Plastiktaschen-Wahnsinn oder von den Leiden des Spontan-Konsums

So richtig bin ich Umweltsau noch nicht in der schönen neuen Zucht- und Ordnungs-Welt von Gutmenschistan, dem kleinen rückständigen Land mit verblödeten Bewohnern am Rande der Geschichte angekommen.

Früher, in der guten alten Zeit, da ging man spontan nach der Arbeit oder beim Stadtbummel einkaufen, bekam eine Plastiktüte zum Einkauf dazu geschenkt oder zahlte von mir aus auch 10 Cent dafür, trug eingekaufte Ware samt Plastiktüte heimwärts, verstaute die erstandenen Güter in Schränken, Regalen und Truhen, dieweil die Plastiktüte zusammen mit anderen in einen Schuber aus Drahtgeflecht wanderte, wo sie ihrer weiteren Verwendung harrte. Nämliche Plastiktüte diente dann irgendwann als Behältnis für Schuhe oder Schmutzwäsche beim Reisen, als Verpackung für allerlei Dinge, die im Keller gelagert wurden, auch wieder als Tragetasche für irgendwelche Sachen oder schließlich und letztlich als Mülltüte im heimischen Mülleimer, um dann Müll mit Müll entsorgt zu werden. Tja, so war das früher, in die Nordsee oder das Südchinesische Meer jedenfalls habe ich nie eine Tasche geworfen, noch nicht einmal in den Rhein. Irgendwie war in meinem Beutel-Schuber immer ein ökologisches Gleichgewicht von neu hinzukommenden und final verbrauchten Plastikbeuteln. So weit, so früher. Auch heute gehe ich noch spontan einkaufen, und diese Spontanität mag ich mir von keiner zunehmend diktatorischen Obrigkeit nehmen lassen. Weder in meinen Jeans noch in meinen Anzügen trage ich ständig wiederverwertbare Stoffbeutel (wie war das doch gleich mit der Ökobilanz von Baumwolle, von wegen Wasserverbrauch, Pestiziden, Behinderung des Anbaus von Lebensmitteln, ausgelaugten Böden, langen Transportwegen, …?) mit mir rum. Also kaufe ich beim Spontaneinkauf die eine um die andere recht hochwertige, aufwändige und langlebige Plastik- und Stofftragetasche für mittlerweile recht viel Geld. Und daheim stapeln sich diese Dinger dann in meinem Beutel-Schuber. Als Müllbeutel taugen die Dinger nix, und ich habe längst nicht so viele Schuhe wie ich zwischenzeitlich Stofftaschen habe, um sie auf Reisen darin zu verpacken. Also quillt der Beutel-Schuber über und über, das ökologische Gleichgewicht von neu hinzukommenden und final verbrauchten Plastikbeuteln ist obrigkeitsseitig böswillig zerstört. Aber sogar NABU erklärt: „Daher macht es ökologisch keinen Sinn, beim Einkauf aus schlechtem Gewissen zur Baumwolltasche zu greifen statt zur Plastiktüte und anschließend die Stoffbeutel zu Hause zu horten.“ Was werde ich Umweltsau ergo machen? Ich schmeiß‘ das ganze Pseudo-Öko-Glump auf den Müll, ohne es vorher ein zweites und drittes Mal sinnvoll zu nutzen. Und derlei verlitten werde ich sicherlich auch weniger spontane Einkäufe beim stationären Handel vor Ort machen, stattdessen Plastiktüten-frei bei Amazon bestellen, Jeffrey „Jeff“ Preston Bezos noch reicher machen und Waren aufwändig verpackt in Autos hin und herfahren lassen, um die Einweg-Verpackungen hernach auf den Müll zu werfen. Gut gemacht, Merkel-Regime.

Ein Mann kommt in den Himmel. Dort sieht er einen Baum mit vielen, vielen Glöckchen dran, mal bimmelt das eine, mal ein anderes. „Was ist das für ein Baum?“ will der Mann von Petrus wissen. „Das ist der Bullshit-Baum. Jedes Mal, wenn jemand auf der Erde Bullshit verzapft, klingelt ein Glöckchen.“ Plötzlich beginnen alle Glöckchen am Baum wie wild zu klingeln und zu bimmeln und zu läuten und zu schellen und zu tönen, so wild, dass der Baum fast umfällt. „Was ist denn jetzt los?“ fragt der Mann Petrus. „Nichts weiter,“ antwortet Petrus, „gerade hat die Bundestagssitzung in Berlin angefangen“.

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Kommentar

  1. Mona

    Vom Fakt her stimmt es ja, mit den Tüten und Beutelchen – aber der Plastikwahn in den Geschäften war schon auch recht schlimm. Man hat ja früher für jeden einzelnen Einkauf eine Tüte aufgedrängt bekommen, anstatt mehrere Sachen in eine zu stecken. So schnell konnte man sich an der Kasse gar nicht wehren, während man gerade noch mit dem Zahlen beschäftigt war. Und wenn’s nichts gekostet hat, naja, dann war’s halt wurscht.
    Wenn nun dafür gezahlt werden muss, kommt man wenigstens mal ins Nachdenken. Am Geldbeutel tut es den Menschen halt doch immer noch am meisten weh. Und dann ist es auch ein fairer Deal. Ich kaufe die Plastiktüte, verwende sie sinnvoller, vielleicht auch öfters und spare mir auf der anderen Seite den Kauf von Müllbeuteln. Denn seien wir mal ehrlich – bei der Flut an aufgedrängten Tüten wanderten viele einfach so in den Müll. Also ich kenne da eher ein Ungleichgewicht in unserem „Schuber“ damals. Irgendwann hat man dadurch Platz geschaffen, dass man eine Handvoll mal in den Müll geworfen hat. Und das ist ja nun wirklich auch nicht sinnvoll.
    Was Du daher eher erwähnen solltest ist die Tatsache, dass man mangels dieser Einkaufstüten heute dann im 30iger Pack Plastik-Mülltüten kauft (auch hier nehme ich mich nicht aus), was dann auch irgendwie wieder schwachsinnig ist. Das Argument fände ich passender, als der Schwenk zu Amazon.
    UND und ABER – es soll ja tatsächlich „Gutmenschen“ geben (wie ich dieses Wort hasse), die mit einer sehr häufig verwendeten Beutelchen (stets eins dabei) auch für Spontaneinkäufe gewappnet sind…! 

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