Strasser in Tumeltsham im Innkreis: geniales Backhendel, alles andere ganz das Gegenteil

Summa summarum: sehr durchschnittlicher Landgasthof mit hervorragenden Backhendeln und kleiner „toskanischer“ Poolanlage hinter dem Haus, sonstiges Essen Durchschnitt, Zimmer im Altbau sind grausam und laut, Zimmer im Neubau weniger grausam, zumindest im Sommer stinkt es überall, selbst im Haus erbärmlich nach Vieh und überall sind Fliegen

Fliegen, Oberösterreich, Backhendel, Strasser, Tummeltsham, Ried im Innkreis
Eigentlich geht so Gastgarten … wären da nicht Fliegen und Gestank

Beim Strasser in Tummeltsham bei Ried im Innkreis bin ich gelandet, weil er legendär sein soll für seine Backhendeln, und – bei Gottfried – die Dinger sind dort wirklich richtig gut: dicke, resche, wohlschmeckende Panade um saftiges, zartes, ebenfalls wohlschmeckendes Hühnchenfleisch, dazu ein ordentlicher Salat, da braucht’s keine Pommes und sonstiges Zeugs, die Beilage zum Huhn ist – wie es sich gehört – die Panade. Die Nudelsuppe zuvor war dann eher von der Dünnes-Süppchen-Fraktion, die Bologneser Sauce über den Spaghetti (fragen Sie mich nicht, warum, aber mitten in Oberösterreich war mir plötzlich nach Spaghetti Bolognese, und das auch noch in einem ur-österreichischen Lokal, aber sie standen nun halt mal gerade auf der Speisekarte, und ich hatte Appetit darauf … tschuldigung) glaube habe ich hier und dort schon mal ziemlich identisch gegessen, jedenfalls taugte sie wenig, die Palatschinken mit Marillenmarmelade zum Dessert ganz ok, die Weinauswahl ein ärmlicher Schandfleck, aber der Most vom Bauern lecker und das Zipfer Bier süffig, die Speisekarte insgesamt erfreulich klein, Tagesgerichte leider nur Mittags. Die Bedienung dazu freundlich, flott, nett und auch noch hübsch anzuschauen. Die alte Wirtsstube ist mit Holzverkleidung, Kachelofen und alter Möblierung mit „Patina“ ist heimelig-gemütlich, neben dem Haus gibt es einen schattigen, urigen Biergarten unter Kastanien, hinter dem Haus schließlich einen Pool mit „toskanischer“ Terrassenlandschaft und einer großen Liege- und Spielwiese samt Kinderspielplatz, sicherlich recht nett für junge Familien. Und das W-Lan ist ok. Soweit zu den positiven Dingen beim Strasser. Der Rest ist negativ.

