Was Positives von der Sicherheitskontrolle am Flughafen: FLY WITHOUT CRY

Ja, ich gebe es ja zu, ich grantle schon ziemlich viel. Ich grantle über schmuddlige Hotels, schlechte Restaurants, überflüssige Mode-Gins, ungebührliches Benehmen, mangelnde Manieren, mieses Verkehrsmanagement, über fast Alles und Jedes, und besonders gerne grantle ich auch über das Verhalten des Personals der Sicherheitskontrollen am Flughafen, nicht, wenn ich mal wieder meine Hose in aller Öffentlichkeit fast verliere, alldieweil ich den Gürtel abnehmen musste oder wenn ich in ruppigem Tone geheißen wurde, meine Schuhe auszuziehen, in Socken über den dreckigen Boden latschen muss und dann mit meinen vom Reisen dicken Füßen meine Schuhe nicht mehr anbekomme, weil es natürlich keinen Schuhlöffel gibt, nein, das gehört halt offensichtlich dazu, wenn man heutzutage halbwegs sicher flugreisen will, aber diese Willkür, diese Arroganz, dieses Ausgeliefert-Sein, dieses zum Teil brutale Eindringen in meine Privat- und Intimsphäre an den Sicherheitskontrollen, das kann schon nervig sein.

Umso positiver finde ich es, hier auch mal was Positives berichten zu können. Dienstagmorgen 04:00 Uhr, ich mache mich daheim fertig für den Red-Eye-Bomber, ich hasse diese Zeit. Keine Lust auf Aktentasche, also irgendeinen nicht total zerfetzten Rucksack aus dem Schrank genommen, rasch Laptop samt Ladekabel, Handyladekabel, Kladde, Stift, Unterlagen, was zu lesen, Apfel rein, verschlafen auf zum Flughafen, eingecheckt bin ich schon, sagt mir eine Mail der Fluggesellschaft auf meine Funke, kurz vor Sechs noch keine Schlangen vor der Sicherheitskontrolle, automatisch alles Metallerne in die Blazertaschen, Blazer in die Schale auf dem Band vor dem Röntgengerät, Laptop raus und in eine separate Schale, natürlich „Den Gürtel und die Schuhe bitte auch.“, schwupps stehe ich in Socken da und halte krampfhaft meine Hose fest, Rucksack auch noch auf das Band, nach wortloser Aufforderung per Handzeichen in den Ganzkörper-Scanner, Beine breit, Arme abwinkeln, gürtellose Hose droht zu fallen, wie immer betatscht danach der Typ hinter dem Scanner mit seinen schwarzen Plastikhandschuhen, mit denen er wer weiß was schon  begrapscht haben mag, meine Bauchnarben, schließlich könnten das ja auch Sprengstoffpäckchen mit Öko-Kabumm sein, zurück zum Fließband, als erstes Gürtel geschnappt, uff, Hose hält wieder. Unvermittelt sagt die Dame hinter dem Band „Das Taschenmesser, holen Sie das bitte mal aus dem Rucksack!“ Taschenmesser? Oh Scheiße, ach ja, Taschenmesser, als letztes waren wir mit dem Rucksack wandern, also ist mein gutes altes Schweizer Offiziersmesser darin, zum Behufe des Brotzeit Machens. Ich hole das Taschenmesser raus und zeige es der Dame. Mental verabschiede ich mich bereits von meinem guten alten Schweizer Offiziersmesser, meine Schuld, meine Schusseligkeit, damit kann man tatsächlich niemanden an Bord lassen, das sehe selbst ich ein, und Strafe muss sein. „Das können Sie aber nicht mit an Bord nehmen.“ sagt die Dame. „Und Tschüss gutes altes Messer.“ denke ich. „Sie können jetzt nochmals rausgehen, das Messer bei Lost and Found abgeben und bei Ihrer Rückkehr wieder auslösen. Oder …“ „Oder ich schenke es Euch.“ denke ich. „… oder wir lassen es für Sie nachhause schicken.“ „Wie meinen Sie, Sie schicken mir das Messer nach Hause?“ „Würde ich das sonst anbieten?“, entgegnet die Dame etwas schnippisch. „Das kostet dann ca. 10 EURO.“ Na klar mache ich das. Die Dame winkt einen Kollegen herbei, ich schreibe meine Adresse auf ein Formular und unterschreibe, der Kollege packt mein Messer in einen Umschlag, klebt das Formular drauf, ich erhalte einen Durchschlag mit einer laufenden Mandatsnummer – bei mir ist es heute die 29.738, vor mir gab es offensichtlich 29.737 andere Idioten – und einer Bankverbindung. Sobald ich 9,50 EURO auf dieses Konto unter Angabe der Mandatsnummer überwiesen habe, wird mir mein gutes altes Schweizer Offiziersmesser per Post zugestellt. Das nenne ich mal Service am Kunden. Bei einem Taschenmesser für ein paar hundert EURO ist die Situation schon ärgerlich, aber erst bei einem wertvollen Feuerzeug für ein paar tausend EURO, das auch nicht mit an Bord darf … Angeboten wird dieser Service von einer Firma namens FLY WITHOUT CRY, die von einer Melanie Sippel aus Velden als GbR betrieben wird. Ich muss sagen, gute Geschäftsidee mit einem wertvollen Service zu einem moderaten Preis, und toll, dass das Sicherheitspersonal als Vermittler für den Service auftritt. Die guten Leute könnten ja auch sagen „Nicht unsere Aufgabe, wegwerfen oder zurückgehen!“, aber nein, stattdessen helfen sie mir, mein Eigentum zu behalten und zugleich die Sicherheitsvorschriften zu wahren. Find‘ ich echt gut …

Kommentare

  1. reiner

    Moin Eberhard!
    Hier ist Dir ein kleiner Rechenfehler unterlaufen: …ich erhalte einen Durchschlag mit einer laufenden Mandatsnummer – bei mir ist es heute die 29.738, vor mir gab es offensichtlich 29.787 andere Idioten – und einer Bankverbindung.
    –> 29737
    Liebe Grüße,
    Reiner

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