißweinglas, Wasserglas, alles ganz manierlich, doch dann versucht die Servicekraft, die Flasche aufzudrehen. Erst nach einigen ergebnislosen Drehversuchen wird ihr gewahr, dass sie keinen Schraubverschluss, sondern eine Kapsel auf dem Flaschenhals vor sich hat. Also frumselt sie die Kapsel irgendwie – und keinesfalls professionell – ab, zückt den Kniekorkenzieher, dreht ihn behände in den Korken und kommt alsbald … überhaupt nicht mehr weiter, rutscht ab, zieht und zerrt, nichts passiert. Sie geht mit der Flasche samt steckendem Korkenzieher zu einer Kollegin, die kommt sofort überhaupt nicht weiter, rutscht ab, zieht und zerrt, nichts passiert. Schließlich rufen die beiden einen – sorry, das ist jetzt kein sexistisches Klischee, sondern einfach erlebte Wirklichkeit – männlichen Kollegen herbei, der kann mit einem Kniekorkenzieher umgehen und öffnet die Flasche mit einem Griff. Servicekräfte in einem Weinhaus, die nicht mit einem Kniekorkenzieher umgehen können, das lässt tief blicken.

Weinhaus Henninger Kallstadt Pfalz Grumbeernsupp

Später das Restaurant ist über mehrere ältere Stuben verteilt, Holzdielenfußboden, offenes altes Fachwerk, Sprossenfenster, blanke Wirtshaustische, aber eingedeckt mit Stoffservietten, hier ist es nicht so sachlich-kühl wie im Anbau, fast herrscht hier noch so etwas wie gemütliche, ungezwungene Atmosphäre. Die Speisekarte ist vielfältig, umfangreich, aber noch nicht Convenience-mäßig. Es gibt Pfälzer Spezialitäten vom Lauwarmen Blutwurstkuchen, Grumbeersupp`  (d.i. Kartoffelsuppe) und Salat vom Schwartenmagen bis Pfälzer Bratwurst, Schweinebäckchen und natürlich Saumagen; daneben werden Standardgerichte wie Wiener Schnitzel, Rumpsteak oder Cordon Bleu angeboten; schließlich gibt es eine gehobenere jahreszeitliche Karte mit Grünkohlstrudel an Dijonsenf-Espuma, getrüffelter Petersilienwurzelrahm-Suppe mit Chorizocrûtons und St. Pierre-Filet an Muschelsauce mit Safranrisotto. Das ist ein kulinarisch weites Feld, das ziemliches Können erfordert, um es trefflich zu bestellen. Und dieses notwenige ziemliche Können hat der – ebenfalls hoch angepriesene – Küchenchef Tommy Walter aus meiner Sicht keinesfalls, auch wenn der Gault Millau gnädige 13 Punkte, der Michelin 1 Tellerchen und Aral 2 Kochlöffel spendieren; dass der Gusto das Weinhaus Henninger hingegen ignoriert und stattdessen das Intense in Kallstadt würdigt, spricht für den Gusto. Der Werdegang des erst 34jährigen Leipzigers Tommy Walter liest sich für mich weniger wie eine fundierte Ausbildung in großen Häusern bei gestandenen Kochprofis – Schloss Albrechtsberg gehört in Dresden weder zu den besten noch zu den besseren Lokalen, das meinen selbst die Restaurant-Tester, trotz der sehr hübschen Location –, sondern mehr wie die Geschichte eine Job-Hoppers vom namenlosen Durchschnitts-Lokal zu namenlosem Durchschnitts-Lokal in der namenlosen Provinz, und so kocht er meiner Meinung nach denn auch, ambitioniert, bemüht, vorzeigbar, gleichzeitig jedoch mittelmäßig, unkreativ, belanglos, zuweilen auch mit richtigen Patzern, aber dem Gold-Rolex-tragenden 60-Jährigen und seiner massiv aufgebrezelten und –spritzten, dennoch bereits deutlich welkende Begleiterin wird’s schmecken, um am Montag werden sie im Büro in Ludwigshafen  begeistert von dem tooooollen Wochenende in der Pfalz und nochmals tooooooooooooolleren Essen bei dem ganz, ganz tooooooooooooooooooooooollen Kochstar Tommy Walter („Also, ich als Stammgast darf ihn ja Tommy nennen, nach dem Essen kommt er immer an unseren Tisch, fragt wie’s geschmeckt hat und wir plaudern ein Wenig. Neulich hat er mir sogar sein Rezept für Kartoffelbrei verraten, ich wusste  gar nicht, das man den auch aus Kartoffeln machen kann und nicht nur aus der Tüte!“) erzählen, und die Reste frisst die winzige Dreckstöle auf dem Schoß.

