Le Petite Auberge in Le Hohwald: Nochmal vom Reiz des Immer-Gleichen

Summa summarum: unaufgeregte, seit Jahren unverändert gute, traditionelle, bodenständige Elsässische Küche in leicht spießigem Ambiente im tiefen Wald; nur die Laune des Servicepersonal ist wechselnd

Vor einiger Zeit hatte ich hier geschrieben, dass es nicht immer unbedingt was Neues sein muss, auch das Immer-Gleiche kann zuweilen seinen Reiz haben. Einer dieser Orte mit dem Reiz des Immer-Gleichen ist für mich seit mehr als 15 Jahren das Restaurant La Petite Auberge von Robert und Lucienne Hubrecht in Le Hohwald, das liegt versteckt in den Vogesen, hinter Barr ca. 20 Autominuten die D425 immer entlang der Andlau den Berg hoch, hier verirren sich höchstens Wanderer oder Ruhe-Freaks her, manchmal noch Motorrad-Deppen. Das längliche Haus direkt an der Straße ist unscheinbar, da gibt es in Saverne, Barr oder Colmar deutlich hübschere Gasthäuser. Auch innen ist die Petite Auberge eher bürgerlich-spießig-aufgeräumt, weder edel-nobel-luxuriös noch urig-gemütlich-leger, sondern ein richtiges in-between halt ein basst scho, wie der Bayer sagen würde. Außer den sich jahreszeitlich wiederholenden zwei, drei Empfehlungen des Chefs – Spargel, Muscheln, Wild, usw. – ist die Speisekarte klein und seit Jahren kaum verändert. Würde ich in Le Hohwald wohnen und öfters dort essen gehen, ich wäre längst an der kleinen Auswahl überdrüssig; kommt man aber nur ein, zwei Mal pro Jahr, so freut man sich auf selbst gemachte Wildpastete mit kleinem Salat, Foie Gras mit Sauternesgelee, Kirschchutney und Brioche (neuerdings dekoriert mit einem Strich industrieller kackbrauner Balsamico-Creme, so’n Quatsch!), Schnecken in Kräuterbutter mit Baguette, wechselnde Ragouts mit selbst gemachten Spätzle, natürlich die traditionelle Choucroute mit Würsten, Speck, gepökeltem Schweinenacken, … das alles gibt’s seit Jahr und Tag, unverändert (bis auf den Balsamico-Kacke-Strich, der ist neu), gleich gut, gleich lecker, es passiert wirklich nur ganz selten, dass ich mich von diesem immer-gleichen Speiseritual von der Tageskarte abbringen lasse, wenn ich in der Petite Auberge in Le Hohwald bin. Das Einzige, was wechselt, sind die Grüße aus der Küche – beim letzten Mal ein Bröckchen Brot mit Entenrillette und eines mit einem quietsche-lila Aufstrich der es nicht angeraten erschienen lies, es zu kosten – und die Desserts, hier gibt es leider keine Elsässischen Standards wie etwa Kougelhopf, Tarte au Pommes oder Tarte Myrtille, auf die man sich freuen könnte, hier werden munter wechselnde Cremes, Eis, Küchelchen und Obst serviert, und meist kann ich mich des Verdachts der Convenience-Tüte nicht erwehren. Käsewagen gibt’s leider keinen, dazu ist das Lokal einfach zu klein. Die Petite Auberge ist seit Jahrzehnten eine sichere kulinarische Bank, gewiss keine Hoch- und Sterneküche, aber durchgängig gleichbleibende gutbürgerliche, traditionelle Elsässische Küche, mehr braucht’s doch manchmal gar nicht. Ebenfalls wechselnd – das sei noch erwähnt – ist die Laune und Qualität des Servicepersonals, mal freundlich, geschult, professionell, flott, mal maulig, unerfahren, unprofessionell, langsam … und alles dazwischen.

Das urige Relais Tartes flambées, das die Hubrechts im selben Gebäude nebenan betreiben, hat leider nur Samstagabend ein paar Stunden auf, ist aber mit seiner rustikalen Atmosphäre und hervorragenden Flammenkuchen immer einen Besuch wert. (Wer ansonsten Flammenkuchen in Le Hohwald essen will, der ist täglich vielleicht 1 Kilometer die Hauptstraße hoch in der Auberge à l’Ancienne Grange bestens aufgehoben, die Flammenkuchen sind hier exzeptionell, die Preise sehr zivil, und die Männer an der Theke beim Wein sprechen oft noch Elsässisch, dieses Mischmasch aus Deutsch und Französisch, das meine Großmutter noch sprach.)

 

Hotel Restaurant La Petite Auberge
Robert und Lucienne Hubrecht
6 rue Principale
67140 Le Hohwald
Elsass / Frankreich
Tel.: +33 (3 88 08) 33 05
Fax: +33 (3 88 08) 3462
E-Mail: infolapetiteauberge@orange.fr
Online: http://lapetiteauberge-hohwald.com

 

Hauptgerichte von 16,80 (Forelle in Mandelbutter) bis 22,50 € (Zanderfilet in Sahne) (reiner Zufall, dass ausgerechnet das billigste und das teuerste Hauptgericht Fisch sind), Drei-Gänge-Menue von 27,70 € bis 55,80 €

 

Doppelzimmer mit Frühstück (pro Zimmer, pro Nacht) 113 € bis 178 €

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