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Irgendwo in den Alpen – Kinderskikurs. Verloren stehe ich im Restschnee (Klimaerwärmung?) und beobachte die umherrutschenden Helme mit Kindern unten dran.

„Ole“ – nein, das ist nicht der Ausdruck spanischer Lebensfreude, sondern der Vorname eines Sprosses, der gerade seine ersten Gehversuche auf Brettern unternimmt. Seine Eltern (wir wohnen sogar im gleichen Hotel!) haben sich extra aus der norddeutschen Tiefebene heruntergestaut, um ihm den Spaß am Skifahren vermitteln zu lassen.

Der einheimische Ski-Pädagoge mit roten Overall und den noch röteren Backen hat eine Engelsgeduld mit den Kleinen. Rückwärts gleitet er den flachen Hang hinab auf den Brettern, die seine Welt bedeuten und ruft  zum x-ten Mal dem behelmten Nachwuchs  zu: „Ski auseinander!“ Unser aller Ole, die partielle Sonderbegabung auf zwei 300-Euro-Brettern, weigert sich beständig den Abhang runter zu rutschen. „Wenn du jetzt nicht sofort da runter fährst, lasse ich dich alleine am Berg stehen!“, ruft Mami liebevoll.

Was gibt es schöneres als glückliche, kleine Racker auf Skiern, die drei Stunden am Stück weinen. Da verlieren manche Eltern die Nerven, nach dem die erzieherische Dreifaltigkeit aus „Bestechen – Erpressen – Anschreien“ versagt hat. Mami geht zur Hütte und bestellt sich erst mal einen Aperol Spritz und raucht eine Sportzigarette. Papa hält – als vermutlicher Namensgeber des „Idiotenhügels“ – die Stellung und coacht Ole vom Pistenrand aus weiter. Hopphopphopphopp.

Der beheimatete Alpinist nimmt den Norddeutschen zur Seite „Weißt du, du Brettljausn, wenn der Herrgott gewollt hätte, dass Ihr Ski fahrt, dann hätte er euch Berge geschenkt.“ Woraufhin der Südschwede kontert: „Aber wenn wir Berge hätten, dann wären Sie höher. Garantiert!“*

Wissen Sie, ich bin tolerant – vor allem mir selbst gegenüber. Aber was manche Eltern ihren Kindern zumuten, ist inakzeptabel. Der Leistungsdruck auf einige kleine Sportler erreicht auch in den Bergen ungeahnte Höhen. Denn am Ende des Kurses steht das Abschlussrennen mit Urkunden für Gott und die Welt.

Die Nacht vor dem großen Rennen der Kinder verlief zunächst ganz ruhig und entspannt. Doch dann wurde es so laut, dass ich um drei Uhr morgens an der Hoteltür unseres Zimmernachbarn klopfte. Ihm wäre vor Schreck beinahe das Kantenschleifgerät aus der Hand direkt auf die Skier seines Oles gefallen. Und auch am nächsten Morgen auf der Piste benahm sich der Nachbar immer noch äußerst ungeschliffen. Ole hat  alle Stangen umgefahren und wurde guter Elfter. Papa hat formell Protest gegen die Wertung eingelegt. In diesem Sinne Ski heil – der nächste Schnee kommt bestimmt.

 

*frei nach Fredl Fesl

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