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Im halbvollen Biergarten war trotz herrlichstem Wetter des Bleibens nicht, denn er wurde bevölkert von Myriaden von Fliegen, nicht Dutzende, nicht Hunderte, Myriaden: auf dem Tisch, auf den Bänken, auf der Zeitung, auf dem Rechner, auf dem Körper, am Bier, im Bier, am Essen, … überall. Ich sage ja nichts gegen ein paar Fliegen auf dem Lande, das ist schließlich normal, aber das war alles andere als normal. Ich hatte mal gehört, ein paar von den Viechern zu erschlagen, das hielte dann die anderen fern; weit gefehlt, eine tote Fliege lockt offensichtlich Dutzende anderer an, die dann den Kadaver fressen. Außerdem stank es überall, nicht nur draußen, auch im Haus, erbärmlich nach Viehscheiße, ich habe ja auf Schwein getippt, aber direkt neben dem Strasser-Anwesen ist ein ausgedehnter Kuhstall, jedenfalls stank es zum Gotterbarmen. An Essen draußen war wg. der Fliegen und dem Gestank nicht zu denken, also rein in die düsteren Gaststuben bei strahlendem Sonnenschein. Es gibt zwar zwei separate Gaststuben, aber in beiden wurde geraucht, dazu lief lautstark Deppenfernsehen mit Deppensport. Da schmeckt das Essen: Düsterniss, Deppenfernsehen und Rauch. Danke, Familie Strasser. Aber der Rauch hat dann zumindest den Scheißegeruch überdeckt die Anzahl der Fliegen reduziert (oder sind sie vor dem Deppenfernsehen geflohen?), man muss Allem auch was Positives abgewinnen können. Bei den Zimmern gibt es wohl zwei Kategorien „alt“ und „neu“, ich hatte die Kategorie alt, halbwegs geräumig, gefliestes Tageslicht-Duschbad mit abgewetzten Handtüchern, geschmacklose 08/15-Möbelierung, durchgelegene Matratze, grausame Lampen, hier möchte man vom Wohlfühlfaktor her nicht länger verweilen als unbedingt nötig. Direkt vor dem Fenster die Bezirksstraße, vis-à-vis die Freiwillige Feuerwehr Eschelried. Und die hatte natürlich Feuerwehfest. Bis 02:0 Uhr morgens. Bei offenem Fenster konnte man nicht schlafen wegen ohrenbetörendem Feier-Lärm und Fliegen, bei geschlossenem Fenster konnte man nicht schlafen wegen leicht gedämpftem ohrenbetörendem Feier-Lärm, einsperrten Fliegen und muffiger Luft. Aber um 02:00 Uhr waren die wackeren Dorf-Floriansjünger ja durch mit ihrer Sause. Bis ab 04:30 Uhr die Ernte-Trecker mit ihren großen Anhängern und Riesen-Rädern mit hoher Geschwindigkeit im gefühlten Fünf-Minuten-Takt am Haus vorbeidonnerten. Aber wer braucht schon mehr als zwei Stunden Schlaf? Dazu passend dann noch das Frühstück in einem weiteren – diesmal rauchfreien – Raum des Etablissements nach Hinten raus, lieb- und geschmacklose Kantineneinrichtung, kleines Buffet mit kleiner Auswahl an wahrscheinlich Ess- und Trinkbarem, das ich so nicht zu mir nehmen mochte, dazu ein Mann mit einem Benehmen an der Grenze zwischen mürrisch und unfreundlich, diesmal lief im Deppenfernsehen lautstark eine Sendung mit einem der widerlichen Kochclowns, ich trank einen schlechten Kaffee, zahlte und ging … floh!

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Blick an die Wand: So viel Billig-Baumarkt-Kitsch-Hässlichkeit muss man sich erstmal trauen!
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Blick aus dem Fenster: Jetzt scheinbar harmlos, aber Humba-humba-täterä-täterä-taterätätätä

P.S.: Etwas allerdings ist mir bei der Aufarbeitung dieses traumatischen Gastro-Erlebnisses im Nachhinein dann doch bewusst geworden: ob jemand auf Tripadvisor 4,5 oder 5 Sterne hat, ist vollkommen irrelevant, jeder verdreckte Fleischklopsbrater und jeder dahergelaufene Tortillaroller kann auf dieser Laienspielveranstaltung hohe Bewertungen bekommen, wenn er das richtige Publikum richtig triggert und/oder die Social-Media-Klaviatur mit all ihren Dissonanzen so richtig zu spielen versteht; aber wenn ein Haus, egal welcher Provenienz, selbst auf Tripadvisor nur 3 Sterne bekommt, dann ist meist etwas sehr im Argen.

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Gasthof-Pension Strasser e.U.
Johann Strasser
Eschlried 3
A-4911 Tumeltsham
Tel.: +49 (77 50) 34 10
Fax: +43 (77 50) 34 10 41
Mail: Office@Gasthof-Strasser.com
www.Gasthof-Strasser.com

Hauptgerichte von 8,80 € (Kräuterspätzle-Pfanne mit Currysauce) bis 17 € (Rumpsteak, Speckbohnen, Kartoffellaibchen), Drei-Gänge-Menue von 16 € bis 29,50 €

Doppelzimmer mit Frühstück (pro Zimmer, pro Nacht) 92 € bis 120 €

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