Weinhaus Henninger Kallstadt Pfalz Schnecken

Allora: Kräuterquark als Gruß aus der Küche, naja, ganz schön ärmlich, auch die deutliche Liebstöckel-Note (geschmacklich durchaus nicht uninteressant) reißt’s nicht heraus, aber sehr gutes Baguette (ich tippe auf Délifrance). „Hokkaido – Kürbisravioli in Salbeibutter, Cashewnüssen, Parmesan und Spinat“: viel zu dicker Nudelteig gefüllt mit geschmackloser Kürbispampe in viel fetter Butter mit zwei Salbeiblättern drinnen, Nüsse, Parmesan und ordentlicher Spinat geben etwas Geschmack. „Grumbeersupp`“: sämig-dicke-sahnige-kalorische Kartoffelsuppe, eher fruchtig-weinig-säuerlich denn kartoffelig, das verschrumpelte Stücklein Bacon darauf maximal für die Optik. „½ Dutzend Schnecken in hausgemachter Kräuterbutter“: kleine, ausgehungerte, zähe Mollusken in wohl selbst gemachter, geschmacklich belangloser Kräuterbutter. „Tranchen und Bratwurst vom Saumagen an zweierlei Püree von Weinkraut und Kartoffel mit karamellisiertem Spitzkohl“: hier sollte man eigentlich meinen, läuft jeder Pfälzer Koch zur Höchstform auf, aber Bratwurst wie Saumagen von mäßiger Qualität und beide lauwarm, Saumagen hoffnungslos unterwürzt, Sauerkrautpüree sehr bräunlich, matschig, unangenehme Konsistenz, unangenehmer Geschmack, Kartoffelpü zu fest, weder butterig noch kartoffelig noch fluffig, auch lauwarm, dünnes Sößchen dazu dubios. „Kalbsrahmragout mit Butterspätzle und Pfifferlingen“: mal zerkochte, mal harte, schlecht filetierte  Fleischbrocken  in einer sämigen hellen Flüssigkeit, Spätzle kaum selber gemacht, Pfifferlinge matschig und wenn überhaupt nur schlecht geputzt. „Lauwarme Burgunderzwetschgen mit Haselnussbiskuit im Gläschen und Bourbon Vanilleeis“: aber sowas von belanglos … Beide Mahlzeiten, die ich in Henningers Weinhaus hatte, waren belanglos. Nicht so schlecht, als dass man den Teller hätte zurückgehen lassen können, aber niemals auch nur annähernd so gut, dass man sich gefreut hätte, geschweige denn, dass man begeistert wäre. Das Personal dazu ist jung, bemüht, schnell … und offensichtlich völlig unkoordiniert, immer wieder andere Menschen am Tisch, zumindest ich wusste nie, wer „mein Kellner“ bzw. „meine Kellnerin“ ist, feste Zuständigkeiten oder Tischverantwortlichkeiten schein es nicht zu geben, jeder macht offensichtlich alles. So kommt es zuweilen zu längeren Wartezeiten, vielleicht ist dies auch der Grund für die z.T. lauwarmen Speisen, und dieses Herumgewinke Richtung vorbeihuschender Servicekräfte, weil man noch etwas Wasser haben möchte oder einen weiteren Gang ordern, das ist ausgesprochen lästig, noch lästiger aber ist, wenn die angewunkenen Servicekräfte völlig überfordert und im Stress die Winkerei ignorieren und stressgeplagt im Sauseschritt weiter huschen. Dabei bin ich mir sicher, dass die Servicekräfte bemüht sind, aber entweder sind sie zu wenig an der Zahl oder zu schlecht koordiniert, denn eine/n Restaurantleiter/in hätte ich nicht wahrgenommen, ebenso wenig wie eine Sommeier/ière, der/die angesichts des sehr schönen, umfangreichen Angebots an weitgehend unbekannten heimischen Weinen nicht schlecht wäre. Das Ganze glich weniger einer eingespielten Service-Brigade als vielmehr – Verzeihung für das nicht-geschlechtsneutrale Bild – einem unkoordinierten, aktivistischen Hühnerhaufen ohne ordnenden Hofhahn.

Das Frühstück schließlich, wieder serviert in den Fachwerk-Restaurant-Räumen, ist dann durchaus nicht schlecht, Bäckersemmeln und –brot, Eierspeisen à la minute, eine Wurst-und Schinkenauswahl, die der Pfalz alle Ehre macht, aber auch hier wieder unkoordiniert umherwuselndes Personal, dennoch versöhnt das Frühstück ein wenig zum Abschied.

 

 

Weinhaus Henninger
WHH Hotel- und Gaststättengesellschaft mbH
Gesellschafter: Silke Lampert / Jochen Lampert
Geschäftsleitung: Rita Sauer
Weinstraße 93
67169 Kallstadt
Tel.: +49 (63 22) 22 77
Fax: +49 (63 22) 6 28 61
E-Mail: rezeption@weinhaus-henninger.de
Internet: www.weinhaus-henninger.de

 

Hauptgerichte von 14 € (Leberknödel mit Schmelz – und Röstzwiebel, Lauchgemüse und Püree von Weinkraut und Kartoffel) bis 32,50 € (Rinderfilet „Rossini“ mit Kohlrabi à la Creme und Kartoffelgratin), Drei-Gänge-Menue von 30 € bis 57,50 €

 

Doppelzimmer mit Frühstück (pro Zimmer, pro Nacht) 121 € bis 262 €

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