Gratinierter Ziegenkäse

Ziegenweichkäse – nicht zu verwechseln mit Ziegenfrischkäse – hat mittlerweile flächeneckend auch die deutschen Discounter-Kühlregale erreicht. Der ziemlich nach nichts schmeckende, dafür aber relativ wohlfeile Chavroux ist heute fast überall erhältlich. Hergestellt wird er vom französischen Lebensmittelkonzern Savencia SA mit mehr als achtzig Unternehmen in 24 Ländern, ebenso wie u.a. die Marken Géramont, Saint Albray, Le Tartare, Rambol, Edelweiss, Bresso, Milkana, Ramee, Brunch oder Caprice des Dieux (und viele andere). Die Mär vom kleinen Käser im Périgord auf der Webpage ist also Bullshit. Aber es gibt Alternativen zum Chavroux, etwa den Sainte Maure von Président (ebenfalls ein Konzern) ist etwas kräftiger im Geschmack, persönlich mag ich den Altenburger sehr gerne, dazu gibt es in jeder guten Käsetheke gänzlich unpopuläre Ziegenweichkäse von kleinen, handwerklichen, lokalen Erzeugern, hier lohnt sich einfach ein Suchen und Durchprobieren, das sind zuweilen spannende, Wochen und Monate dauernde, kleine Entdeckungsreisen mit unbekanntem Ausgang.

Ich schlage hier vor, den gratinierten Ziegenweichkäse auf einem Bett von Radieschenscheiben anzurichten, sieht zwar nicht mega-hipp aus, aber für mich harmonieren die scharf-wässrig-salzig-knackigen-kalten Radieschen perfekt mit dem cremigen-sahnigen-süßen-kräftigen-thymianschwangeren-lauwarmen Ziegenweichkäse. Man kann ihn auch zu einem kleinen Wildkräuter-Salat mit einem Senf-Balsamico-Dressing servieren, ein betont Apfel-lastiger, saurer Waldorf-Salat stört ebenfalls nicht, wenn man die Pinienkerne weglässt, allerdings wird es dann recht fett und mächtig. Angerichtet auf einem Pumpernickel-Taler wird der gratinierte Ziegenweichkäse zu einem netten Amuse Gueule, das sich schnell und einfach auch für viele Personen zubereiten lässt.

Zutaten (für vier Vorspeisen-Portionen):

  • 1 Bund Radieschen
  • 1 Rolle Ziegenweichkäse (150 g)
  • Ein paar Zweiglein frischer Thymian
  • Ein Handvoll Pinienkerne
  • Dunkler, dickflüssiger Honig, am besten deutscher Wald- oder – noch besser – Tannenhonig
  • Nach Wunsch: Kresse

Zubereitung:

  • Stängel der Radieschen abschneiden, die Radieschen waschen, putzen, in 1 bis 2 mm dicke Scheiben hobeln
  • Radieschen ordentlich salzen, in ein möglichst großes Sieb geben und abtropfen lassen
  • Ziegenkäse-Rolle in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, auf einen feuerfesten Untergrund legen
  • Thymian-Blättchen abzupfen und auf den Ziegenkäse-Scheiben verteilen
  • Radieschen nochmals abschütteln, halbwegs dekorativ auf vier Tellern verteilen
  • Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne ohne Fett unter Rühren leicht braun rösten, beiseitestellen
  • Auf jede Ziegenkäse-Scheibe einen Klecks Honig geben
  • Ziegenkäse-Scheiben mit einem Crème brûlée- oder einem anderen, Lebensmittel-geeigneten Brenner gratinieren, bis der Honig zerläuft
  • Ziegenkäse-Scheiben auf die Teller mit Radieschen verteilen, mit gerösteten Pinienkernen bestreuen, nach Wunsch noch mit Kresse bestreuen, sofort servieren
Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top